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Benoît Paire ist wohl vergeblich nach New York gereist.
Benoît Paire ist wohl vergeblich nach New York gereist.Bild: AP

Mauscheleien vor US Open – «Verarscht mich nicht mit dieser Bubble. Es ist absurd»

Noch vor dem ersten Ballwechsel bei den ohne Publikum und in einer Blase ausgetragenen US Open, wird mit Benoît Paire ein erster Spieler positiv auf das Coronavirus getestet. Es drohen weitere Ausschlüsse.
31.08.2020, 17:06
Simon Häring / CH Media

Er ist ein Bonvivant, spielt gerne Karten, zeigte sich im Vorfeld der US Open auch als versierter Basketballspieler, immer mit Maske zwar, klar. Trotzdem wurde der Franzose Benoît Paire (ATP 22) nun positiv auf das Coronavirus getestet. Seit dem 18. August befindet sich der 31-Jährige in der Tennis-Bubble in New York, die fünf bisher gemachten Abstriche waren negativ.

Das Protokoll sieht vor, dass Paire aus dem Feld entfernt wird. Paire muss sich für zehn Tage im Hotel isolieren, wer mit ihm in Kontakt gestanden ist, muss für 14 Tage in Quarantäne. Auch für diese Spieler und Betreuer müsste das Turnier vorbei sein, ehe es begonnen hat.

Noah Rubin glaubt zu wissen, was Sache ist.
Noah Rubin glaubt zu wissen, was Sache ist.Bild: imago sportfotodienst

Rätselraten um Infizierte

Gemäss der französischen Sportzeitung «L'Equipe» sind elf Personen betroffen. Der amerikanische Tennis-Profi Noah Rubin (ATP 228) bestätigt das in seinem Podcast «Behind The Racquet». Die Information habe er direkt von den Betroffenen. Und er sagt: «Es sind ausschliesslich Spieler.»

Doch statt diese vom Turnier auszuschliessen, hätten diese ein Dokument unterzeichnet, das ihnen zwar den Zugang zu gewissen Arealen verbietet, aber nicht zur Anlage und sie auch nicht von der Teilnahme ausschliesst. Rubin sagt: «Ich vermute, dass mindestens einer, wenn nicht mehrere Top-Spieler betroffen sind, und man das Turnier nicht absagen will.»

Alle vier Tage ein Test

Sollten doch noch Spieler aus dem Hauptfeld entfernt werden, würden sie durch Doppel-Spieler ersetzt. Die Blase, die eine kontrollierte Umgebung für Spieler und Betreuer kreieren soll, sei ein Feigenblatt. Die zwei Hotels in Long Island, in denen die Teilnehmer einquartiert sind, seien für andere Gäste zugänglich. Rubin sagt: «Verarscht mich nicht mit dieser Bubble. Es ist absurd, was vorgeht.» Er erinnerte daran, dass die Inkubationszeit, der Zeitraum zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit, bei Covid-19 bis zu 14 Tage betragen könne. Enge Kontakte von Benoît Paire nicht sofort auszuschliessen, sei verantwortungslos und inakzeptabel.

Stellt sich die Frage, wie und wo sich Paire angesteckt haben könnte. Sie bleibt wohl unbeantwortet. Der Österreicher Dominic Thiem sagt: «Es sind so viele Involvierte. Die Möglichkeit, dass jemand positiv getestet wird, ist natürlich sehr gross.» Wer die Anlage, die groteskerweise im Corona Park liegt, betritt, muss jeweils einen Fragebogen ausfüllen und die Temperatur messen lassen. Alle vier Tage werden Abstriche durchgeführt. Es besteht Maskentragepflicht, aufhalten dürfen sich Teilnehmer und Betreuer nur im Hotel und auf der Anlage. Wer dagegen verstösst, wird ausgeschlossen. So steht es jedenfalls im siebenseitigen Sicherheitsprotokoll.

Thiem: «Es gibt wohl keinen sichereren Platz auf der Welt als hier»

Dieses basiert auf vier Pfeilern: Bildung von Gruppen, regelmässige Tests und Contact Tracing, Maskentragepflicht, und Abstand halten. Jeder trägt einen Sender auf sich, der mittels Radiowellen aufzeichnet, wer mit wem in Kontakt gekommen ist – ähnlich der SwissCovid-App. «Die Massnahmen verringern die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Ansteckungen kommt», sagt Bernard Camins am Tag vor dem Start der US Open zur Zeitung «USA Today». Er ist Medical Director für Infektionsprävention beim Mount Sinai Hospital, der die Veranstalter der US Open berät. «Aber wir können nicht garantieren, dass es keine Ansteckungen gibt. Niemand kann das.»

Dominic Thiem (links) gilt als einer der ärgsten Konkurrenten von Topfavorit Novak Djokovic (rechts).
Dominic Thiem (links) gilt als einer der ärgsten Konkurrenten von Topfavorit Novak Djokovic (rechts).Bild: keystone

Dass Paire sich innerhalb der Blase angesteckt hat, in der sich die Spieler befinden, hält Camins für praktisch unmöglich. Dominic Thiem sagt: «Es gibt wohl keinen sichereren Platz auf der Welt als hier.» Die Spieler würden 24 Stunden überwacht und könnten ihr Hotel nur verlassen, um auf die Anlage zu gelangen.

Sorgen macht sich der Österreich zwar noch keine, er sagt aber auch: «Scheisse würde es werden, wenn das eine Infektionskette wird.» Doch ganz so undurchlässig, wie es Veranstalter darstellen, scheint die Tennis-Blase nicht zu sein. Bleibt zu hoffen, dass der Druck nicht zu gross wird. Und am Ende zu platzen droht.

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7 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Füdlifingerfritz
31.08.2020 17:34registriert März 2018
Werde die US Open erstmals wohl keine Sekunde lang verfolgen. Reizt mich unter diesen Umständen nicht die Bohne.
22010
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Leo L.
31.08.2020 17:32registriert März 2019
Eine riesen Farce was da abgeht. Die schaffen das bereits jetzt nicht die vorgegebenen Richtlinen durchzusetzen und den Tennisspielern ist nicht zu trauen. Eine Frechheit, dass die Kontakte von Paire nicht ausgeschlossen werden. Da will man mit dem Kopf durch die Wand um kein Geld (TV- übertragungen etc) zu verlieren. Schlussendlich ist zwar jeder dieser Ichlinge selber schuld, überhaupt anzutreten, aber schlussendlich werden wieder unbeteilige angesteckt werden. Shame on you, Tennis.
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Mia_san_mia
31.08.2020 17:48registriert Januar 2014
Tennis machts irgendwie sehr schlecht in diesen Corona-Zeiten...
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