Sport
Ski

Ski-Fahrer Livio Simonet über schwierige Karriere in Odermatts Schatten

epa12636741 Ski racer Livio Simonet from Switzerland poses during the Swiss-Ski federation press conference prior to the Alpine Skiing FIS Ski World Cup, in Adelboden, Switzerland, 08 January 2026. Th ...
Livio Simonet möchte in Adelboden zum ersten Mal in dieser Saison punkten.Bild: keystone

Simonet kämpft um Aufmerksamkeit und Sponsoren: Eine Karriere im Schatten von Odermatt

Schweizer Meister, Weltcupsieger – und trotzdem fast unsichtbar: Livio Simonet lebt den harten Alltag eines Skirennfahrers abseits des Rampenlichts.
10.01.2026, 06:2610.01.2026, 06:26
Claudio Zanini / ch media

Als Livio Simonet 12 Jahre alt war, fand er Ted Ligety cool und wollte irgendeinmal im Europacup am Start stehen. Simonet sagt: «Weltcuprennen waren damals so weit weg. Nur schon in Amerika ein Rennen zu fahren, war unvorstellbar.»

Heute ist Simonet 27-jährig – und er hat es weiter gebracht, als er sich damals erträumt hatte. Er schaffte es nicht nur in den Europacup und nach Nordamerika, er wurde Schweizer Meister im Riesenslalom, er klassierte sich mehrfach unter den Top 30 der Welt, ja, er darf sich sogar Weltcupsieger nennen. Mit dem Team gewann er 2022 ein Parallelrennen.

Livio Simonet from Switzerland in action during the first run of the Men’s Giant Slalom race of the FIS Alpine Ski World Cup season opener on the Rettenbach glacier, in Soelden, Austria, on Sunday, Oc ...
Livio Simonet beim Saisonauftakt in Sölden. Bild: keystone

Der Bündner fährt Skirennen auf der höchsten Stufe. Es gibt weltweit nicht viele, die es besser können als er. Doch der Lichtkegel auf der grossen Bühne ist eng, nur wenige Athleten schaffen es hinein. Simonet gehört in der Regel nicht dazu.

Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nimmt dramatisch schnell ab nach den besten Fahrern. Athleten, die nach den Top 30 starten – und zu denen gehört Simonet -  haben es nicht einfach. Abzulesen ist dies nur schon an den Startintervallen.

Wenn am Samstag der Riesenslalom in Adelboden stattfindet, gibt es zwischen den ersten 30 Athleten jeweils 1 Minute und 40 Sekunden Pause. So bleibt genügend Zeit, um die Fahrten zu würdigen und am Fernsehen Wiederholungen einzublenden. Doch nach den ersten 30 Fahrern geht es auf einmal zackig. Dann werden die Athleten im 40-Sekunden-Takt das Chuenisbärgli runtergeschickt.

Der Europacup interessiert so gut wie niemand

Es klingt nicht so, als würde Livio Simonet mit dieser Zweitklassigkeit hadern. Er sagt nüchtern: «Im Skirennsport interessiert sich die breite Masse für die ersten 10, vielleicht 15 Fahrer. Nur schon der Europacup, der nicht einmal viel schlechter ist als der Weltcup, interessiert so gut wie niemand.» Noch schneller von der Bildfläche verschwinden Fahrer, die den zweiten Lauf verpassen. Simonet passierte das viermal in diesem Winter – bei vier Weltcup-Riesenslaloms.

Sichtbarkeit ist aber nicht bloss ein Selbstzweck, sondern sichert letztlich das sportliche Überleben. Athleten aus der zweiten Reihe brauchen Präsenz, um sich für Sponsoren zu empfehlen. Simonet sagt: «Ich muss jedes Jahr wieder schauen, dass es finanziell aufgeht. Ich bin um jeden Sponsor, den ich habe, dankbar.»

epa11819823 Livio Simonet of Switzerland in action during the first run of the men's Giant Slalom race at the FIS Alpine Skiing World Cup stop in Adelboden, Switzerland, 12 January 2025. EPA/JEAN ...
Im letzten Jahr verpasste der Bündner in Adelboden den zweiten Lauf.Bild: keystone

Im vergangenen Sommer musste er auf Sponsorensuche, weil ein langjähriges Engagement eines Partners endete. Während er sich mit dem Team in Argentinien auf die Saison vorbereitete, schrieb er gleichzeitig Firmen an, um einen neuen Kopfsponsor zu finden. Auf dem Kopf befindet sich bei Skirennfahrern die prominenteste Werbefläche.

Simonet verschickte ein umfassendes Dossier, in dem er seinen sportlichen Werdegang, seine Followerzahlen, seine Social-Media-Reichweite, seine Erfolge darlegte. «Du musst wirklich auf die Suche gehen», sagt er. «Es kommt niemand auf dich zu – ausser du heisst vielleicht Odermatt oder Meillard.»

Seine Frau erledigt die Büroarbeit

Er wurde schliesslich fündig. Simonet kam mit einer Immobilien-Firma in Kontakt, die in der Ostschweiz tätig ist und an einer Partnerschaft interessiert war. Und er hatte gar noch mehr Glück. Die Firma vermittelte wiederum einen Geschäftspartner, der Heizungen installiert und Simonet ebenfalls unterstützen wollte.

epa12588975 Livio Simonet of Switzerland in action during the 1st run of the Men's Giant Slalom race at the FIS Alpine Skiing World Cup in Val d'Isere, France, 13 December 2025. EPA/SEBASTIE ...
Nicht nur auf der Piste hat Simonet viel zu tun.Bild: keystone

Eine Karriere im Skirennsport bringt auch viel Büroarbeit mit sich. Bis vor einem halben Jahr erledigte er den administrativen Teil allein. Dann übernahm seine Ehefrau das Büro, sie wird wiederum von einer Kollegin unterstützt. «Die beiden nehmen mir vieles ab, da bin ich sehr dankbar. Für mich ist der Büroaufwand mittlerweile überschaubar», sagt er.

Livio Simonet bleibt also genügend Zeit, um sich auf das Skifahren zu fokussieren. Es fehlen eigentlich nur noch die Resultate. In Adelboden will er in den zweiten Lauf kommen und Weltcup-Punkte einfahren. An dieser Hürde sind schon viel grössere Namen gescheitert. Sein Idol Ted Ligety verpasste 2021 am Chuenisbärgli gar zweimal den Cut. (riz/aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Alle Schweizer Medaillengewinner der Ski-WM 2025 in Saalbach
1 / 16
Alle Schweizer Medaillengewinner der Ski-WM 2025 in Saalbach
Die Ski-WM 2025 in Saalbach war ein einziger Schweizer Medaillenrausch. Swiss-Ski verlässt die WM mit 5x Gold, 5x Silber und 3x Bronze.
quelle: keystone / anna szilagyi
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Marco Odermatt fährt das Kernen-S anders als der Rest
Video: extern
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Grosses Kino beim SCB – «Nullnummern» auf dem Eis und dealen mit Lausanne
Beste Unterhaltung auf und neben dem Eis. Der SCB wird bei der 0:1-Pleite gegen Ambri auf dem Eis für die Sünden der Vergangenheit bestraft und neben dem Eis wird emsig an der Zukunft gearbeitet.
Zuerst die Sünden der Vergangenheit, die bei der 0:1-Penalty-Schmach gegen Ambri gnadenlos aufgerechnet worden sind. Der SCB hat sich in eine absurde Situation manövriert: Vier (!) Ausländerlizenzen werden verschwendet, um Tore zu verhindern: für Goalie Adam Reideborn sowie für die drei Verteidiger Anton Lindholm, Hardy Häman Aktell und Aleksandr Iakovenko.
Zur Story