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Die Verwandlung der Jelena Dokic.

53 Kilogramm weg – ehemaliges Tennis-Wunderkind schreibt Diät-Märchen

Nach ihrem Rücktritt 2016 nimmt Jelena Dokic, die ehemalige Nummer 4 der Tennis-Weltrangliste dramatisch zu. Zu Spitzenzeiten wiegt die Australierin 120 Kilogramm. Nun ist sie wieder rank und schlank.

simon häring / ch media



Kaum wiederzuerkennen ist Jelena Dokic wenige Monate nach ihrem Rücktritt 2014. 120 Kilogramm wiegt das einstige Tennis-Wunderkind aus Australien. «Ich fühlte mich verloren, war nicht vorbereitet auf das, was mich erwartete», sagt sie australischen Medien. Als Profi-Sportler lebe man in einer Blase, die weit von der Realität entfernt sei, und in der einem alles abgenommen werde. «Ich versteckte mich Zuhause, wollte nicht mehr raus und verlor mein Selbstvertrauen.» Den Wendepunkt erreicht sie vor zwei Jahren. «Alles in meinem Leben lief gut: ich hatte einen Freund und gerade meine Biographie veröffentlicht», sagt Dokic. Aber etwas fehlte: «Ich wollte mich wieder wohl fühlen in meiner Haut.» Es stecke kein grosses Geheimnis hinter ihrem Diät-Märchen, sagt die 36-Jährige: gesunde und ausgewogene Ernährung und genügend Bewegung. Damit verlor sie in 18 Monaten 53 Kilogramm, 30 davon im letzten Jahr.

Jelena Dokic war eines der Wunder-Kinder im Frauen-Tennis. 1999 schlug sie als 16-jährige Qualifikantin in Wimbledon in der ersten Runde die damalige Weltnummer 1, Martina Hingis, mit 6:2, 6:0 und erreichte die Viertelfinals. Im Jahr darauf stiess sie bis in die Halbfinals vor. Dokic gewann sechs Einzel-Titel und kletterte in der Weltrangliste bis auf Platz 4. Ihre Geschichte ist auch die einer Flucht. 1994 flüchtete die Familie vor dem Jugoslawien-Krieg nach Australien. Doch die Hoffnung auf ein besseres Leben erfüllt sich nicht. Die Eltern finden keine Arbeit. Es ist ein Leben in extremer Armut. Wenn das wenige Geld, das die Familie vom Staat erhält, mal wieder knapp wird, ernähren sie sich tagelang von Brot und gesalzener Margarine. Die Sport-Karriere sollte der Ausweg sein.

Vom Vater geschlagen, bespuckt und beschimpft

Doch hinter der glitzernden Fassade des Tennis-Wunderkinds verbirgt sich ein Familien-Drama. Nach der Halbfinal-Niederlage in Wimbledon findet eine Putzkraft die damals 17-jährige, zusammengekauert in einer Ecke der Kabine. «Ich habe keinen Ort zum Schlafen», sagte sie. Verängstigt und aufgelöst in Tränen, wurde sie gegen 23 Uhr vom Fahrdienst zu ihren Managern gebracht. Sie, Jelena Dokic, das 17-jährige Tennis-Wunderkind, die Wimbledon-Halbfinalistin. Ihr Vater Damir beschied ihr damals am Telefon: «Du bist eine Schande. Du kommst heute nicht nach Hause.» Nach Hause – in das Hotelzimmer, das sie mit ihrem Geld bezahlt, auf das sie keinen Zugriff hat. Das Martyrium begann damit erst. Ihr Vater prügelte sich mit Journalisten, legte sich mit Schiedsrichtern an und stürzte während Spielen betrunken auf den Platz, um die Tochter zu beschimpfen.

FILE - In a Nov. 11 2008, file photo, Damir Dokic, father of tennis player Jelena Dokic, gestures while speaking in Vrdnik, Serbia. Former Wimbledon semifinalist Jelena Dokic says her father physically, verbally and emotionally abused her from a young age when she started playing tennis. In an autobiography to be released this week, the 34-year-old Dokic says that Damir Dokic, who also was her coach, regularly beat her, pulled her hair and ears, kicked her and even spat in her face.  (AP Photo/File)

Vater Damir Dokic. Bild: AP/AP

Den traurigen Tiefpunkt erreicht das Drama bei den Australian Open 2001, als er die Veranstalter beschuldigte, seine Tochter bei der Auslosung benachteiligt zu haben. Unter Druck gesetzt vom tyrannischen Vater, gab Jelena im Anschluss bekannt, künftig wieder für Jugoslawien zu spielen. Bis heute ist das der Schritt, den sie am meisten bereue. «Wenn ich es ungeschehen machen könnte, dann nicht die Misshandlungen und Beschimpfungen, sondern das. Dass er mich gezwungen hatte, nicht mehr für Australien zu spielen.» Zwei Jahre später kauft sie sich aus den Fängen des Vaters frei – mit einer Million Dollar, wie US-Medien damals berichten. Ein Jahr lang zieht sie sich zurück. Dokic kämpft nicht mehr um Punkte, sondern gegen Selbstmordgedanken, gegen ihr Gewicht, gegen fast alles. Doch sie gibt nicht auf. Sie kennt nichts anderes. Der einzige Ausweg, der sie einst war, war zu ihrem eigenen Weg geworden.

«Ich bin durch die Hölle gegangen»

«Ich bin durch die Hölle gegangen», sagt Dokic, als sie 2006 zurückkehrt. Sie erreichte 2009 bei den Australian Open die Viertelfinals, wird aber nie mehr zu jener Spielerin, die sie einmal gewesen war. Im gleichen Jahr hatte sie erstmals in der Öffentlichkeit über den Horror ihrer Kindheit geredet. Als der mittlerweile in Serbien lebende Vater davon erfährt, droht er, die australische Botschafterin in Belgrad mit einer Handgranate in die Luft zu sprengen. Bei der Hausdurchsuchung findet die Polizei zwei Bomben, sieben Jagdgewehre und eine Pistole. 2014 tritt Dokic zurück. Drei Jahre später erzählt sie ihre erschütternde Geschichte im Buch mit dem Titel «Unbreakable», unzerbrechlich. Sie arbeitet nun als Expertin für das australische Fernsehen. Jelena Dokic, das einstige Tennis-Wunderkind hat sich 36-jährig zurückgekämpft. In die Blase, fernab der Norm, die zu ihrer eigenen Realität geworden ist. Diesmal mit einem Diät-Märchen.

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Useurbrain 22.01.2020 06:24
    Highlight Highlight Die viel gerühmte body positivity bei Frauen… auch Adele ist so super seit sie schlank ist!
  • Nurmalso 20.01.2020 23:11
    Highlight Highlight Als nächstes kommt ein Diätbuch von ihr... Aber daa aie so schnell abgenommen hat liegt am Muskelgedächtnis.

    Mein Kommentar soll jetz aber nicht die Leisting schmälern. Ich find es super dass sie die Kurve wieder gekrkegt hat.
    • Nurmalso 21.01.2020 10:42
      Highlight Highlight Warum ich bei Watson immer so ein Buchstabensalat habe ist mir echt ein Rätsel
  • Fabrizio 20.01.2020 22:52
    Highlight Highlight Weshalb muss oder wie kann man nur so zunehmen? Nur um es später wieder los zu werden?
    Ihre persönliche Geschichte ist natürlich sehr hart, doch darüber wurde bereits bei ihrem Comeback geschrieben..
  • Hardy18 20.01.2020 20:59
    Highlight Highlight Erst dachte ich, jetzt kommt wieder so ein Pummelmärchen 🙄 aber nee...
    Eine heftige Geschichte. 😳
  • insert_brain_here 20.01.2020 18:55
    Highlight Highlight Was hinter sehr vielen Wunderkindergeschichten steckt ist leider noch immer ein grosses Tabuthema nicht nur im Sport: Krankhaft ehrgeizige Eltern die ihre eigenen geplatzten Träume durch ihre Kinder verwirklicht sehen wollen und diese damit zu psychischen Wracks machen.
  • homo sapiens melior 20.01.2020 16:46
    Highlight Highlight Bewunderswert, wie sie sich durchgekämpft hat. Ich hoffe, sie muss diesen Drecksack von Vater nie wieder sehen und er lässt sie jetzt in Ruhe.
  • Commander Salamander 20.01.2020 16:26
    Highlight Highlight Krass, diese Lebens- und Leidensgeschichte. Da wird das Übergewicht fast Nebensache.
    • insert_brain_here 20.01.2020 18:58
      Highlight Highlight Absolut, eine junge Frau kämpft sich aus einer missbräuchlichen Familienbeziehung frei und das ganze wird als „Gewichtsverlustwunder“ aufgehängt? Lese ich gerade aus Versehen die Glückspost?
    • Commander Salamander 20.01.2020 20:21
      Highlight Highlight Genau, die Frau ist eine Überlebende, ein Vorbild... Dass sie den Zuspruch für ihre Abnahme erhält, wird ihr nicht gerecht.
  • DuhuerePanane 20.01.2020 16:21
    Highlight Highlight Hut ab! Wie schafft man das eigentlich, so eine straffe Haut zu haben nach so einem Gewichtsverlust? Die arme sind ja straffer als bei mir!
    • Kiro Striked 20.01.2020 16:39
      Highlight Highlight @DuhuerePanane

      Mit dem Richtigen Training und der Richtigen Hautpflege geht das, ich habe auch von 160 Kilo auf 100 Abgenommen, und dann die übrige Haut grösstenteils Wegtrainiert, Ist aber viel Arbeit, Die Narben habe ich immernoch.
    • Charlie B. 20.01.2020 16:42
      Highlight Highlight Die Haut macht das ganz automatisch soviel ich weiss.
    • DuhuerePanane 20.01.2020 17:30
      Highlight Highlight Kiro ich habe auch fast 60 kg abgenommen. Viel Sport dabei gemacht. Und es blieb soviel überschüssige Haut übrig die wegoperiert werden musste.
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