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epa07945917 Lara Gut-Behrami of Switzerland is pictured during a press event of the FIS Alpine Ski World Cup season in Soelden, Austria, on Thursday, October 24, 2019. The Alpine Skiing World Cup season 2019/2020 will be opened this weekend in Soelden, the traditional start of the FIS Ski World Cup.  EPA/GIAN EHRENZELLER

Lara Gut-Behrami steht vor einer Saison mit grosser Ungewissheit. Bild: EPA

Gut-Behrami stellt sich die Sinnfrage: «In mir ist das Verlangen, zuhause zu sein»

Lara Gut-Behrami will im Riesenslalom die Zeit der Enttäuschungen hinter sich lassen. Vor dem Prolog in Sölden überragt die Ungewissheit noch die Zuversicht.



Lara Gut-Behrami nimmt auf dem Rettenbach-Gletscher im Riesenslalom noch einmal Anlauf. Dort, wo sie bereits nach ihren zwei schweren Verletzungen und langen Wettkampfpausen wieder ins Renngeschehen eingegriffen hat. Vor neun Jahren war sie im Ötztal nach einer Hüftluxation zurückgekehrt, vor zwei Jahren nach dem Kreuzbandriss und dem Meniskusschaden im linken Knie.

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2013: Lara Gut-Behrami gewinnt in Sölden. Video: YouTube/RechtfuerOrdnung

Diesmal rührt das Ungewisse nicht von überstandenen körperlichen Problemen her. Nunmehr versucht die Tessinerin nach zwei Wintern mit vielen Enttäuschungen im Riesenslalom wieder in den vorderen Regionen der Rangliste Fuss zu fassen. Wenig war in der Basisdisziplin übrig geblieben vom Glanz früherer Tage.

«Ich habe oft bewiesen, dass ich in allen meinen Disziplinen auf hohem Niveau fahren kann.»

Lara Gut-Behrami

In der vergangenen Saison hatte es nie zu einer Klassierung in den ersten zehn gereicht. Wo sie in den Tagen vor dem traditionellen Prolog steht, kann Gut-Behrami nicht sagen. «In den Trainings wird vor allem auf die Details geachtet. Deshalb weiss ich nur im Rennen, ob es wirklich passt.»

Wirklich passen heisst, dass das Gefühl für die Ski da ist, das Vertrauen und die Sicherheit vorhanden sind. All diese Faktoren hatte Gut-Behrami nach ihrer an der WM in St. Moritz erlittenen Knieverletzung nicht mehr zusammenfügen können. Nun hofft sie, die resultatmässige Talsohle durchschritten zu haben. «Ich habe ja oft bewiesen, dass ich in allen meinen Disziplinen auf hohem Niveau fahren kann.» Sie nennt die Winter 13/14 und 15/16 als Beispiele. Zwei ihrer vier Riesenslalom-Siege in jener Phase hatte sie in Sölden errungen, vor sechs und vor drei Jahren.

«Sechs Fahrten. Das heisst, ich war drei Minuten am Skifahren. Da denke ich sogar, dass das Ganze sinnlos ist. Aber so ist eben das Skifahren.»»

Lara Gut-Behrami

Seit ihrer letzten Zwangspause hat sich Gut-Behrami viele Gedanken gemacht. «Oft rede ich mit meinem Vater darüber, wie viele Stunden wir schon auf dem Sessellift oder mit Warten verbracht haben.»

epa06534988 Lara Gut (L) of Switzerland reacts next to her father and coach, Pauli Gut, during the Women's Super-G race at the Jeongseon Alpine Centre during the PyeongChang 2018 Olympic Games, South Korea, 17 February 2018.  EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Lara Gut-Behrami mit Vater Pauli Gut an den Olympischen Spielen von Pyeongchang. Bild: EPA/KEYSTONE

Oft hat sie sich die Sinnfrage gestellt, das letzte Mal vor ein paar Wochen in Zermatt. Sie sei um Viertel vor sechs aufgestanden, erzählt sie. Danach habe sie sechs Fahrten absolviert. «Das heisst, ich war drei Minuten am Skifahren. Da frage ich mich dann schon, ob sich das alles lohnt. Da denke ich sogar, dass das Ganze sinnlos ist. Aber so ist eben das Skifahren.»

«Ich mag das, was ich mache, nach wie vor. Aber in mir ist auch das Verlangen, zu Hause zu sein.»

Lara Gut-Behrami

Gut-Behrami geht noch einen Schritt weiter. Es gibt Momente, in denen sie sich die Frage stellt, ob sie das Leben als Skirennfahrerin noch glücklich macht. «Ich mag das, was ich mache, nach wie vor.» Sie erwähnt die Leidenschaft, die sie beim Skifahren noch immer verspüre. «Aber in mir ist auch das Verlangen, zu Hause zu sein.» Das Zuhause, das ist wieder Udine. Gut-Behrami und ihr Mann Valon Behrami haben entschieden, ihren Lebensmittelpunkt wieder ins Friaul zu verlegen.

Neben dem Wohnortswechsel nahm Gut-Behrami auch eine personelle Rochade vor. Im Frühling beendete sie nach 14 Jahren die Zusammenarbeit mit Konditionstrainer Patrick Flaction.

«Ich bin immer noch überzeugt, dass das Privatteam der richtige Weg ist.»

Lara Gut-Behrami

«Mein Körper hat einen neuen Impuls nötig gehabt.» Auf den Walliser folgte der Spanier Alejo Hervas. «Ihn kenne ich, seit ich zwölf Jahre alt bin. Damals durfte ich mit den Spanierinnen, bei denen Alejo Coach war, mittrainieren.» Auf eine andere Bezugsperson muss Gut-Behrami vollends verzichten. Eine eigene Medienverantwortliche steht ihr nicht mehr zur Verfügung.

epa07735879 Sion's soccer player Valon Behrami, left, talks to his wife Lara Gut-Behrami, right, skier from Switzerland during a friendly soccer match between FC Sion from Switzerland and Valencia CF from Spain, at the stade de Tourbillon stadium, in Sion, Switzerland, Tuesday, July 23, 2019.  EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Will zuhause bei ihrer Familie sein: Lara Gut-Behrami mit Mann Valon. Bild: EPA

Das persönliche Umfeld bildet nach wie vor das Privatteam. «Ich bin immer noch überzeugt, dass dies der richtige Weg ist», sagt Gut-Behrami.

Nicht mehr vollends überzeugt davon sind die Verantwortlichen von Swiss-Ski. Nach dem vergangenen Winter gab es über die Beibehaltung des Projekts Diskussionen – was beim Blick auf die jüngsten Ergebnisse der Tessinerin nicht erstaunt.

Es liegt an Gut-Behrami, mit starken Leistungen Argumente zu liefern, um sich für die nächsten Verhandlungen wieder in eine bessere Position zu bringen. Sölden soll erste Aufschlüsse liefern. Zumindest darüber, wohin ihr Weg im Riesenslalom führen wird. (abu/sda)

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