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Roger Federer of Switzerland celebrates after winning his match against Gilles Simon of France at the Wimbledon Tennis Championships in London, July 8, 2015.                            REUTERS/Toby Melville

Roger Federer ballt die Faust: Der Kurs in Richtung Wimbledon-Titel Nummer 8 stimmt.  Bild: TOBY MELVILLE/REUTERS

Wenn die Backhand hält und der Aufschlag kommt, dann sind wir vielleicht nur noch zwei Spiele von Federers Rücktritt entfernt 

Noch zwei Siege fehlen und Roger Federer ist mit acht Wimbledon-Titeln der alleinige Rekordhalter. Für den 33-Jährigen wäre dies ein absolutes Traumszenario für seinen Rücktritt. Doch zunächst muss er heute den formstarken Murray aus dem Weg räumen.



Es gibt Aufgaben, die sind derart unangenehm, man möchte gar nicht daran denken und schiebt sie so lange wie möglich auf. Doch irgendwann muss man sie halt doch tun. Steuererklärung ausfüllen und den Filter des Abzugs über dem Herd reinigen sind zum Beispiel so Sachen. Oder sich mit dem möglichen Rücktritt von Roger Federer zu befassen. 

Doch der 33-jährige Tennis-Maestro lässt einem diese Woche fast keine andere Wahl. Mit der englischen Zeitung «Mirror» spricht er offen über seinen Rücktritt. «Wenn ich meine Augen schliesse und ich von meinem letzten Match träume, dann wäre das ein Final und ich würde den Titel holen», schildert er. 

Roger Federer of Switzerland celebrates after winning his match against Gilles Simon of France at the Wimbledon Tennis Championships in London, July 8, 2015.                            REUTERS/Toby Melville

Winkt Federer bald zum letzten Mal? Er selber befasst sich immer öfter mit diesem Thema. Bild: TOBY MELVILLE/REUTERS

«Je mehr ich darüber nachdenke, desto näher bin ich am Rücktritt.»

Roger Federer diese Woche im «Mirror».

Auch darüber, welches Endspiel ihm denn am liebsten wäre, macht der Schweizer kein Geheimnis. «Wenn ich wählen könnte, würde ich Wimbledon nehmen. Ich hätte bereits das Break und müsste das letzte Game nur noch nach Hause servieren. Nichts Spezielles – ein Service-Winner zum Ende, das würde mir gefallen.» 

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Noch zwei Siege zum Traum-Szenario

Nach dem Gala-Auftritt im Viertelfinal gegen Gilles Simon, den Roger Federer in nur 95 Minuten mit 6:3, 7:5, 6:2 in die Schranken wies, rückt dieses Traum-Szenario plötzlich ganz nahe. Zwei Siege fehlen dem siebenfachen Wimbledon-Champion noch und er wäre der einzige Spieler, der das wohl prestigeträchtigste Tennis-Turnier der Welt acht Mal hätte gewinnen können. Momentan teilt sich der Schweizer diesen Rekord mit Pete Sampras.

Doch der Weg zur endgültigen Wimbledon-Unsterblichkeit ist steinig wie das Stonehenge. Der nächste Brocken, den Federer heute aus dem Weg räumen muss, heisst Andy Murray. Und der Brite ist in einer beneidenswerten Form. Die aktuelle Weltnummer 3 gewann das Vorbereitungsturnier von Queens und ist seit mittlerweile zehn Spielen ungeschlagen. Auch in Roland Garros bedeutete erst ein packender Halbfinal gegen Novak Djokovic Endstation.

Wie Roger Federer auf dem heiligen Rasen von Wimbledon zu schlagen ist, das weiss Andy Murray. Das letzte Tête-à-Tête im «All England Lawn Tennis & Croquet Club» endete klar zu Gunsten des Schotten. Nach einem überaus deutlichen Dreisatzsieg (6:2, 6:1, 6:4) durfte sich Andy Murray am 5. August 2012 die olympische Goldmedaille um den Hals hängen. 

Einen knappen Monat zuvor triumphierte an derselben Spielstätte jedoch Roger Federer: Mit 4:6, 7:5, 6:3, 6:4 besiegte der Baselbieter Andy Murray und holte sich seinen 17. und vorerst letzten Grand-Slam-Titel. 

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Federer holt sich gegen Murray 2012 seinen vorerst letzten Major-Titel. YouTube/Sav11Sav11

Murray sinnt auf Revanche

Drei Jahre sind seit den beiden erinnerungswürdigen Finalspielen vergangen, sechs Mal sind sich die beiden seither wieder gegenübergestanden – meistens waren die Duelle hart umkämpft. Das letzte Aufeinandertreffen der beiden endete aber derart blamabel für den Schotten, dass er sich wohl am liebsten zusammen mit dem Monster von Loch Ness für die nächsten hundert Jahre in einem See versteckt hätte.

An den World Tour Finals im vergangenen Dezember gewann Murray nur ein einziges Game und wurde von Roger Federer in nur 56 Minuten mit 6:0, 6:1 aus der O2-Arena gefegt. Richtig «peinlich» sei ihm das gewesen, meint Murray vor dem Halbfinal-Kracher rückblickend und sinnt auf Revanche.

Andy Murray of Britain reacts after winning the second set of his match against Vasek Pospisil of Canada at the Wimbledon Tennis Championships in London, July 8, 2015.                           REUTERS/Suzanne Plunkett

Andy Murray ist im Gegensatz zum letzten Dezember wieder total «on fire». Bild: SUZANNE PLUNKETT/REUTERS

Roger Federer will das überaus deutliche Resultat nicht überbewerten: «Er kam sehr müde an die World-Tour-Finals.» Andy Murray hatte sich nach seiner Rückenoperation im Herbst 2013 soeben wieder an die Weltspitze zurückgekämpft. «Es war nicht derjenige Andy, der normalerweise auftritt», so Roger Federer. Heute wird dem Tennis-Maestro wohl ein ganz anderer Spieler gegenüberstehen. 

Hält die Backhand? Kommt der Aufschlag?

«Er ist einer der besten Return-Spieler der Tour», lobt ihn Federer vor dem bevorstehenden Halbinal. Und das könnte zum Problem für den Schweizer werden. Denn bis dato überzeugte Roger Federer vor allem durch ein exzellentes Aufschlagsspiel. So auch im Viertelfinal: Sass der erste Aufschlag – und das tat er in beinahe in drei von vier Fällen – , gewann der Schweizer 80 Prozent der Punkte.

Der Service von Federer ist momentan derart stark, dass er erst im zweiten Satz gegen Simon nach 116 gewonnen Aufschlagsspielen wieder einmal ein seltenes Break hinnehmen musste. 

Doch Murray wird es wohl besser gelingen, das variable Aufschlagsspiel des Schweizers zu lesen als dessen bisherige Konkurrenten. Das Erfolgsrezept des Briten wird sein, Federer in längere Ballwechsel zu verwickeln und auf dessen Backhand-Seite zu spielen. 

LONDON, ENGLAND - JULY 08:  Roger Federer of Switzerland plays a backhand in his Gentlemens Singles Quarter Final match against Gilles Simon of France during day nine of the Wimbledon Lawn Tennis Championships at the All England Lawn Tennis and Croquet Club on July 8, 2015 in London, England.  (Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

Federer bedient sich auf der Backhand-Seite oft des Slices. Bild: Getty Images Europe

Für viele Tennis-Fans ist die einhändige Backhand des «Maestros» zwar die eleganteste Backhand aller Zeiten, dennoch wirkt sie an diesem Turnier etwas wacklig. Deshalb kommt es wohl nicht von ungefähr, dass Federer diese Woche verraten hat, dass er schon immer davon geträumt habe, die Backhand doppelhändig zu spielen. «Doch für mich ist das ein unmöglicher Schuss. Es bereitet mir Schmerzen an der linken Seite der Brust, dieser Schlag ist für mich einfach nicht natürlich. Ich bringe keine zwei davon ins Feld.»

Und dann? Djokovic und Karriereende? 

Federer ist gegen Murray wohl mehr denn je auf seinen starken Aufschlag angewiesen. Kommt der Service, dann sind die Chancen auf die Qualifikation für seinen zehnten Wimbledon-Final intakt. Dort würde der Baselbieter wohl auf Novak Djokovic treffen, welcher in seinem Halbfinal gegen Wawrinka-Bezwinger Richard Gasquet haushoher Favorit ist. 

Würde der Schweizer dann tatsächlich nach einem Service-Winner den achten Wimbledon-Titel seiner Karriere bejubeln und danach seinen Rücktritt verkünden, dann wäre dies doch irgendwie mehr als nur eine saubere Sache. Ganz im Gegensatz zur Steuererklärung und dem Filter des Abzugs über dem Herd. 

Roger Federers Major-Titel

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25
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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Micha Moser 10.07.2015 15:19
    Highlight Highlight Hoffentlich bleibt er uns noch eine Weile erhalten. Ohne ihn hätten wohl viele Tennis nie beachtung geschenkt.
  • smoenybfan 10.07.2015 13:06
    Highlight Highlight Gerade kürzlich hat er im Interview mit der BZ gesagt, dass ihm und seiner Familie das Leben so noch gefällt. Da er auch von einem Lehrer für die Kinder gesprochen hat, halte ich einen so kurzfristigen Rücktritt für unwahrscheinlich.
  • nad5 10.07.2015 12:35
    Highlight Highlight Ziemlich nutzloser Artikel. Bis und mit den Olympischen Spielen in Rio spielt Roger sicher weiter, hat er ja mehrmals schon gesagt.
    • Hans Jürg 10.07.2015 12:48
      Highlight Highlight Der Olympiatitel im Einzel (im Doppel hat er ihn ja) ist der einzige, der ihm noch fehlt. Ich denke auch, dass er den noch unbedingt holen will.
  • Roger Gruber 10.07.2015 10:17
    Highlight Highlight Bewahre! Der Verdacht ist mir auch gekommen, denn: auf seiner Homepage hat Roger dieses Jahr lange nur bis Wimbledon geplant, dies zum ersten mal. Bisher war schon anfangs Jahr die ganze Saison durchgeplant. Die könnte auf einen solchen Plan hindeuten. Andererseits zeigt er momentan ein solch spielfreudiges Tennis, das macht Lust auf mehr. Hoffentlich auch für den King himself! Wie auch immer: nur einer soll bestimmen, wenn Zeit für den Rücktritt ist. Keine Journis, keine Experten, sondern er selber! Hoffentlich bleibt er uns noch ein paar Jährchen erhalten...
  • Bruno Wüthrich 10.07.2015 09:53
    Highlight Highlight Ein Internetportal wie Watson muss halt mit immer wieder neuen Artikeln präsent sein. Der Rücktritt von Roger Federer, der zweifellos irgendwann kommen wird, ist ein dankbares Thema. Dass der Maestro in seinem Alter immer wieder und überall darauf angesprochen wird, ist normal, denn auch andere Formate müssen sich mit Inhalten füllen. Daraus zu schliessen, der Rücktritt könnte bei einem diesjährigen Titelgewinn in Wimbledon Tatsache werden, ist mehr als abenteuerlich. Mehrmals hat Roger gesagt, dass Rio 2016 ein Ziel für ihn ist. Fazit: Ein gut geschriebener, aber völlig nutzloser Artikel.
  • 8004 Zürich 10.07.2015 08:34
    Highlight Highlight Im zweiten Satz gewann RF gerade mal 6 Ballwechsel, wenn der Ball mal richtig im Spiel war (und erreichte dennoch ein Break und ein Rebreak – DAS ist natürlich auch eine krasse Fähigkeit, welche sich zudem nicht in Zahlen ausdrücken lässt)! Aber in diesem zweiten Satz war Simon besser! Und hätte Fedi nicht so galaktisch aufgeschlagen, wer weiss… Denn: 61% Fedis Aufschläge kamen gar nicht erst zurück und total hat er bei eigenem Service zu 70% gepunktet. Da bleibt nicht viel übrig für Punkte ohne Service bei eigenem Aufschlag und das sollte gegen einen Gegner wie Murray bedenklich stimmen.
  • chandler 10.07.2015 08:09
    Highlight Highlight Dieses Jahr Wimbledon gewinnen, nächstes Jahr noch einen drauf setzen und der neunte Titel in London gewinnen, anschliessend noch in Rio Gold im Einzel holen, Ende 2016 die Masters gewinnen, die Saison auf Platz 1 beenden und abdanken. DAS wäre die Unsterblichkeit ;-)
  • 8004 Zürich 10.07.2015 07:53
    Highlight Highlight Gerade gegen Simon war es nicht nur die Backhand, welche gewackelt hat. Oft hat er auch im Spiel die falschen Entscheidungen getroffen (Simon mit zu wenig Winkel in dessen starke Backhand spielen und dann ins Halbfeld laufen - tödlich. Oder wieder einmal nicht einsehen, dass der Gegner am heutigen Tag bessere und besser getimete (geht ja Hand in Hand) Stoppbälle spielt. Volley-Spiel lief eigentlich nur nach Service (und beim Matchball ;-) gut, sonst wurde er oft passiert. Das unterstreichen auch die Zahlen: Bei den Ballwechseln >3 übers Netz war Simon (v.a. auch von der Grundlinie) besser.
    • 8004 Zürich 10.07.2015 08:37
      Highlight Highlight Im zweiten Satz gewann RF gerade mal 6 Ballwechsel, wenn der Ball mal richtig im Spiel war (und erreichte dennoch ein Break und ein Rebreak – DAS ist natürlich auch eine herausragende Fähigkeit, welche sich zudem nicht in Zahlen ausdrücken lässt)! Aber in diesem zweiten Satz war Simon besser! Und hätte Fedi nicht so galaktisch aufgeschlagen, wer weiss… Denn: 61% Fedis Aufschläge kamen gar nicht erst zurück bei eigenem Service hat er zu 70% gepunktet. Da bleibt nicht viel übrig für Punkte ohne Service bei eigenem Aufschlag und das sollte gegen einen Gegner wie Murray bedenklich stimmen.
    • BeatBox 10.07.2015 09:21
      Highlight Highlight Wenn so viel falsch und schlecht war gegen Simon und er ihn trotzdem noch so klar geschlagen hat, ist Roger ja in blendender Form 😉
    • 8004 Zürich 10.07.2015 09:36
      Highlight Highlight Dennoch hat der Redaktor Recht: Der Service muss so bleiben und die Backhand muss stärker werden. Denn gerade die Backhand ist wichtig für ein solides Grundlinienspiel. Dazu soll er nicht versuchen, Murray vorzuführen.
      Und dann ein ganz wichtiger Faktor: Der Aufschlag von Murray. Und Murray hat nun mal den schwächsten Zweiten unter den Top4 + Nadal. Ich denke, dass dies der entscheidende Punkt sein wird.
      Vor dem Turnier war Murray quotenmässig klar vor Federer. Für das heutige Spiel hat sich das sehr angeglichen (Murray 1.8/RF 2.0). Aber bloss ein Wetttipp-Blogger sieht RF als klaren Favoriten
    Weitere Antworten anzeigen
  • Twinleaks 10.07.2015 07:42
    Highlight Highlight Backhand? Beckham!
  • DerDude 10.07.2015 07:23
    Highlight Highlight Vom Tag seines Rücktrittes graut es mir gewaltig! Tennis ohne Roger ist wie Spaghetti ohne Sauce ...
    • zeromg 10.07.2015 09:18
      Highlight Highlight Dann müssen wir Tennis wohl wieder mit Ketchup geniesen :-)
  • DarkStanley 10.07.2015 06:51
    Highlight Highlight Und was ist mit den Olympischen Spielen 2016? Gold im Einzel wäre doch noch was...
    • zeromg 10.07.2015 09:17
      Highlight Highlight Ich glaube mal von ihm gehört zu haben, dass er sicher noch die olympischen Spielen 2016 antreten will. Also trotzdem ein Rücktritt vor 2016?

«Love is in the air» – Tenniswelt feiert die «Bromance» zwischen Federer und Nadal

Das Team Europe gewinnt auch die dritte Austragung des Laver Cups. Das von Björn Borg gecoachte Team setzte sich in der Genfer Palexpo-Halle gegen das Team World dank Siegen in den letzten beiden Einzeln mit 13:11 durch.

Einmal mehr war das Augenmerk auf die beiden GOAT des Tennis gerichtet: Roger Federer und Rafael Nadal haben an diesem Wochenende das nächste Kapitel in ihrer «Bromance» geschrieben, aber seht selbst.

(zap)

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