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Re-elected FIFA President Sepp Blatter gestures during news conference after an extraordinary Executive Committee meeting in Zurich, Switzerland, in a May 30, 2015 file photo. The Coca-Cola Co called on Friday for FIFA's President Sepp Blatter to step down immediately following Swiss authorities saying they were opening a criminal investigation into the head of the world soccer body.    REUTERS/Arnd Wiegmann/Files

Trotz Rücktrittsforderungen von Sponsoren will Sepp Blatter vorläufig im Amt bleiben.
Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

FIFA-Sponsoren fordern Blatter-Rücktritt: Wie viel Heuchelei, Dreistigkeit, Ahnungslosigkeit, Feigheit und Dummheit wird uns noch zugemutet?

Grosse Geldgeber fordern den Rücktritt von FIFA- Präsident Sepp Blatter. Sie begehen gleich sieben «Todsünden». Das FIFA-Theater wird immer absurder.



Mit globaler Medienwirksamkeit fordern grosse Geldgeber den Rücktritt des grossen FIFA-Vorsitzenden Sepp Blatter. Gleich aus sieben Gründen eine Torheit sondergleichen:

Erstens ist es Heuchelei

Jene, die das System FIFA, wie wir es heute kennen, durch die Zahlung von Millionen erst möglich gemacht haben, fordern den Rücktritt des Mannes, den sie jahrelang hofiert haben. Diese Firmen sind ein Teil des Problems. Kein Schelm, wer fragt, ob es wohl bei der Unterzeichnung der millionenschweren Werbeverträge nie ein «Kickback» gegeben hat – also eine Zahlung unter dem Tisch an jene, die diese Millionen bewilligt haben.

BERLIN, GERMANY - MARCH 29: Hendrik Steckhan poses with the trophy during a photocall at the Gala Night of the FIFA World Cup Trophy Tour on March 29, 2014 in Berlin, Germany.  (Photo by Clemens Bilan/Getty Images for Coca Cola)

Die WM-Trophäe war vor der Endrunde 2014 in Brasilien mit Coca Cola auf Tour.
Bild: Getty Images Europe

Zweitens ist es Dreistigkeit

Ein ungeschriebenes Gesetz sagt, dass sich Sponsoren nicht einmischen sollten. Und wenn, dann diskret. In Vieraugengesprächen. Wer öffentlich Forderungen erhebt, missachtet das Prinzip der Gewaltentrennung zwischen Werbung und Sport und zeigt, dass man sich nicht an Spielregeln hält und dreist und respektlos Einfluss nimmt, wo man sich zurückhalten sollte. Und dazu kommt: Wer einen Rücktritt fordert, sollte auch eine Lösung präsentieren.

Drittens ist es mangelnde Professionalität

Wer zweistellige Millionenbeträge in ein Sponsoring investiert und hinterher öffentlich Forderungen stellt, hat zuvor nicht sorgfältig geprüft, mit wem er sich da eingelassen hat. Das ist höchst unprofessionell, ja, mangelnde Sorgfaltspflicht.

Viertens ist es billig

Die Sponsoren, die den Rücktritt des FIFA-Präsidenten fordern, sind weltweit operierende Milliarden-Konzerne. Sie sind also in verschiedensten Ländern und Kulturen tätig. Kein Schelm, wer fragt, ob es denn nicht andere, berechtigtere Rücktrittsforderungen gäbe. Immerhin sei angemerkt, dass die FIFA trotz allem keine Steuern erhebt, keine Steuergelder verprasst, keine Kriege führt, keine Menschen unterdrückt, keine Revolutionen anzettelt und nirgendwo Gewalt ausübt.

Bild

Die World-Cup-Burger verkauften sich während der WM sicher nicht schlecht.
bild: mcdonalds

Fünftens ist es feige

Wenn grosse Sponsoren mit dem Wesen und Wirken der FIFA nicht mehr einverstanden sind – dann sollen sie die Geschäftsbeziehung beenden. Punkt. Dass dies nicht passiert, hat nicht primär juristische, vertragstechnische Gründe. Vielmehr ist es Feigheit: Wer jetzt den Mut hat, auszusteigen, überlässt anderen eine weltweite Werbeplattform. Das will dann doch niemand riskieren. The Show must go on.

Sechstens ist es Ahnungslosigkeit

Wer öffentlich einen Rücktritt fordert, sollte dies nur tun, wenn klar ist, dass dieser Rücktritt auch erfolgt. Passiert nichts, entlarvt man sich als machtlos – und ahnungslos. Und entlarvend ist auch, dass sich weltweit operierende Milliardenkonzerne offenbar mit einem unseriösen Geschäftspartner eingelassen haben. Dass diese Manager der Milliardenkonzerne ahnungslos waren. Das ist noch schlimmer als fehlende Professionalität. Kein Schelm, wer fragt, ob sich nicht dieser oder jene Herr diese Ahnungslosigkeit bezahlen liess.

ADVANCE FOR WEEKEND EDITIONS, JULY 4-6 - FILE - In this June 30, 2014 file photo, an advertisement for official FIFA sponsor Visa is shown, at rear, as Algeria's goalkeeper Rais M'Bolhi, left, deflects a header by Germany's Thomas Mueller during a World Cup round of 16 soccer match in Porto Alegre, Brazil, Monday, June 30, 2014. FIFA vowed to crack down on non-sponsors this year, going so far as to tape over the band name of the hand dryers in stadium restrooms. Sponsors are the second-biggest source of revenue for the organization, behind broadcast rights. (AP Photo/Thanassis Stavrakis, File)

Visa ist beim WM-Achtelfinal 2014 zwischen Deutschland und Algerien allgegenwärtig.
Bild: Thanassis Stavrakis/AP/KEYSTONE

Siebtens ist es ganz einfach schiere Dummheit

Sehr viele Menschen wissen gar nicht, wer die FIFA finanziert und wer über diese Organisation Werbung macht. Immer wieder fördern Umfragen rund um WM-Turniere eine erstaunliche Unwissenheit des Publikums zu Tage. Mit diesen Rücktrittsforderungen machen die Sponsoren darauf aufmerksam, dass sie mit der FIFA zusammenarbeiten und der Name wird in einem Zug mit dem FIFA-Skandal genannt. Das kann nicht im Sinne der hochbezahlten PR-Strategen sein.

Das Gebot der Stunde ist für die grossen FIFA-Geldgeber ein anderes: Schweigen und sich schämen – und die Konsequenzen ziehen, wenn alles vorbei ist.

Tschau Sepp – Blatters Karriere in Bildern

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Tschau Sepp – Blatters Karriere in Bildern
quelle: keystone / widmer
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