Sport
Ski

Keine Lust auf Schickimicki: Beat Feuz sagt dem Skisport Tschüss

Kein Bock auf Party – Beat Feuz schlägt nach Kitzbühel-Abschied diverse Einladungen aus

Beat Feuz verabschiedete sich nach der zweiten Abfahrt in Kitzbühel vom Skisport – und schlug danach zahlreiche Partyeinladungen aus. Und er erzählt, was Arnold Schwarzenegger mit seinen Oberschenkeln zu tun hat.
22.01.2023, 21:55
Martin Probst / ch media
Mehr «Sport»

Es gibt in Kitzbühel am Hahnenkamm-Wochenende Partys, da kostet das Ticket bis zu 695 Euro. Wer sich eines leistet, hat dann die Chance, einen kurzen Blick auf einen Promi zu erhaschen. Die Schwarzeneggers, Gabaliers und wie sie alle heissen gehören in Kitzbühel ebenso dazu wie die Abfahrer.

Switzerland's Beat Feuz and his daughter Clea in the finish area during the men's downhill race at the Alpine Skiing FIS Ski World Cup in Kitzbuehel, Austria, Saturday, January 21, 2023. (KE ...
Beat Feuz mit Tochter Clea.Bild: keystone

Am Samstag, als Beat Feuz seine so erfolgreiche Karriere mit einer letzten Fahrt auf der legendären Streif be­endet hatte, stapfte Arnold Schwarzenegger durch den Athletenbereich. Kurz blieb er auch bei Feuz stehen. Die ehemaligen Sieger, die in Kitzbühel wie Helden verehrt und vermarktet werden, eignen sich gut für die Promis, um sich selbst zu inszenieren. «Einmal», erzählte Feuz später, «hat er zu mir gesagt, ich hätte dicke Oberschenkel. Dieses Mal nicht. Ich habe wohl seither etwas abgenommen.»

Feuz wäre am Samstagabend «zu mindestens 17 Partys eingeladen gewesen». Später erhöhte er die Zahl sogar auf 20. «Vielleicht picke ich mir eine heraus», sagte er. «Doch eigentlich freue ich mich auf ein Bier mit dem Schweizer Team und der Familie.»

Ein Sturz und er wäre zum Deppen geworden

Es ist typisch Feuz. Schickimicki ist nicht sein Ding. Er blieb sich auch am Tag, als er sich mit einem 16. Platz in der Abfahrt von Kitzbühel in den sportlichen Ruhestand verabschiedete, treu. Das Drumherum bedeutet ihm wenig. «Wichtig ist vor allem, dass ich gesund im Ziel angekommen bin», sagte er. «Stellt euch vor, was ich für ein Depp gewesen wäre, wenn ich hier noch auf die Schnauze gefallen wäre.»

Justin Muroisisier of Switzerland reacts next to Beat Feuz of Switzerland in the finish area during the men's downhill race at the Alpine Skiing FIS Ski World Cup in Kitzbuehel, Austria, Saturday ...
Beat Feuz gönnt sich nach seinem letzten Rennen mit Teamkollege Justin Murisier (l.) ein Bier.Bild: keystone

Nein, Feuz musste nicht noch einmal eine grosse Show bieten. Der 35-Jährige hat auf der Streif in Kitzbühel in den vergangenen Jahren schon genug Erfolgsgeschichten geschrieben. Viermal wurde Feuz zwischen 2016 und 2020 Zweiter, ehe er in den vergangenen zwei Saisons drei von vier Abfahrten in Kitzbühel gewann.

2023 – bei seinen letzten zwei Fahrten auf der schwierigsten Abfahrt – wollte er solid fahren. Mehr nicht. Hauptsache, gesund in die sportliche Pension. Auch dieses letzte Ziel hat Feuz erreicht. Das Resultat rückte in den Hintergrund. Der Berner genoss es vielmehr, noch einmal mit seinen jahrelangen Rivalen zu plaudern. «Es freut mich, dass fast alle zu mir gekommen sind, um zu gratulieren. Es zeigt, dass ich nie verschlossen war, auch nicht gegenüber meinen Konkurrenten.»

Ein Auftritt im ORF als Ehrerbietung

Nach der Siegerehrung, an der mit dem Norweger Aleksander Kilde jener Mann die goldene Gams erhielt, der Feuz in vielen Dingen beerbt hat – als bester Abfahrer der Gegenwart und als ­Sieger der Klassiker in Wengen und Kitzbühel zum Beispiel –, wurde auch Feuz noch einmal zum ORF ins Studio geholt.

Es war eine Ehrerbietung und ein Zeichen, wie sehr der Schweizer in Österreich respektiert wird. Feuz erzählte nochmals, wie das damals war, als sich sein Knie 2012 schwer entzündet hatte und wie erstaunlich es ist, was er danach trotzdem alles erreicht habe.

Spectators celebrate to Beat Feuz of Switzerland in the finish area during the men's downhill race at the Alpine Skiing FIS Ski World Cup in Kitzbuehel, Austria, Saturday, January 21, 2023. (KEYS ...
Schweizer Skifans verabschieden Beat Feuz in Kitzbühel.Bild: keystone

Ja, die Geschichte von Feuz ist so beeindruckend wie speziell und seine Siege auf der Streif würden sich eigentlich perfekt dafür eignen, um als Krönung seines Leidenswegs inszeniert zu werden. Heldengeschichten werden in Kitzbühel gerne erzählt und ehemalige Sieger wie Didier Cuche sind gern gesehene Gäste im Zielbereich. Und doch passt Feuz nicht in diese Rolle. Ob er nächstes Jahr wieder da sein werde, wurde er früher am Tag und noch im Ziel gefragt, und Feuz antwortete, das wisse er nicht.

Von den vielen Schweizer Fans wurde Feuz in Kitzbühel ein letztes Mal gefeiert. Und was kommt danach? «Da haben wir zum Glück Marco Odermatt», sagt einer. Der muss sich aber zuerst von einem Schlag auf das linke Knie erholen, den er am Freitag erlitten hat. Zwar hat sich der 25-Jährige nicht schwer verletzt, wie ein Untersuch zeigte. Trotzdem wird es einige Tage dauern, bis die Schwellungen abklingen. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die Sieger der Lauberhorn-Abfahrt seit 1997
1 / 26
Die Sieger der Lauberhorn-Abfahrt seit 1997
2023: Aleksander Kilde (Norwegen).
quelle: keystone / alessandro trovati
Auf Facebook teilenAuf X teilen
In der Schweiz zu wenig ❄️, in Österreich zu viele ⛷️: Die Talabfahrt in Ischgl
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
dodo, dodo?
23.01.2023 02:13registriert Mai 2020
irgendwann ist man für party zu alt.
und partys sind zu doof.
und dann macht mensch nur noch, was er wirklich möchte.
242
Melden
Zum Kommentar
5
Für Taktik-Nerds: Wie die Schweiz Deutschland an den Rand einer Niederlage brachte
Erst in der 92. Minute verhinderte Niclas Füllkrug mit dem 1:1-Ausgleich, dass Deutschland gegen die Schweiz eine unerwartete Niederlage hinnehmen musste. Wie es so weit kommen konnte, erklärt uns der deutsche Fussball-Experte und -Trainer Max Bergmann.

Im letzten EM-Gruppenspiel wurde Turnier-Mitfavorit Deutschland von der Schweiz vor grosse Herausforderungen gestellt. Über lange Zeit hinweg sah alles nach der ersten Niederlage für Deutschland aus, denn die Taktik von Nati-Trainer Murat Yakin ging voll auf.

Zur Story