Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
15 Jun 1997: Jorge Campos of the Los Angeles Galaxy in action during a game against the Tampa Bay Mutiny at the Rose Bowl in Pasadena, California. The Galaxy won the game, 4-1.

Campos trug als Goalie manchmal die Rückennummer 9 – weil er gleichzeitig Stürmer war. Bild: Getty Images North America

Kult-Goalie Jorge Campos hängt seine knallbunten Trikots an den Nagel

8. Januar 2004: Europas Fussballfans erwachen mit der Nachricht von Jorge Campos' Rücktritt. Der mexikanische Goalie bleibt nicht bloss wegen seiner selber entworfenen Trikots in guter Erinnerung.



Aus Acapulco, da kommen die Verrückten her. «Going loco, down in Acapulco», sangen einst «The Four Tops». Vermutlich haben sie dabei eher an die berühmten Klippenspringer gedacht als an Jorge Campos. Doch auch auf ihn, den berühmtesten Fussballer der Stadt, trifft das Adjektiv «loco» («verrückt») zu.

Jorge Campos ist in den 90er-Jahren Goalie – aber nicht nur. Je nach Bedarf spielt er auch im Sturm. Manchmal wechselt der Trainer auch einen Angreifer aus, bringt den Ersatzgoalie und beordert Campos nach vorne. Selbst in der Nationalmannschaft wird er zweimal als reiner Stürmer eingesetzt, sieben Mal wechselt seine Position während eines Länderspiels vom eigenen in den gegnerischen Strafraum.

In einer Zeit, in der im Fussball Taktik und Systeme mehr und mehr an Wert gewinnen, ist der Mexikaner ein wohltuender Farbklecks. In Europa ist Campos aber nicht primär wegen seiner Spielweise bekannt und auch nicht wegen der insgesamt 46 Tore, die er während seiner Karriere erzielt. Nein, Campos, das ist der kleine Keeper mit den viel zu grossen Trikots, die er selber entwirft und die bei manch einem Gegner ein mittelschweres Augenleiden hervorrufen. Inspirieren liess er sich dabei angeblich von seiner Heimat Acapulco, wo er unweit des Strandes aufwuchs. Seine erste Liebe sei das Meer gewesen und darum sollen die bunten Shirts seine Verbundenheit zu Surfern zeigen.

Der Goalgetter, der Tore verhindert

Als Campos seine Profikarriere 1988 bei den Pumas beginnt, ist er nur Ersatzgoalie. Aber der 21-jährige Paradiesvogel will spielen – wenn es sein muss, halt als Feldspieler. Campos überzeugt den Trainer, ihn aufzustellen und er bedankt sich mit 14 Toren dafür.

Campos zeigt also, dass er es auch als Stürmer drauf hat. Dennoch wechselt er in der darauf folgenden Saison ins Tor, jetzt ist er Stammgoalie bei einem der bekanntesten Klubs im Land. 1991 hext Campos die Pumas zum mexikanischen Meistertitel.

Play Icon

Die schönsten Paraden von Jorge Campos. Video: YouTube/El Tri-1080x

1994 wird auch der Rest der Welt auf den 1,76 m grossen Schlussmann aufmerksam. An der WM in den USA ist Jorge Campos Mexikos Nummer 1. In den Achtelfinals pariert er im Penaltyschiessen gegen Bulgarien zwar gleich den ersten Schuss von Krassimir Balakow, doch Mexiko scheidet aus.

Play Icon

Im kunterbunten Flatterleibchen pariert Jorge Campos den Penalty von Krassimir Balakow, dem späteren Star des VfB Stuttgart und erfolglosen Trainer von GC und St.Gallen. Video: streamable

Hollywood braucht den Showman

Klar, dass einer wie Campos der ideale Mann ist, um 1996 die neu gestartete Major League Soccer in den USA zu lancieren. Er ist der schrille Typ, der Amerikanern den neuen Sport «gluschtig» machen soll und er ist das populäre Idol, das die Mexikaner in den USA in die Stadien locken soll. Campos spielt zunächst bei Los Angeles Galaxy, später bei Chicago Fire.

Play Icon

Inmitten der Superstars Ronaldo, Cantona, Maldini und Co.: Campos rettet in der Nike-Werbung 1996 die Welt. Video: YouTube/Best Moments

Weiter ins Ausland wechselt Campos nie. Wer ihn sehen will, schaltet deshalb bei Mexikos Länderspielen ein; auf 130 Einsätze bringt es der fliegende Goalie. 1998 scheitern Campos und «El Tri» erneut in den WM-Achtelfinals, Deutschland gewinnt dank zwei späten Toren von Jürgen Klinsmann und Oliver Bierhoff mit 2:1. Es ist Campos letzter Einsatz an einer Weltmeisterschaft, 2002 ist der Routinier nur noch als Ersatztorhüter dabei.

from left to right, Lionel Messi, of Argentina, Ronaldinho, of Brazil, and Jorge Campos of Mexico, appear during introductions at  the Free Kick Masters competition Saturday, July 5, 2008, in Houston. (AP Photo/Bob Levey)

Legenden unter sich: Messi, Ronaldinho und Campos bei einem Plausch-Match 2008 in Houston. Bild: AP

Heute backt er Brötchen

Zu diesem Zeitpunkt hat Campos längst ein Standbein neben dem Platz. In seiner Restaurant-Kette «Sportortas-Campos» lässt er schon mehr als 20 Jahre lang Sandwiches verkaufen. Natürlich gibt es auch ein Eingeklemmtes namens «Jorge Campos» im Sortiment.

«Ich habe alles erlebt, von dem ein Fussballer träumt», sagt Campos bei seinem Rücktritt 2004. Für zwei Jahre wird er Assistent von Nationaltrainer Ricardo Lavolpe, dann widmet er sich der Arbeit als TV-Experte – und natürlich seinen Sandwiches. Es macht den Anschein, dass Jorge Campos, der «Loco» aus Acapulco, seit dem Abschied aus den Strafräumen dieser Erde ein ganz normales Leben lebt.

Play Icon

Auch ein herausragender Keeper kassiert manchmal eine Pflaume: Die Flop-Ten zum Schmunzeln. Video: YouTube/Televisa Deportes

Play Icon

Ein bisschen loco muss sein: Campos zeigt in einer bestimmt hochstehenden TV-Sendung sein Sixpack. Video: YouTube/1JORGECAMPOS

Play Icon

In einer Zeit bevor jeder ein Handy hatte: Campos macht Werbung für einen Telekom-Anbieter. Video: YouTube/1JORGECAMPOS

Bonus-Clip

Play Icon

Muss einfach sein, wenn von Acapulco die Rede ist: Die legendäre Klippenspringer-Werbung für «Cliff». Video: YouTube/AlteTVSpots

Die 60 besten Sportfotos aller Zeiten

Unvergessene Nati-Geschichten

27 zeitlose Klassiker: Die  schönsten Tore der Schweizer Nati

Link to Article

Die Nati der Vergessenen – 11 Schweizer, deren Karriere ganz anders verlief als erhofft

Link to Article

Wie die Schweiz sich für die Fussball-WM 1998 bewarb – und total blamierte

Link to Article

07.03.2007: Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Link to Article

10.09.2008: Luxemburgerli vernaschen? Denkste! – Die Schweizer Nati kassiert die bitterste Niederlage ihrer Geschichte

Link to Article

29.02.2012: Ausgerechnet gegen die Schweiz erzielt Lionel Messi seinen ersten Nati-Hattrick

Link to Article

18.06.1994: Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link to Article

25.03.1998: Bei seinem Debüt führt Gilbert Gress die Nati gegen England fast zum Sieg – dann patzt sein Lieblingsgoalie

Link to Article

13.11.1991: Weil die Schweizer Nati in der «Hölle von Bukarest» auf 0:0 spielt, vergeigt sie die EM-Qualifikation im letzten Moment doch noch

Link to Article

28.03.2001: Alex Frei macht Kubilay Türkyilmaz vergessen und sorgt dafür, dass Andy Egli einfach mal die Klappe halten muss

Link to Article

24.04.1996: Das Ende der kurzen Ära von Nati-Trainer Artur Jorge beginnt ausgerechnet mit einem Sieg

Link to Article

11.07.1966: Die «Nacht von Sheffield», der grösste Skandal der Schweizer Fussballgeschichte

Link to Article

12.10.2012: Ottmar Hitzfeld zeigt dem Schiedsrichter den Stinkefinger und macht sich danach mit faulen Ausflüchten lächerlich

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
Du hast watson gern?
Sag das doch deinen Freunden!
Mit Whatsapp empfehlen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Daniela Ryf und Nino Schurter sind die Schweizer Sportler des Jahres

Nino Schurter und Daniela Ryf wurden an den Credit Suisse Sports Awards in Zürich als Schweizer Sportler und Sportlerin des Jahres ausgezeichnet. Den Preis für das Team des Jahres erhielt die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft.

Zahlreiche Schweizer Sportler haben 2018 Ausserordentliches geleistet, deshalb präsentierte sich das Feld der Nominierten für die Sports Awards von heute hochkarätig wie selten zuvor. Mit Triathletin Daniela Ryf und Mountainbiker Nino Schurter setzten sich im Gegensatz zum Vorjahr, als Wendy Holdener und Roger Federer triumphierten, zwei Athleten durch, die eher aus Randsportarten stammen.

Die weiteren Awards in der TV-Gala gingen an Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer (Trainer …

Artikel lesen
Link to Article