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In der Luft ein Star: Eddie Edwards.
In der Luft ein Star: Eddie Edwards.Bild: IMAGO / Sven Simon
Unvergessen

Kult-Skispringer «Eddie the Eagle» landet in den Herzen der Fans

14. Februar 1988: Der legendärste Skispringer der Geschichte betritt die olympische Bühne. «Eddie the Eagle» hat die dicksten Brillengläser und hüpft mehr, als er springt. Der Brite ist bis heute ein unumstrittener Publikumsliebling.
14.02.2022, 00:0111.02.2022, 12:07

Er ist der lebende Beweis, dass es bei Olympischen Spielen nicht nur um Medaillen geht: Michael «Eddie» Edwards. Seit er ein kleiner Bub ist, träumt er davon, einmal an den Spielen teilzunehmen. Er versucht sich als Skifahrer, verpasst die Olympiaqualifikation für Sarajevo 1984. Leider ist der weitsichtige Michael nicht mit übermässig grossem sportlichen Talent gesegnet. Dafür mit einer grossen Portion Bauernschläue.

Als Edwards in Lake Placid, der Olympiastadt von 1980, ist, entdeckt er die Skisprungschanzen und stellt fest, dass die Sportart einerseits olympisch ist und es andererseits keinen einzigen britischen Athleten gibt, der sie ausübt. «Also habe ich mir gedacht, dass ich das mal versuchen sollte», erinnert er sich.

Edwards steigt in Calgary die Schanze hinauf.
Edwards steigt in Calgary die Schanze hinauf.Bild: IMAGO / Colorsport

Der internationale Durchbruch gelingt ihm 1987, keine zwei Jahre nachdem er erstmals vom Skispringen gehört hat. Mit 73,5 Metern stellt er an der WM in Oberstdorf den britischen Rekord auf.

«Für mich war allein die Teilnahme an Olympischen Spielen so viel Wert wie eine Goldmedaille.»

Dass der Maurer mit den Flaschenböden als Brille mit dieser Leistung Letzter wird – wen kümmert's? Die Herzen des Publikums erobert der 24-Jährige im Sturm. Michael Edwards nennt ihn niemand mehr, fortan ist er ein Adler: «Eddie The Eagle».

Von kleinen Rückschlägen lässt sich ein Adler nicht beeindrucken.
Von kleinen Rückschlägen lässt sich ein Adler nicht beeindrucken.Bild: Getty Images Europe

Olympischer Höhenflug

1988 in Calgary geht der grosse Traum des kleinen Vogels aus dem englischen Cheltenham in Erfüllung: Er ist Teilnehmer Olympischer Spiele. Einige Kilos schwerer als alle Konkurrenten, mit schlechterer Technik, aber mit genau gleich grossem Mut stürzt er sich in die Tiefe.

Abgeschlagen Letzter auf der Normalschanze, Schlusslicht auf der Grossschanze, aber Erster bei den Fans. Angeblich unterbricht selbst der amtierende US-Präsident Ronald Reagan eine Sitzung kurz, um das Phänomen der Schanze zu sehen.

An der Abschlussfeier vor 100'000 Zuschauern erwähnt ihn OK-Chef Frank King in seiner Rede, als er die Leistungen der Sportler würdigt: «Sie haben Weltrekorde gebrochen, persönliche Bestleistungen aufgestellt und einer von ihnen flog gar wie ein Adler!»

Für Edwards stellen diese Worte den grössten Moment seiner Karriere dar: «Ich habe heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.»

Ab 3:15 Min: An der Abschlusszeremonie feiert ihn das ganze Stadion mit «Eddie! Eddie!»-Rufen.Video: YouTube/London 2012

Gefeiert wie ein Rockstar

Als er zurück nach England fliegt, erwarten ihn am Gepäckband zwei Dutzend Polizisten. «Wir helfen Ihnen, durch den Flughafen zu kommen», sagen sie dem verdutzten Skispringer.

Dieser realisiert erst als sich die Türen öffnen, was in der Heimat los ist: Mehr als 10'000 Leute erwarten ihn in London-Heathrow, Fernsehteams und Zeitungsreporter reissen sich um ihn. «Da wurde mir bewusst, dass ich offensichtlich etwas ausgelöst habe.»

Kurze Sprünge, grosse Wirkung

Den plötzlichen Ruhm nutzt der Engländer. Er schreibt ein Buch, nimmt Platten auf und ist mit diesen vor allem in Finnland populär – der Heimat von Matti Nykänen, dem 2019 verstorbenen zweifachen Goldmedaillengewinner von Calgary.

Edwards lässt sich vom Publikum feiern.
Edwards lässt sich vom Publikum feiern.Bild: IMAGO / WEREK

«Zwei Jahre lang war ich unterwegs», blickt Edwards zurück. «Ich habe Einkaufszentren eröffnet, Achterbahnen und Hotels. Habe Schauspieler getroffen, unzählige Fernsehauftritte gehabt und bin um die ganze Welt geflogen. Aber nichts war so gut, wie in Calgary auf der Schanze oben zu stehen.»

Die «Eddie the Eagle»-Regel

«99 Prozent der anderen Springer fanden es gut, was ich tat», sagt der Adler. «Dank mir kam ihr Sport plötzlich auf Seite eins». Aber den Funktionären ist der hüpfende Clown ein Dorn im Auge, so sehr er die Ernsthaftigkeit seines Unterfangens auch beteuern mag.

Wegen «Eddie The Eagle» verschärfen sie die Regeln so, dass Exoten nur noch an Olympischen Spielen teilnehmen dürfen, wenn sie ein gewisses Niveau erreichen. Es ist nicht sein einziges Vermächtnis: Die aussergewöhnliche Karriere von Michael «Eddie» Edwards wird 2016 fürs Kino verfilmt.

«Eddie The Eagle» blickt 2012 auf seine Karriere zurück. Die Augen sind mittlerweile operiert, seine charakteristische Brille weg.Video: YouTube/TomCarstairs

In England immer noch C-Promi

Köstlich: 2012 tritt der Skispringer als Austin Powers in einer Tanzshow des britischen Fernsehens auf.Video: YouTube/BBC
Im Januar 2013 siegte er gemeinsam mit Weltmeister Tom Daley in der englischen Variante des «TV Total Turmspringens».Video: YouTube/Tom Daley
2016 kommt Edwards' Lebensgeschichte sogar ins Kino. Video: YouTube/20th Century Studios DE
Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende sportliche Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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Skisprung-Legende Eddie «The Eagle» Edwards

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Skisprung-Legende Eddie «The Eagle» Edwards
quelle: getty images europe / getty images
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4 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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manhunt
14.02.2018 09:17registriert April 2014
das ist es, was die olympischen spiele brauchen: mehr eddies und weniger funktionäre. mehr leidenschaft und weniger politik. um der olympischen idee wieder mehr rechnung zu tragen.
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Rectangular Circle
14.02.2018 07:21registriert Dezember 2017
Der Film war einfach wunderbar, auch wenn er sicher dramaturgisch etwas «verbessert» wurde.
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joe
14.02.2018 10:19registriert Januar 2014
Schade sieht man heute die Exoten nicht mehr. Da wird vorher zu einer anderen Sportart umgeschaltet.
Olympia lebt von den Aussenseitern.
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