DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Sieg! Juan Martin Del Potro jubelt über den Viertelfinal-Einzug.
Bild: AP/FR110666 AP

«Ich sagte mir, ich will dieses Leben nicht» – das ewige Leiden des Juan Martin Del Potro

Juan Martin Del Potro trifft acht Jahre nach dem gewonnenen Final beim US Open in New York wieder auf Roger Federer. Vier Operationen am Handgelenk haben ihn geprägt und gezwungen, sein Spiel umzustellen.
06.09.2017, 08:35
Roger Federer bestreitet seinen Viertelfinal gegen Juan Martin Del Potro in der Night Session. Die Partie beginnt in der Nacht auf morgen gegen 03.00 Uhr Schweizer Zeit.

Am Ende stand er mit weit ausgebreiteten Armen und gegen Himmel gerichteten Augen auf dem Platz. Del Potro hatte gerade Dominic Thiem in fünf Sätzen bezwungen. Im zweiten Satz hätten wohl selbst die fanatischen argentinischen Fans auf den Tribünen kein Geld mehr auf ihn gesetzt. Mit roten Augen und blassem Gesicht schleppte sich der grosse Südamerikaner in der ersten Stunde der Partie über den Platz, wenn ihn sein österreichischer Gegner nicht gerade über den Platz scheuchte.

Zwischenzeitlich sah es gar nicht gut aus für Del Potro.
Zwischenzeitlich sah es gar nicht gut aus für Del Potro.
Bild: AP/FR170905 AP

Womöglich gab es eine Zeit, da hätte Del Potro angesichts des hartnäckigen Virus das Handtuch geworfen. Doch der 28-Jährige hat in den letzten Jahren gelernt, dem Schmerz und den Schwierigkeiten zu trotzen. Sein unwiderstehlicher Aufstieg, der 2009 im US-Open-Titel mündete, wurde durch Probleme an den Handgelenken gestoppt und zwang ihn, nicht nur lange Zeit auszusetzen, sondern auch sein Spiel umzustellen.

«Ich sagte mir: ‹Ich leide zu sehr, ich will dieses Leben nicht.›»
Juan Martin Del Potro

2010 musste er sich am rechten Handgelenk operieren lassen, zwischen Frühjahr 2014 und Sommer 2015 gleich dreimal am linken Handgelenk, das ihm bis heute Sorgen bereitet und viel Extraarbeit abverlangt. Bis zu drei Stunden pro Tag verbringt Del Potro damit, sein linkes Handgelenk zu dehnen und zu stabilisieren, es mit diversen Übungen vorzubereiten auf die Trainings und die Matches. Natürlich stünde er in dieser Zeit lieber auf dem Platz. Die Pflege seines Handgelenks ist aber der Preis, den er bezahlen muss, um überhaupt auf die Courts gehen zu können.

Sternstunde! Bei den Olympischen Spielen von Rio holt Del Potro Silber.
Sternstunde! Bei den Olympischen Spielen von Rio holt Del Potro Silber.
Bild: EPA/EPA

2014 und 2015 konnte er nur eine Handvoll Partien bestreiten. Immer wieder musste er einsehen, dass es nicht geht, dass die Schmerzen zu gross sind. «Der schlimmste Tag war 2015 in Miami. Ich hatte gerade meine zweite Operation hinter mir und wollte es wieder versuchen. Doch es ging nicht. Ich sagte mir: 'Ich leide zu sehr, ich will dieses Leben nicht.' Danach blieb ich zwei, drei Monate daheim und tat nichts», erzählte Del Potro der Sportzeitung «L'Equipe».

Erst nach der dritten Operation ging es aufwärts. Aber auch heute noch muss er seine Einsätze dosieren. So liess er etwa Anfang Jahr das Australian Open aus. Für vereinzelte grosse Auftritte reicht es aber. Im letzten Jahr gewann er die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Rio und als Leader der argentinischen Mannschaft den Davis Cup. In der laufenden Saison tut er sich schwerer. Der Sieg gegen Thiem war erst der zweite gegen einen Top-10-Spieler in diesem Jahr.

Die Rückhand als Schwachpunkt

«Die Vorhand und der Service sind noch gleich stark», bemerkte Federer zu den Veränderungen im Spiel von Del Potro, «aber mit der Rückhand spielt er viel mehr Slice.» Die Umstellung hilft Del Potro, sein linkes Handgelenk zu schonen. Sie ist aber auch ein Handicap. Seine Rückhand sei noch nicht gut genug, meinte der knapp zwei Meter lange Südamerikaner. Gegen Thiem spielte er von der Grundlinie 16 Winner mit der Vorhand und nur einen mit der Rückhand.

«Überwindet man all seine Hürden, wird es einfacher, positiv zu sein.»
Juan Martin Del Potro

Dass für ihn alles etwas schwieriger geworden ist im Vergleich zu seinen Anfangsjahren auf der Tour, frustriert Del Potro nicht. «Man darf nie aufgeben. Ich habe alle meine Probleme überlebt. Wenn man es geschafft hat, die Hürden, die einem das Leben in den Weg stellt, zu überwinden, wird es viel einfacher, positiv zu sein.»

Die Highlights des Viertrundenkrimis zwischen Del Potro und Thiem. 

Nach dem Match gegen Thiem war Del Potro nicht nur positiv eingestellt, sondern geradezu euphorisch. «Ich bin so glücklich, dass ich gewonnen habe. Ich habe einen grossartigen Match gespielt gegen einen der besten Spieler auf der Tour.» Wie gut er nun am Mittwoch gegen Federer zurechtkommt, wird auch von seiner physischen Verfassung abhängig sein. Del Potro kündigte aber schon mal an: «Ich weiss, wie ich spielen muss, um Federer zu schlagen.» (abu/sda)

Junge will wissen, von wo Roger den Spitznamen «The GOAT» hat

Video: watson

Unvergessene Tennis-Geschichten

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Nach Federers Gegensmash schmeisst Roddick frustriert sein Racket weg

25. Oktober 2002: Roger Federer gelingt in Basel im Viertelfinal gegen Andy Roddick einer der schönsten Schläge seiner Karriere. Beim Amerikaner sitzt der Frust nach dem Gegensmash tief.

An Roger Federer wird Andy Roddick wohl nie gute Erinnerungen haben. Zu oft steht ihm der 20-fache Grand-Slam-Sieger vor der Sonne. Nur drei Mal kann «A-Rod» den Schweizer Tennis-Maestro schlagen, 21 Mal muss Roddick als Verlierer vom Platz. Einmal im US-Open-Final und sogar dreimal im Endspiel von Wimbledon.

Auch bei Federers Heimturnier in Basel setzt es für Roddick in vier Spielen vier Pleiten ab. Ans erste Duell im Jahr 2001 kann sich der Aufschlagspezialist kaum mehr erinnern. «Von all …

Artikel lesen
Link zum Artikel