Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Ailton ist beim Interview alles andere als zufrieden. Bild: screenshot youtube

Unvergessen

Ailton wettert: «For mi das nicht Profi-Mannschaft, das nicht Profi-Fussball. Unglaublig»

27. September 2008: Ailton hat vieles gesehen. Die schönsten Jahre erlebt der Kugelblitz bei Werder Bremen als Superstar und Publikumsliebling. Danach wird die Karriere turbulent. So auch während der zwölf Spiele beim bescheidenen Altach in Österreich.



Man ahnt es schon, als der ORF nach der Partie zwischen dem SCR Altach und dem SV Ried (0:1) Ailton zum Interview bittet: Das kann heiter werden. Und es wird heiter.

Ailton ist eigentlich sprachlos, plaudert aber trotzdem mit seinem unverwechselbaren Akzent ins Mikrofon: «Ich musste 35 Jahre alt werden und spiele schon lange Fussball. Aber so etwas wie heute habe ich noch nie gesehen.» Hier gilt es anzumerken: Wenn Ailton sagt, er habe etwas noch nicht gesehen, dann will das was heissen.

abspielen

Ailtons legendäre Kollegen-Schelte bei Altach. Video: YouTube/Bycci

Der Brasilianer erlebt seine Glanzzeit zwischen 1998 und 2004 bei Werder Bremen. Als nur einer von bis dahin vier Ausländern erzielt er über 100 Bundesligatore (106 Tore in 214 Einsätzen), in der Abschiedssaison wird er Meister, Pokalsieger, Torschützenkönig und als erster Ausländer zu «Deutschlands Fussballer des Jahres» gewählt.

Publikumsliebling ist er an der Weser, «Kugelblitz» nennen sie ihn wegen seiner Körperform liebevoll. Da er keine Chance auf die brasilianische Nati sieht, will er sich erst in Deutschland einbürgern lassen. Der damalige Bundestrainer Rudi Völler hat aber kein Interesse am Zuckerhut-Stürmer.

Später liebäugelt er mit der katarischen Nationalmannschaft. Doch auch das will nicht klappen. Ailton kickt bis dahin in Brasilien, Mexiko, Deutschland, der Türkei, Serbien, der Ukraine, bei GC in der Schweiz und jetzt also in Österreich. Der Cashpoint SC Rheindorf Altach in Vorarlberg ist sein 18. Klub. Nur 6200 Einwohner wohnen im verschlafenen Dorf.

Schönenberger sagt: «Das war zu wenig»

Keine Frage, Ailton hat die Welt gesehen. Was aber auch erwähnt werden muss: Er dürfte selber nicht geahnt haben, was er alles noch nicht gesehen hat. An der Wok-WM macht er später mit, geht für «Ich bin ein Star – holt mich hier raus!» in den australischen Dschungel und nimmt ein Lied über sich auf. Aber das sind andere Geschichten.

Ailton Altach

Unverstanden beim SCR Altach: Ailton. Bild: keystone

Zurück zum Interview. «For mi das nicht Profi-Mannschaft, das nicht Profi-Fussball», erklärt der Angreifer. Unglaublich sei das. Eine Stunde habe er gespielt, aber keinen Ball erhalten, nie aufs Tor geschossen. Keiner wisse, wo er spielen müsse. Ein System habe er nicht erkannt, schlicht «gar nichts» sei das gewesen.

Das beweist auch die Statistik seiner unauffälligen Darbietung: 15 Ballkontakte verzeichnet er, nur 22 Prozent der Zweikämpfe verlaufen positiv und null Torschüsse werden notiert. Ob es nur an den Mitspielern gelegen hat oder Ailton vielleicht mitschuldig ist, sei mal dahingestellt. Der Schweizer Trainer Urs Schönenberger jedenfalls bemerkt nach der Partie: «Auch er muss dafür arbeiten, dass er Bälle bekommt. Das war zu wenig.»

ailton altach

Da zuckt er mit den Schultern: Ailton. screenshot: ORF

«Der beste Stürmer der Welt hätte hier kein Tor erzielt»

Selbstkritik scheint aber nicht die Stärke von Ailton zu sein: «Der beste Stürmer der Welt hätte hier kein Tor erzielt», jammert der von Altachs Geschäftsführer Christoph Längle später als «grosser Unkontrollierbarer» bezeichnete Brasilianer. Zu viele lange Bälle hätten seine Teamkameraden gespielt. Ungläubig schüttelt er den Kopf: «Das ist kein Fussball, das ist kein Fussball.»

Dabei hört sich Tage zuvor noch alles optimistisch an. Kurz vor der Vertragsunterzeichnung steht Ailton da und sagt Sätze wie «Ich will Altach helfen», «Ich muss meine Form finden und Tore schiessen» oder «Ich will mit dem Klub nach oben».

abspielen

Ailton gibt sich kurz vor der Vertragsunterzeichnung optimistisch. Video: YouTube/VOL.AT - Vorarlberg Online

Froh ist er vor allem, dass er weg aus der Ukraine konnte. Und Altach ist auf Tore angewiesen. In den ersten beiden Spielen wird Ailton jeweils eingewechselt. Einmal darf er 18 Minuten ran, einmal deren 36. Das Spiel gegen Ried ist sein Startelf-Debüt. Nach der Partie hat Altach neun von zehn Spielen verloren und weist ein Torverhältnis von 8:29 aus.

Danach sieben Tore in sieben Spielen

Trotzdem ist die Nummer 10 (was denn sonst?) die grosse Attraktion bei Altach. Der sensationellste Transfer der Klubgeschichte natürlich, Autogrammjäger sind immer hinter ihm her. Ja, der Zirkus spielt, wenn die Diva auftritt.

Seine Äusserungen im Interview kommen natürlich nicht gut an. Geschäftsführer Längle empfindet sie als «unnötig, aber noch innerhalb der Toleranzgrenze». Ailton muss eine Busse bezahlen, entschuldigt sich beim Team für die Aussagen. Was er jetzt machen will, wird der Altstar noch gefragt: «Vielleicht nach Brasilien», lacht Ailton. Es bleibt ein Spässchen. Beim nächsten Spiel steht der damals 35-Jährige wieder in der Startelf. Altach siegt beim LASK. Torschütze zum 3:1-Endstand? Natürlich Ailton. Der Knipser erzielt nach dem Interview sieben Tore in ebenso vielen Spielen.

abspielen

Das 3:1 gegen den LASK mit dem ersten Tor von Ailton für Altach. Video: YouTube/guenter EausL

Gastspiel nach zwölf Partien beendet – Karriere längst nicht

Die Lage zwischen Spieler und Klub entspannt sich in den kommenden Wochen. Ailton erzielt sieben Tore in zwölf Partien (drei per Elfmeter) und erhält bei einer Auswechslung gar einmal Standing Ovations. «Nicht vergesse, wie geht Tore schiesse», verkündet er. Das Leihgeschäft endet trotzdem im Dezember. Zurück in die Ukraine zu Metalurg Donezk will der Lebemann aber nicht. «Kopf will nicht, Körper will nicht, und Frau will auch nicht», erklärt er und löst den Vertrag auf.

Bremen's Brazilian player Ailton holds the cup after winning the  German Soccer Cup Final between Werder Bremen and second divisioner Alemannia Aachen in Berlin, Saturday May 29, 2004. (KEYSTONE/AP Photo/Frank Augstein)

Da entsprachen die Worte noch den Taten: Ailton holt 2004 mit Bremen Meistertitel, Pokal und Torjägerkrone. Bild: AP

Das Karriereende bedeutet dies aber längst nicht. Im März 2009 schliesst sich der Torhamster dem brasilianischen Zweitliga-Verein Campinense an. Es folgt ein Wechsel nach China, nochmals nach Deutschland, zurück nach Brasilien und 2012 zu Hassia Bingen in Deutschlands sechsthöchster Liga. Es ist sein 25. Klubwechsel. Trotz Abstieg bleibt er dem Verein über das Saisonende hinaus treu. Letztmals war dies 2004 in Bremen der Fall. Im Januar 2014 beendet Ailton seine Karriere, am 6. September 2014 organisiert Werder Bremen ein Abschiedsspiel für seinen einstigen Star. Ailton erzielt vier der acht Tore. Gelernt ist eben gelernt.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Die wichtigsten Transfers des Sommers 2019

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Die «Nacht von Sheffield» – Köbi Kuhn sorgt für den grössten Skandal der Nati-Geschichte

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

Link zum Artikel

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

Link zum Artikel

Im Heysel-Stadion werden 39 Menschen zu Tode getrampelt

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

5
Link zum Artikel

Die «Nacht von Sheffield» – Köbi Kuhn sorgt für den grössten Skandal der Nati-Geschichte

3
Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

1
Link zum Artikel

Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

7
Link zum Artikel

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

3
Link zum Artikel

Im Heysel-Stadion werden 39 Menschen zu Tode getrampelt

4
Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

6
Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

10
Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

12
Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

1
Link zum Artikel

Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

3
Link zum Artikel

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

5
Link zum Artikel

Die «Nacht von Sheffield» – Köbi Kuhn sorgt für den grössten Skandal der Nati-Geschichte

3
Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

1
Link zum Artikel

Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

7
Link zum Artikel

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

3
Link zum Artikel

Im Heysel-Stadion werden 39 Menschen zu Tode getrampelt

4
Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

6
Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

10
Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

12
Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

1
Link zum Artikel

Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

3
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sichernit 27.09.2019 07:00
    Highlight Highlight Hat er all die Geschichten gemacht weil es ihm langweilig war oder ist ihm ständig die Kohle ausgegangen?
  • wolge 27.09.2019 06:08
    Highlight Highlight „For mi das nicht Profi-Mannschaft, das nicht Profi-Fussball“

    Das denke ich auch des öfteren über unsere Firma...

    Nur leider wird in der Arbeitswelt meist an den Symptomen rum geschraubt: Man sagt Mitarbeitenden was sie falsch machen und provoziert eine hohe Fluktuation...

    Dabei müsste man wie im Sport zum Problem vordringen und den Trainer genauer unter die Lupe nehmen...

    Derselbe Mensch kann unter einem guten Chef und einer guten Geschäftsleitung aufblühen...

    Nur sind solche rar gesät...
    • hopplaschorsch12 27.09.2019 08:13
      Highlight Highlight bin noch selten mit einem post so einverstanden gewesen wie mit diesem!

«Steini» ballert an die eigene Latte – und Basel wirft ManUnited aus der Königsklasse

7. Dezember 2011: Serienmeister Basel sorgt in der Champions League für eine Sternstunde des Schweizer Klubfussballs. Im letzten Gruppenspiel der Champions League besiegt der FCB den grossen Favoriten Manchester United mit 2:1 und zieht auf Kosten der Engländer in die Achtelfinals ein.

Es ist der Abend, an dem einer der in der jüngsten Zeit populärsten Basler Fan-Songs entsteht:

Eine Stunde ist vorbei im sechsten und letzten Gruppenspiel der Champions-League-Saison 2011/12. Der FC Basel führt gegen das grosse Manchester United, das mit den Superstars Wayne Rooney, Luis Nani, Rio Ferdinand und Ryan Giggs antritt, mit 1:0. Xherdan Shaqiri hatte von links vors Tor geflankt, dort wurde Marco Streller nicht gedeckt und mit einer Direktabnahme erzielte er nach neun Minuten schon die …

Artikel lesen
Link zum Artikel