Sabalenka vs. Kyrgios – echte «Battle of Sexes» oder einfach nur Show?
52 Jahre nach der legendären «Battle of the Sexes» zwischen Billie Jean King und Bobby Riggs kommt es wieder zu einem Tennis-Vergleich der Geschlechter. In Dubai duelliert sich morgen Sonntag in der futuristischen Coca-Cola-Arena die aktuelle Nummer 1 im Frauentennis mit dem Enfant terrible des Männertennis schlechthin: «Aryna Sabalenka gegen Nick Kyrgios» lautet die schon im Vorfeld viel beachtete Affiche.
Mit Spannung wird erwartet, ob die aktuell beste Tennisspielerin der Welt den zuletzt dauerverletzten Wimbledon-Finalisten von 2022, der nur noch auf Rang 671 der ATP-Weltrangliste liegt, in die Schranken weisen kann. Die Veranstalter preisen das Duell als «historischen Match und kulturellen Moment» an. Die BBC überträgt das Duell live, die 17'000 Plätze in der Arena, die zwischen 135 und 1220 Dollar kosten, sind fast ausverkauft.
Gespielt wird über zwei Gewinnsätze. Ein womöglich entscheidender dritter Satz wird im Match-Tiebreak bis zehn Punkte ausgespielt. Doch es gibt ein paar Änderungen zu einem normalen Tennis-Match: Beide Protagonisten haben nur einen Aufschlag, zudem wird die Spielfeldseite von Sabalenka um neun Prozent kleiner sein als die von Kyrgios.
Kyrgios gibt sich siegessicher
Kyrgios hält eine Niederlage – wie könnte es anders sein – dennoch für ausgeschlossen: «Sie wird mich nicht schlagen. Glaubst du wirklich, ich müsste 100 Prozent geben?», fragte der 30-Jährige in einem Podcast. Er werde den Tennisschläger für immer an den Nagel hängen, wenn er das Duell gegen Sabalenka verlieren sollte.
Sabalenka will natürlich genau das erreichen. «Ich werde mein Bestes geben und ihm in den Hintern treten», sagte die viermalige Grand-Slam-Siegerin aus Weissrussland. «Ich bin stolz darauf, die Frauen zu vertreten und Teil dieser modernen ‹Battle of the Sexes› zu sein», sagte die aktuelle US-Open-Siegerin.
Doch welchen Wert hat dieses Duell der Geschlechter wirklich? Darüber gehen die Meinungen deutlich auseinander. Während einige darin eine grosse Chance für das Frauen-Tennis sehen, wenn Sabalenka gewinnt, sehen andere keinerlei Vorteil für die Frauen auf der Tour.
Ganz im Gegenteil: «Ich sehe absolut keinen Gewinn für das Damen-Tennis, ich sehe nur Trostlosigkeit», sagte die bekannte britische Tennis-Journalistin Catherine Whitaker gegenüber der BBC. «Es ist ein krasses kommerzielles Unterfangen und ein Vehikel für einen der offensten Frauenfeinde im Tennis, der nur Aufmerksamkeit will. Wenn Sabalenka gewinnt, besiegt sie einen Mann, der nicht fit ist und seit Jahren völlig irrelevant ist. Was gewinnt sie damit? Nichts.»
Geht es um den Sport oder um Geld?
Die Nummer 1 der Welt macht sich allerdings keinen Stress. «Ich wüsste nicht, was ich zu verlieren hätte. Wir wollen einfach Spass haben und eine gute Show bieten», erklärte Sabalenka. Doch der Weltnummer 1 dürfte es auch um das eigene Portemonnaie gehen. Ende 2024 war Sabalenka von IMG zum «Battle of the Sexes»-Veranstalter Evolve gewechselt – vor allem, um bessere Sponsorenverträge zu bekommen.
Denn im Vergleich mit anderen aktuellen Tennis-Grössen hinkte die Belarussin der Konkurrenz in diesem Bereich deutlich hinterher. Während die US-Amerikanerin Coco Gauff im Jahr 2024 mit Werbung 25 Millionen Dollar einnahm, waren es bei der Weltnummer 1 gemäss «Forbes» lediglich 9 Millionen Dollar.
Was das Duell am Ende sportlich bringt, wird stark von Kyrgios' Form abhängen. Der 30-jährige Australier hat seit März kein offizielles Match mehr auf der Tour bestritten und noch immer ist unklar, ob er seine Karriere überhaupt fortsetzen wird. Ein ähnliches Schicksal wie der damals 55-jährige Riggs, der gegen King in Houston mit 4:6, 3:6, 3:6 unterging und sich danach einiges anhören musste, will Kyrgios aber sicher auf jeden Fall vermeiden.
Margaret Court (AUS) vs. Bobby Riggs (USA) 2:6, 1:6
• 20. September 1973:
Billie Jean King (USA) vs. Bobby Riggs (USA) 6:4, 6:3, 6:3
• 25. September 1992:
Martina Navratilova (USA) vs. Jimmy Connors (USA) 5:7, 2:6
