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Novak Djokovics Teilnahme bei den Australian Open rückt in weite Ferne.
Novak Djokovics Teilnahme bei den Australian Open rückt in weite Ferne.Bild: keystone

Djokovic wird das Visum erneut entzogen – noch ist das letzte Wort aber nicht gesprochen

Kurz vor 18.00 Uhr Ortszeit macht Einwanderungsminister Alex Hawke von seiner Discretionary Power Gebrauch und entzieht Novak Djokovic erneut das Visum. Gehen er und seine Anwälte nicht in Berufung, wird der Tennisspieler umgehend aus Australien ausgeschafft.
14.01.2022, 08:2714.01.2022, 12:57
simon häring / ch media

Nächste Wende im Fall Novak Djokovic. Kurz vor 18.00 Uhr Ortszeit meldet die australische Zeitung «The Age», Einwanderungsminister Alex Hawke habe seine persönliche Widerrufsbefugnis in Anspruch genommen und dem Tennisspieler erneut das Visum entzogen. Damit wird immer unwahrscheinlicher, dass der 34-jährige Serbe seinen Titel bei den am Montag beginnenden Australian Open in Melbourne verteidigen kann.

In einer Erklärung begründet Hawke den Entscheid mit einem Verweis auf den Biosecurity Act. Dieser ermöglicht es, dem Halter das Visum zu entziehen, wenn er als Gefahr für die Gesundheit der australischen Bevölkerung betrachtet werden kann. Er handle damit im öffentlichen Interesse.

Alex Hawke hat sich dazu entschieden, Djokovics Visum erneut zu annullieren.
Alex Hawke hat sich dazu entschieden, Djokovics Visum erneut zu annullieren.Bild: keystone

Ausgestanden ist die Geschichte damit aber wohl noch nicht. Djokovics Anwälte bereiten eine einstweilige Verfügung gegen den Entscheid vor und wollen erneut vor Gericht ziehen. Ob es noch vor Djokovics erster Partie am Montag oder Dienstag zu einer Verhandlung kommt, ist fraglich. Gehen die Anwälte nicht dagegen vor, wird Djokovic umgehend ausgeschafft.

Djokovic bleibt auf freiem Fuss

Fechten sie das Urteil an, gehen sie damit ein grosses Risiko ein. Bestätigt das Gericht den Entscheid, wird Djokovic mit drei Jahren Einreisesperre belegt. Ob er je wieder die Australian Open bestreiten würde, wo er neun seiner 20 Grand-Slam-Titel gewonnen hat, wäre damit fraglich. Djokovic ist für Samstag zu einer Anhörung durch die Einwanderungsbehörde aufgeboten worden. Bis dahin bleibt der Tennisspieler auf freiem Fuss.

Djokovic war am 4. Januar von Malaga über Dubai nach Melbourne gereist und war am Mittwoch kurz vor Mitternacht in Australien gelandet. Am Flughafen Tullamarine wurde er zunächst stundenlang verhört, bis ihm um 07.42 Uhr das Visum entzogen und die Ausweisung angeordnet wurde. Gegen diesen Entscheid gingen Djokovic und seine Anwälte mit einer einstweiligen Verfügung vor und erreichten aufschiebende Wirkung.

Wer in Australien einreist, muss vollständig gegen das Coronavirus geimpft sein oder belegen, dass er sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann. Djokovic legte dafür eine Bescheinigung des australischen Tennisverbands vor, der das von zwei Expertengremien, bestehend aus Ärzten, Immunologen und Virologen, geprüfte Gesuch gutgeheissen hatte. Beaufsichtigt wurde der Prozess von Behörden des Bundesstaats Victoria.

Das Visum wurde Djokovic entzogen, weil er nicht glaubhaft hatte machen können, weshalb er von der Impfpflicht zu befreien sei. Der 34-Jährige machte eine Covid-19-Infektion Mitte Dezember geltend. Doch Ausländer sind bei der Einreise nach Australien nur dann von der Impfpflicht befreit, wenn eine schwere Erkrankung innerhalb der letzten drei Monate vorliegt. Oder nach einer gravierenden Reaktion auf eine erste Coronaimpfung.

Eine kürzlich erfolgte Infektion wird nur dann als Kontraindikation für eine Impfung bewertet, wenn sie schwer verlaufen ist. Djokovic gab aber an, er habe keine Symptome gezeigt. Gemäss Biosecurity Act kann ein Visum entzogen werden, wenn der Verdacht besteht, dessen Halter könne eine «gesundheitliche Gefahr» darstellen. Djokovic wurde daraufhin in ein Hotel in der Innenstadt gebracht, wo er auf seinen Prozess wartete.

Novak Djokovic beim Versuch, in Australien einzureisen.
Novak Djokovic beim Versuch, in Australien einzureisen.Bild: IMAGO / AAP

Am Montag hatte der Federal Circuit and Family Court of Australia dem Einspruch von Djokovics Anwälten gegen die Ausweisung stattgegeben und angeordnet, den Serben umgehend zu entlassen. Die Grenzkontrolle hatte ihm bei der Anhörung zunächst bis 08.30 Uhr Zeit gegeben, um seine Berater zu konsultieren, ihm dann aber bereits um 07.42 das Visum entzogen. Das taxierte Richter Anthony Kelly als verfahrens- und rechtswidrig.

Nach der Urteilsverkündung am Montag zogen zahlreiche Anhänger von Novak Djokovic feiernd durch die Innenstadt von Melbourne.
Nach der Urteilsverkündung am Montag zogen zahlreiche Anhänger von Novak Djokovic feiernd durch die Innenstadt von Melbourne.Bild: keystone

Allerdings kündigte die australische Regierung an, Einwanderungsminister Alex Hawke ziehe in Erwägung, Djokovic erneut das Visum zu entziehen. Die Discretionary Power, eine persönliche Widerrufsbefugnis, ermächtigt den Minister, sich über einen Gerichtsentscheid hinwegzusetzen. Davon machte Hawke Gebrauch, nachdem Djokovics Anwälte am Dienstag mit dem Einreichen weiterer Dokumente noch etwas Zeit gewinnen konnten.

Nach Urteilsverkündung hatte das Gericht weitere Unterlagen zugänglich gemacht. Erst dadurch wurden weitere Ungereimtheiten bekannt. Unter anderem, dass Djokovic einen vom Institute of Public Health of Serbia ausgestellten positiven Befund vom 16. Dezember vorgelegt hatte. Statt sich in Isolation zu begeben, nahm er danach an Veranstaltungen teil und gewährte der französischen Sportzeitung «L’Equipe» ein Interview.

Djokovic verstiess damit in Serbien gegen das Infektionsschutzgesetz. Er begründete dies damit, er habe den Journalisten nicht enttäuschen wollen, das sei eine «Fehleinschätzung» gewesen. Am Donnerstagabend meldete das Nachrichtenportal Cope, dass spanische Behörden wegen Verdachts auf illegale Einreise gegen Djokovic ermitteln. Ungeimpfte aus Serbien müssen eine Bewilligung einholen. Das hatte Djokovic unterlassen.

Stattdessen reiste er nach Melbourne. Doch in seiner Reisedeklaration, die Agentin Elena Cappellaro in seinem Namen ausgefüllt hatte, unterschlug er, dass er in den 14 Tagen vor seinem Abflug von Serbien nach Spanien eingereist war. Falsche oder irreführende Angaben zu machen, ist eine schwere Straftat, die mit bis zu 12 Monaten Haft bestraft werden kann. «Ein menschlicher Fehler in herausfordernden Zeiten», sagte Djokovic. (aargauerzeitung.ch)

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