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Olympia 2020: «Hol die Kameltreiber» – Rassismus-Eklat beim Zeitfahren

Der deutsche Velo-Trainer hat sich ganz klar im Ton vergriffen.
Der deutsche Velo-Trainer hat sich ganz klar im Ton vergriffen.bild: screenshot ard

«Hol die Kameltreiber» – deutscher Rad-Trainer sorgt bei Olympia für Rassismus-Eklat

28.07.2021, 14:5228.07.2021, 14:52

Beim Einzelzeitfahren der Männer hat sich der deutsche Rad-Trainer Patrick Moster einen verbalen Fehlgriff geleistet. Der 54-Jährige wollte Nikias Arndt anfeuern, damit dieser die vor ihm ins Rennen gegangenen Amanuel Ghebreigzabhier aus Eritrea und Azzedine Lagab aus Algerien einholt. Dabei liess sich Moster zu einer rassistischen Bemerkung verleiten und schrie: «Hol die Kameltreiber! Hol die Kameltreiber, komm!»

Sofort nach dem Rennen entschuldigte sich Moster für seine rassistische Entgleisung: «Ich stand in der Verpflegung und habe Nikias angefeuert. Im Eifer des Gefechts und mit der Gesamtbelastung, die wir momentan hier haben, habe ich mich in der Wortwahl vergriffen. Es tut mir unendlich leid, ich kann nur aufrichtig um Entschuldigung bitten. Ich wollte niemanden diskreditieren», sagte Moster gegenüber der Deutschen Presse-Agentur und betonte: «Wir haben selbst viele Bekannte mit nordafrikanischen Wurzeln, wie gesagt, es tut mir leid.»

Zeitfahrer Arndt, der am Ende 19. wird, zeigte sich auf Twitter «entsetzt» über Verbal-Ausrasters seines Trainers. «Ich möchte mich hiermit deutlich von den Aussagen des sportlichen Direktors distanzieren», schreibt der 29-Jährige. «Solche Worte sind nicht akzeptabel. Olympia und der Radsport stehen für Toleranz, Respekt und Fairness. Diese Werte vertrete ich zu 100% und ziehe meinen Hut vor all den grossartigen Sportlern, die hier in Tokio aus aller Welt zusammen gekommen sind!»

Der Deutsche Olympische Sportbund kündigte eine Reaktion an. «Das Team D steht für die Einhaltung der olympischen Werte Respekt, Fairplay und Toleranz und lebt diese in all ihren sportlichen Wettbewerben», sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. «Es ist wichtig, dass sich Patrick Moster unmittelbar nach dem Wettkampf entschuldigt hat. Wir werden noch heute das persönliche Gespräch mit ihm suchen und die Situation aufarbeiten.»

Gewollte Ohrfeigen

Ebenfalls für Aufsehen sorgten mehrere Ohrfeigen des deutschen Trainers Claudiu Pusa für Judoka Martyna Trajdos. Er hatte seine Athletin vor einem Kampf durchgeschüttelt und zweimal ins Gesicht geschlagen. Der Judo-Weltverband IJF sprach darauf eine Warnung gegen einen deutschen Trainer aus, ohne dabei explizit Trajdos, Pusa oder die Szene von den Wettkämpfen vom Dienstag zu nennen. Die IJF rügte den Coach für sein «schlechtes Verhalten während des Wettbewerbs», wie sie via Twitter mitteilte.

Die 32-jährige Deutsche verteidigte ihren Coach allerdings: «Das ist etwas, worum ich meinen Trainer bitte. Macht ihm keine Vorwürfe! Ich brauche das vor meinen Kämpfen, um wach zu sein», schrieb sie auf Instagram.

Es handle sich um ein Ritual vor Wettkämpfen, für das sie sich selbst entschieden habe. «Sieht so aus, als ob es nicht gar genug gewesen wäre», ergänzte Trajdos mit Blick auf ihre Auftaktniederlage gegen die Ungarin Szofi Ozbas in der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm. «Ich wünschte, ich hätte heute für andere Schlagzeilen sorgen können.» (pre)

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