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Timo Schnegg, Schweizer Tennisspieler

Timo Schnegg hat den Traum vom Profi-Tennis beerdigt. Bild: zur verfügung gestellt

Kaum einer kann vom Sport leben: Schweizer tüftelt an einer Tennis-Revolution

Timo Schnegg gehört zu den 100 besten Tennisspielern der Schweiz, doch den Traum, vom Sport leben zu können, hat er mit nur 20 Jahren bereits beerdigt. Er wünscht sich bessere Perspektiven – und hat konkrete Ideen.

Simon Häring / ch media



Nur ein halbes Jahr hat es Timo Schnegg versucht, sich eine Existenz als Tennis-Profi aufzubauen. Doch die Einsamkeit, die Unsicherheiten und die immensen Kosten haben ihn zum Umdenken bewegt. Mitte Mai beendete er die Rekrutenschule, im Herbst beginnt er an der Universität Bern ein Studium der Betriebswirtschaftslehre.

Dabei ist Schnegg erst 20 Jahre alt und immerhin die Nummer 84 der Schweiz. Zu wenig, um vom Sport leben zu können. Selbst wer nur Turniere in der Schweiz bestreite, komme auf Kosten von 30'000 Franken pro Saison, wer auch im Ausland spielt, kommt schnell auf 50'000 Franken im Jahr. Für Sponsoren sind solche Spieler noch nicht interessant, und der Schweizer Tennisverband kann nur die besten Junioren des Landes adäquat unterstützen.

Timo Schnegg, Schweizer Tennisspieler

Timo Schnegg studiert ab Herbst Betriebswirtschaft. Bild: zur verfügung gestellt

Vom Tennis leben können nur eine Handvoll Schweizer Spieler: Neben den Grossverdienern Roger Federer, Stan Wawrinka und Belinda Bencic, die zu den Weltbesten gehören, sind das Timea Bacsinszky, Viktorija Golubic, Jil Teichmann, Stefanie Vögele, Henri Laaksonen und Conny Perrin sowie Xenia Knoll, die sich auf die Doppel-Konkurrenz spezialisiert haben. Reich werden sie damit nicht, Steuern, Reisekosten und Material fressen den Grossteil der Preisgelder auf, einen festen Trainer können sie sich kaum leisten.

Und gegen einen Verdienstausfall sind sie nicht versichert. Wird nicht gespielt, gibt es keine Preisgelder, die Existenz ist gefährdet. Geld auf die Seite legen können diese Athleten kaum. Selbst dann nicht, wenn sie ein Jahrzehnt zu den 100 besten der Weltsportart Tennis gehörten.

Viele scheitern in diesem gnadenlosen Verdrängungskampf bereits früher. Weil das Talent nicht ausreicht, eine Verletzung im dümmsten Moment dazwischen kommt, oder das Geld ausgeht. Timo Schnegg ist einer von ihnen. Er wünscht sich, dass künftig mehr Schweizerinnen und Schweizer vom Tennis leben können – und bringt konkrete Vorschläge:

Variante 1: Swiss Tennis Cup

Jeder Kanton/Regionalverband stellt ein Team, zusammengesetzt aus Elite-Männern und Elite-Frauen. Gespielt wird während neun Tagen nach einem noch zu definierenden Modus, der dem ATP-Cup ähneln soll.

Variante 2: Kantons-Cup

Die Teams sind gleich oder ähnlich zusammengestellt wie bei Variante 1. Der Modus ist dem alten Davis Cup und Fed Cup entliehen. Heisst: K.o-System. Gespielt wird über mehrere Wochen an den Wochenenden.

Variante 3: Kantons-Meisterschaft

Die Kantone würden zunächst in regionalen Gruppen ihren Vertreter an den Wochenenden ermitteln, analog zum Interclub-Modus. Die Sieger der Vorausscheidung treffen danach in Halbfinals und Finals aufeinander.

Variante 4: Firmen-Cup

Unternehmen alimentieren Spieler, die sie unter ihrem Namen antreten. Schneggs Vision: Die Geldgeber stellen die Spieler in Teilzeitpensen an, oder ermöglichen Praktika. In anderen Sportarten ist das weit verbreitet.

Variante 5: Swiss Cup

An stark frequentierten Schauplätzen wie auf dem Berner Bundesplatz, oder im Zürcher Hauptbahnhof werden Turniere veranstaltet. Das Konzept ist der Beachvolleyball-Tour entliehen. Zentral wäre der Eventcharakter.

Unterstützung erhält Timo Schnegg von höchster Ebene: Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach begleitet den Prozess. Er sagt, der Verband möchte mithelfen, dass sehr gute Spieler, die vom Tennis nicht leben können, so genannte Dropouts, die Freude am Sport nicht verlieren, und sich selbst in der Junioren-Förderung einbringen, was ein zentrales Anliegen der Regionalverbände von Swiss Tennis sei.

ARCHIVBILD ZUM KEYSTONE-SDA-TEXT ZU RENE STAMMBACH --- Rene Stammbach, Praesident Swiss Tennis, spricht bei der Einweihung der Swiss Tennis Arena, am Samstag, 8. April 2017, in Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach unterstützt Schneggs Visionen. Bild: KEYSTONE

Dafür müssten finanzielle Anreize in Form von Verdienstmöglichkeiten geschaffen werden. Eine Serie mit Millionen-Budget würde Swiss Tennis nicht unterstützen, der Fokus liege auf dem Spitzensport, sagt Stammbach. Realistischer sei eine Turnier-Serie in den Monaten Februar und März. Swiss Tennis könnte diese mit Beträgen im tiefen fünfstelligen Bereich alimentieren. Junge Spieler könnten damit zwar nicht vom Tennis leben, würden dem Sport aber länger erhalten bleiben. Für das Schweizer Tennis wäre das eine kleine Revolution, entstanden aus Timo Schneggs Vision. (aargauerzeitung.ch)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Rene Tinner 25.05.2020 06:31
    Highlight Highlight Herr Schnegg sollte es mal mit Arbeit probieren. Sein Talent scheint beschränkt, so dass er nicht bei den Grossen mitmischt. Die Geldgier im Tennis hat den ganzen Sport kaputtgemacht. Davis-Cup war früher super spannend. Heute erhalten die Grossen zu wenig, also machen sie das Turnier zu einem 4. Class-Event (siehe Federer/Wawrinka) Die Preisgelder sollen breiter verteilt werden. Es braucht keine neuen Turniere, denn das Jahr wird immer nur 365 Tage haben. Backt mal kleinere Brötchen. Nichts aus Corona gelernt???
  • Schneider Alex 25.05.2020 06:08
    Highlight Highlight Nur masslos reiche und fanatische Eltern setzen auf die Karte Profi-Tennis, wenn sie für ihre Jungen auf einen Beruf vorbereiten
  • Mia_san_mia 25.05.2020 04:40
    Highlight Highlight Nr. 84 der Schweiz 🤦‍♂️
    • Gismo71 25.05.2020 14:13
      Highlight Highlight Im Fussball oder Eishockey würde man in der obersten Liga spielen...und genügend Geld verdienen! Aber 🎾ist halt ein Einzelsport...weniger interessant für Sponsoren, etc.
  • Martel 24.05.2020 23:32
    Highlight Highlight Liebe Tennis-Spieler, spielt einfach besser Tennis, dann kommt das Geld schon rein. Wer einen „Beruf“ wählt, der so extrem von der Leistung abhängig ist (ist man nicht top, ist man schnell weg vom Fenster), soll sich nicht beklagen, wenn nicht genügend Geld reinkommt, denn sie könnten es selbst steuern.
  • John Mircovic 24.05.2020 22:00
    Highlight Highlight Nicht gerade sonderlich kreative Vorschläge. Aber als Sohn des Swiss Olympic Direktors könnte es doch zu einer Umsetzung reichen.
    • Andi_d 25.05.2020 10:47
      Highlight Highlight ...das ist dann wohl der Grund, warum eine solches unfundiertes, naives Projekt auf Niveau Maturarbeit überhaupt in die Medien kommt.
  • In vino veritas 24.05.2020 21:43
    Highlight Highlight Das ist ja nett gedacht, löst aber das "Problem" nicht. Solche Events mit Noobs generieren nur Aufmerksamkeit und damit Sponsorengelder, wenn sie viel "Laufkundschaft" ansprechen können, an grossen Plätzen oder Bahnhöfen. Und dort ist die Miete teuer... Und eine "Alimentierung" nützt den Firmen ohne Publikum nichts. So wird höchstens der Elektro Blitz, seines Zeichens Dorfelektriker von Hinterpfupfingen 500 oder 1000 Fr. zahlen, damit die Spieler auf ihren Shirts sein Logo tragen. Und das im Wissen, dass es die Menschen super finden, er aber keinen zusätzlichen Kunden bekommt...
  • wir-2 24.05.2020 19:42
    Highlight Highlight Es scheint ein Problem im Tennis zu geben. Gut das wenigstens einige Spieler laut darüber nachdenken. Eine Diskussion und etwas Veränderung tun manchmal ganz gut.
  • maylander 24.05.2020 18:30
    Highlight Highlight Den HB Zürich für einen Event zu mieten kostet eine sechstellige Summe. Und wer will sich schon irgendwelche Nobodies ansehen?
    Es können halt nur wenige vom Sport Leben und für den Rest ist es ein mehr oder weniger teures Hobby.
  • Andi_d 24.05.2020 18:26
    Highlight Highlight Zuschauer und Sponsoren interessieren sich nicht mal für die Nr. 3 der Schweiz und sicher nicht für den 83sten.
    Tennis ist hart aber auch fair. Keiner ist abhängig davon, ob er aufgestellt wird wie im Teamsport oder in einem bestimmten Kader ist wie im Ski. Jeder kann nach vorne kommen!
  • BlickvonAussen 24.05.2020 18:16
    Highlight Highlight Ich betrachte Sport als Freizeitbeschäftigung und nicht als berufliche Tätigkeit. Hobbys sind als Ausgleich gedacht und nicht damit Geld zu verdienen.
    Es fehlt nur noch, dass man für Dreijährige Cup-, kantonale oder nationale Meisterschaften in Schlittenfahren einführt. Einfach wieder auf den Boden der Realität oder auf die Wurzeln der ursprünglichen Idee zurückkehren.
  • _stefan 24.05.2020 17:46
    Highlight Highlight Tönt ja alles sehr spannend, aber bis auf Variante 4: "Firmen-Cup" steht nirgends wie das finanziert werden soll. In vielen anderen Sportarten ist es so, dass die Sportler einen verständnisvollen Arbeitgeber haben, welcher ggf. das "Hobby" auch zusätzlich finanziell unterstützt (Segeln, Spitzen-Curling, etc.).

    Wenn man bedenkt, dass ein Davis Cup -Wochenende in Biel nicht mal 1000 Zuschauer anzieht und für Swiss Tennis jeweils ein Minus von 300'000 Franken bedeutet, sind diese Ideen illusorisch.

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