DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Sportschützen Matthew und Katerina Emmons – sein Unglück wurde zu ihrem gemeinsamen Glück.
Die Sportschützen Matthew und Katerina Emmons – sein Unglück wurde zu ihrem gemeinsamen Glück.
Bild: AP
Unvergessen

Amor trifft besser als der Sportschütze, der auf die falsche Scheibe zielte

17. August 2008: Matthew Emmons liefert Stoff für Hollywood. Schon an den Olympischen Spielen in Athen 2004 versagen dem amerikanischen Top-Schützen die Nerven, nun auch in Peking. Dafür findet er dadurch die Frau fürs Leben.
17.08.2021, 00:0516.08.2021, 10:41

Er ist der vielleicht grösste olympische Pechvogel aller Zeiten und doch vom Glück gesegnet. Olympiasieger, Versager, Ehemann, erneuter Versager, Krebspatient, Hoffnungsträger – das ist das Leben von Matthew Emmons im Schnelldurchlauf. Der 35 Jahre alte Sportschütze darf ohne Übertreibung behaupten, sämtliche Höhen und Tiefen erlebt zu haben.

Emmons jubelt über den Olympiasieg in Athen. Noch weiss er nicht, dass ihn ein anderes Ereignis in die Schlagzeilen katapultieren wird.
Emmons jubelt über den Olympiasieg in Athen. Noch weiss er nicht, dass ihn ein anderes Ereignis in die Schlagzeilen katapultieren wird.
Bild: AP

Am 20. August 2004 wird Matthew Emmons in Athen Olympiasieger mit dem Kleinkalibergewehr. Der Triumph in der wenig publikumswirksamen Sportart, eine von 301 Medaillenentscheidungen in der griechischen Hauptstadt, ist bloss eine Randnotiz.

Was Emmons Bekanntheit schlagartig ändert, ist der Wettkampf zwei Tage später. Dabei ist es nicht eine zweite Goldmedaille oder ein Weltrekord, welche ihn ins Rampenlicht katapultieren. Im Dreistellungsmatch spielen dem damals 23-Jährigen die Nerven einen Streich, der so fies ist, dass er rund um den Globus zum Thema wird.

Ein Treffer, aber keine Anzeige

Vor dem letzten Schuss liegt Emmons deutlich in Führung. Sein Vorsprung von drei Punkten bedeutet auf diesem Niveau eine Weltreise. Emmons schiesst, erzielt bloss die mässige Wertung von 8,1 und dennoch reicht ihm dies zur Goldmedaille. Doch der Jubel bleibt dem Amerikaner aus dem Grossraum Philadelphia im Hals stecken.

Emmons' Schuss erscheint nicht auf der Anzeigetafel. Er glaubt an einen technischen Defekt, wendet sich an die Schiedsrichter. Was die ihm sagen, kann er kaum glauben: Emmons hat auf die falsche Scheibe geschossen! Der Traum von der Goldmedaille wird zum Albtraum, er rutscht vom ersten auf den letzten Platz zurück.

Ein Funktionär klärt den Schützen darüber auf, dass er auf die falsche Scheibe geschossen hat.
Ein Funktionär klärt den Schützen darüber auf, dass er auf die falsche Scheibe geschossen hat.
Bild: EPA

Wie ein Penalty ohne Goalie

Vier Jahre später will es Emmons besser machen. In Peking gehört der Amerikaner am 17. August 2008 erneut zu den Favoriten, und wieder liegt er im Dreistellungsmatch vor dem letzten Schuss in Front. Und wieder – man glaubt es kaum – verschiesst er einen Penalty ins leere Tor, um das Missgeschick für Nichtschützen bildlich zu machen.

Die maximal möglichen 10,9 benötigt er bei Weitem nicht, um sich den Sieg zu holen. Für Gold reicht eine bescheidene 7,7. Doch Emmons' Finger zuckt vor Nervosität im falschen Augenblick. Die Kugel schnellt zur Scheibe, es ist nur eine 4,4. Immerhin landet sie dieses Mal auf der eigenen Scheibe …

Emmons rutscht vom Podium, er wird undankbarer Vierter. Wieder tröstet ihn die Medaille im Kleinkaliberschiessen, nach Gold in Athen holt er vier Jahre später Silber in Peking.

Die Entscheidung in Peking: Wieder verhaut Emmons seinen letzten Schuss.

Amor trifft besser als Emmons

Der ganz grosse Trost für die tragischen Fehlschüsse ist indes Katerina Emmons. Die heisst 2004 noch Kurkova und ist eine Spitzenschützin aus Tschechien. Nach Emmons' Blackout in Athen versucht sie, ihren Sportkollegen wieder aufzurichten. Das gelingt ihr so gut, dass die beiden 2007 heiraten. Und als Matthew in Peking Gold wegwirft, wird dafür Katerina Olympiasiegerin mit dem Luftgewehr.

An seinen dritten Spielen, 2012 in London, komplettiert Emmons den olympischen Medaillensatz mit einer bronzenen Auszeichnung. Endlich steht er im vermaledeiten Dreistellungsmatch auf dem Podest. Selbstverständlich ist das nicht. Denn 2010 erkrankt er an Schilddrüsenkrebs, den er besiegen kann. Matthew Emmons, der Pechvogel, hat einmal mehr Glück gehabt.

2016 versucht sich Emmons in Rio ein weiteres Mal im Dreistellungsmatch an den Olympischen Spielen. Er scheitert diesmal als 19. aber schon deutlich in der Qualifikation. An seinem kompletten Medaillensatz und der Frau fürs Leben ändert dies jedoch nichts.

Manchmal viel Pech im Schiessstand, dafür Glück in der Liebe: Matthew und Katerina Emmons.
Manchmal viel Pech im Schiessstand, dafür Glück in der Liebe: Matthew und Katerina Emmons.
Bild: AP
Unvergessen
In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die kuriosesten Geschichten aus 120 Jahren Olympia

1 / 30
Die kuriosesten Geschichten aus 124 Jahren Olympia
quelle: ap / lionel cironneau
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Japanische Olympia-Heldin: Mit diesen Videos verblüfft die 13-Jährige auf Social-Media

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Einer der grössten Olympia-Skandale: Kenteris und Thanou und der mysteriöse Töff-Unfall

12. August 2004: Sie sind die grossen griechischen Hoffnungsträger für die Olympischen (Heim-)Spiele in Athen. Doch statt für Edelmetall sorgen die Sprinter Konstantinos Kenteris und Ekaterina Thanou am Tag vor der Eröffnungsfeier für einen der spektakulärsten Skandale der Olympia-Geschichte.

Sommer 2004: Ganz Griechenland freut sich auf die Rückkehr der Olympischen Spiele nach Athen. Kein Wunder: Schliesslich hat der Gastgeber auch ein paar heisse Medaillenanwärter in den eigenen Reihen. Unter anderem die beiden Sprinter Konstantinos Kenteris, Olympiasieger über 200 Meter in Sydney 2000, und Ekatarina Thanou, die in Sydney über 100 Meter Silber gewonnen hatte.

Natürlich wollen die beiden Trainingspartner erneut aufs Podest. Der Hype um die Hoffnungsträger, die in Griechenland …

Artikel lesen
Link zum Artikel