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epa07997102 Roger Federer of Switzerland reacts after winning his round robing match against Novak Djokovic of Serbia at the ATP World Tour Finals tennis tournament in London, Britain, 14 November 2019.  EPA/WILL OLIVER

Nach dem Sieg über Djokovic brüllt Federer seine Freude hinaus. Bild: EPA

Kein Nadal, kein Djokovic – jetzt ist Federer der Favorit Nummer 1

Nach der Gala gegen Novak Djokovic führt der Weg zum Titel an den ATP Finals in London über Roger Federer. Doch aufgepasst: 2017 und 2018 scheiterte er als Favorit in den Halbfinals. Über die Tücken eines Höhepunkts in der Mitte des Turniers.



Am Donnerstagabend schwebte Roger Federer auf Wolke sieben. Strahlend stand er vor den TV-Kameras, hinter den Kulissen scherzte er ausgelassen mit seinem Team und sprach hinterher von einem «magischen Abend». Mit seiner Galavorstellung gegen den Topfavoriten Novak Djokovic hatte der 38-jährige Basler einmal mehr alle Zweifler Lügen gestraft, die ihm solch grosse Siege nicht mehr zugetraut hatten. Nicht zuletzt, nachdem er in seinen ersten beiden Gruppenspielen an den ATP Finals nicht besonders überzeugt hatte.

Selbst der Gegner war des Lobes voll. «Er hat heute alles richtig gemacht», zeigte sich Djokovic als fairer Verlierer. Und er betonte wie sehr es ihn motiviere, wenn er sehe wie gut Federer mit 38 Jahren noch sei. «Ich habe die grösste Bewunderung für ihn. Selbst für mich als einen seiner Rivalen ist er ein Vorbild. Seine Karriere und was er noch immer leistet, sind eine Inspiration für mich.»

Gegen Tsitsipas der Favorit

Doch genau hier liegt die Gefahr für Federers weiteren Turnierverlauf. Zwar hat er einen Tag Pause vor seinem Halbfinal gegen Stefanos Tsitsipas, doch er muss nach dem emotionalen und euphorisierenden Triumph sehr schnell wieder in den Wettkampf-Modus zurückschalten. Wenn man gegen Djokovic oder Nadal gewinnt, ist dies normalerweise ein Final oder zumindest folgt danach nur noch der Final. Nun muss Federer aber am Samstag um 15.00 Uhr für einen Halbfinal bereit sein, bei dem er gegen Tsitsipas als klarer Favorit ins Spiel gehen wird.

Er kennt die Tücken dieser Situation. Speziell vor zwei Jahren schien alles für seinen siebten Masters-Titel aufgelegt, als neben ihm mit David Goffin, Grigor Dimitrov und Jack Sock drei absolute Aussenseiter – die Nummern 6 bis 8 des Turniers – im Halbfinal standen. Gegen keinen hatte Federer in der Vergangenheit verloren, doch dann wurde er von Goffin überrascht. Auch im letzten Jahr hatte Alexander Zverev kaum einer zugetraut, dass er Federer (und nachher im Final auch Djokovic) bezwingen würde.

«Er nützt jede Gelegenheit, ans Netz zu kommen, so wie ich»

«Ich hatte in beiden Spielen meine Chancen», denkt Federer an die beiden verlorenen Halbfinals zurück. «Und meine Gegner mussten sehr gut spielen, um mich zu schlagen.» Der Rekord-Champion, dessen letzter Masters-Titel aber acht Jahre zurückliegt, gibt zu, dass seine Vorbereitung auf ein Spiel gegen Djokovic oder Nadal anders ist als gegen «gewöhnliche» Gegner. «Das merkt man daran, wie viel Zeit ich und mein Team uns für die Vorbereitung nehmen, vor dem Djokovic-Match war es über eine Stunde, sonst manchmal nicht mehr als fünf Minuten.»

Stefanos Tsitsipas of Greece plays a return to Spain's Rafael Nadal during their ATP World Tours Finals singles tennis match at the O2 Arena in London, Friday, Nov. 15, 2019. (AP Photo/Alastair Grant)

Tsitsipas kam trotz Niederlage gegen Nadal weiter. Bild: AP

Insofern wäre Nadal wahrscheinlich der einfachere Halbfinal-Gegner gewesen. Stattdessen ist es nun mit Tsitsipas einer der Aufsteiger des Jahres, dem die Bedingungen viel eher entgegen kommen als dem Welttanglistenersten aus Spanien, der trotz seines Sieges gegen den Griechen ausschied.

«Er nimmt den Ball vor allem auf der Vorhand unglaublich früh, kann auch gut servieren», analysiert Federer. «Er nützt jede Gelegenheit, ans Netz zu kommen, so wie ich. Es ist sicher gut, dass ich ihn die letzten beiden Male in Dubai und Basel geschlagen habe und den Trend drehen konnte.» Anfang Jahr hatte Federer beim Hopman Cup und bei der Niederlage am Australian Open grösste Mühe, den Aufschlag des 17 Jahre jüngeren Griechen zu lesen.

Eines ist dem Schweizer besonders wichtig. «Ich muss einen klaren Kopf haben, Indoor darfst du dich nicht hinterfragen.» Wenn dann einer besser sei, könne er das gut akzeptieren. «Was ich nicht akzeptieren kann, ist, wenn ich vorsichtig spiele und verliere.» Und eines macht Federer auch klar: «Ich träume jetzt sicher noch nicht vom Titel.» Das wäre nach den letzten beiden Jahren auch nicht zu empfehlen. (ram/sda)

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