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Niki Lauda an der Pressekonferenz vor dem GP von Italien – 42 Tage nach seinem Horrorunfall.
Niki Lauda an der Pressekonferenz vor dem GP von Italien – 42 Tage nach seinem Horrorunfall.Bild: AP
Unvergessen

Niki Lauda überlebt 800-grädige Feuerhölle – und gibt 42 Tage später bereits sein Comeback

1. August 1976: Niki Lauda dominiert als Weltmeister die Formel-1-Saison. Doch beim GP auf dem Nürburgring, der als «grüne Hölle» bekannt ist, muss er durch die Feuerhölle und entkommt nur mit viel Glück dem Tod.
01.08.2021, 00:0030.07.2021, 14:09
Reto Fehr
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Niki Lauda, der akribische Arbeiter und Perfektionist, ist auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere. 1975 hat er erstmals die Formel-1-WM für sich entschieden. Auch in der neuen Saison scheint der Österreicher im zuverlässigen und schnellen Ferrari 312T nicht aufzuhalten zu sein. Von den ersten neun Rennen gewinnt er fünf und fährt nur einmal nicht aufs Podest. In der WM-Wertung liegt der 27-Jährige deutlich voraus. Jetzt steht der GP von Deutschland, der zehnte von 16 Grands Prix, auf dem Programm.

Die Bedingungen am Nürburgring sind denkbar schwierig. Bis kurz vor dem Start regnet es. Die Fahrer sind sowieso nicht glücklich mit der Austragung des GP auf dem Nürburgring, da sie – insbesondere auch Lauda – erhebliche Sicherheitsbedenken haben. Dies nicht zuletzt deshalb, weil zuvor der GP von Grossbritannien nach einem Unfall, Neustart und späterer Disqualifikation von James Hunt im Chaos endet.

Niki Lauda (r.) mit seinem härtesten Konkurrenten James Hunt vor dem entscheidenden Rennen 1976 in Japan.
Niki Lauda (r.) mit seinem härtesten Konkurrenten James Hunt vor dem entscheidenden Rennen 1976 in Japan.Bild: AP

Im Rennen dauert es nur bis zur zweiten Runde, als das Unglück geschieht. Niki Lauda verliert bei Tempo 220 in einer Linkskurve die Kontrolle über seinen Ferrari. Der Bolide bricht nach rechts aus, Lauda prallt gegen eine Felswand und wird im Auto zurück auf die Strecke geschleudert. Dort wird der lichterloh brennende Wagen auch noch von Brett Lunger gerammt. TV-Bilder gibt es keine, da der Streckenabschnitt nicht abgedeckt wird. Aufnahmen macht lediglich ein Zuschauer. Warum es zum Unfall kommt, wird nie endgültig geklärt. Man vermutet einen Bruch des rechten hinteren Längslenkers.

Die Konkurrenten halten an und versuchen dem Österreicher zu helfen. Doch Brett Lunger, Guy Edwards und Harald Ertl kommen nicht an das Cockpit heran. Fast 200 Liter Benzin sorgen für ein Flammeninferno, das bei bis zu 800 Grad lodert. Lauda muss gemäss unterschiedlichen Quellen 30 bis 50 Sekunden in der Feuerhölle aushalten. Sein Helm ist vom Kopf geflogen, er trägt einzig eine Kopfhaube, die zwar an einigen Stellen gegen Feuer schützt, aber nicht dort, wo eigentlich der Helm sitzen würde.

Der Unfall von Lauda 1976. TV-Kameras deckten den Streckenabschnitt nicht ab. Die Aufnahmen stammen von Zuschauern.Video: YouTube/saettabredin
«Rush»
Das Duell zwischen James Hunt und Niki Lauda im Jahr 1976 wurde mit dem – auch für Nicht-Formel-1-Fans sehr sehenswerten – Film «Rush» in Hollywood-Manier aufgearbeitet. Hier geht es zur offiziellen Webseite des Streifens.

Trailer zu «Rush»:

Unglaubliches Comeback 42 Tage später

Endlich kann sich mit Arturo Merzario einer der Konkurrenten zu Lauda herankämpfen. Er öffnet die Sitzgurte und zieht den Fahrer aus dem Ferrari. Merzario erinnert sich Jahre später an diese Augenblicke: «Als ich zum Auto lief, hörte ich Nikis Schreie. Als ich ankam, war er schon bewusstlos, hing leblos in den Gurten. Die waren von seinem verzweifelten Kampf gegen den Tod total verdreht. Als ich ihn frei bekam und rausziehen konnte, war er dann leicht wie eine Feder.»

«Als ich zum Auto lief, hörte ich Nikis Schreie. Als ich ankam, war er schon bewusstlos, hing leblos in den Gurten.»
Arturo Merzario

Lauda fällt im Spital ins Koma und kämpft vier Tage gegen den Tod. Die Überlebenschancen werden als gering taxiert. Neben üblen Verbrennungen erleidet er zwei Rippenbrüche und einen Jochbeinbruch. Schlimmer als die Verbrennungen ist seine verätzte Lunge, da der Pilot im Feuer giftige Gase eingeatmet hat.

Niki Lauda war bis zu seinem Tod im Jahr 2019 in der Formel 1 tätig.
Niki Lauda war bis zu seinem Tod im Jahr 2019 in der Formel 1 tätig.Bild: EPA

Doch Laudas unbändiger Wille bringt ihn zurück. Er erwacht aus dem Koma und kämpft sich auf wundersame Weise zurück. Nur 42 Tage nach dem Horror-Crash startet er zum GP von Italien in Monza. Ein Kopfverband, das seither typische weggebrannte rechte Ohr und Schwellungen zeugen noch von seinem Unfall. Selbst sein Team rechnet nicht mit einer so schnellen Rückkehr und hat bereits Carlos Reutemann als Ersatzfahrer gemeldet. Ferrari startet daher mit drei statt zwei Autos zum GP.

Nur zwei Rennen hat Lauda verpasst, seinen Heim-GP in Spielberg und den Grand Prix von Holland. Die Ärzte geben am Donnerstagabend grünes Licht, am Freitag sitzt der Österreicher im Cockpit. Doch die Angst holt ihn ein und er bricht die erste Fahrt ab. Das Rennen bestreitet er dann aber trotzdem und fährt den sensationellen 4. Rang hinaus.

Lauda mit Frau Birgit an der Premiere des Films «Rush».
Lauda mit Frau Birgit an der Premiere des Films «Rush».Bild: EPA

Lauda führt nach dem GP in Monza in der WM-Wertung noch immer mit 17 Zählern Vorsprung (Punkteverteilung: Die ersten sechs Plätze werden mit 9, 6, 4, 3, 2 und 1 Punkt belohnt). Er beendet den folgenden GP von Kanada auf Rang 8 und den GP der USA auf Platz 3. Da Konkurrent James Hunt zweimal gewinnt, liegt der Brite vor dem letzten Saisonrennen in Fuji nur noch drei Zähler hinter Lauda.

Lauda muss aufgeben

Am Renntag regnet es heftig und Nebel hängt über der Strecke. Nach Diskussionen entscheiden die Organisatoren das Rennen zu starten. Lauda tritt zwar an, fährt seinen Wagen aber nach der zweiten Runde in die Box und steigt aus. «Ich will mich nicht noch einmal umbringen», soll er den überraschten Mechanikern gesagt haben.

Er kann es nicht lassen: Lauda beim Legendenrennen 2014 vor dem GP von Österreich.
Er kann es nicht lassen: Lauda beim Legendenrennen 2014 vor dem GP von Österreich.Bild: EPA

Hunt braucht damit den 4. Rang zum WM-Titel. Obwohl er kurz vor Schluss noch einmal zurückfällt, überholt er in den letzten Runden wieder einige Konkurrenten und beendet das Rennen auf Rang 3. Dass er Weltmeister ist, weiss er zu Beginn aber nicht. Da die Funkverbindung nicht funktioniert und im Regen die Rennkommissare die Übersicht verloren haben.

Lauda holt sich den WM-Titel 1977 wieder zurück. 1984 wird er ein letztes Mal Weltmeister, 1985 tritt er zurück. Bereits 1979 gründet er als Unternehmer die Lauda Air, welche 2002 von den Austria Airlines übernommen wird. Lauda kehrt unter anderem als Berater in die Formel 1 zurück und besitzt bis zu seinem Tod im Mai 2019 Anteile am Mercedes-Team. Ausserdem lieh er seine Stimme «The King» im Disney-Pixar-Film «Cars», war als Experte bei RTL tätig und äusserte immer wieder seine kritische Meinung zur Königsklasse.

Unvergessen
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quelle: getty images north america / ben radford
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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Raffaele Merminod
01.08.2019 11:02registriert Februar 2014
"Da die Funkverbindung nicht funktioniert ..." 1976? Die hatten doch damals noch keine Funkverbindung?
Was im Artikel aber am Schluss noch fehlt, ist der Umstand das Lauda 1979 beim GP von Kanada zurückgetreten ist und 1982 einen Comeback gab der 2 Jahre später mit dem dritten Titel gekrönt wurde.
Er ist somit der einzige Weltmeister der nach seinem Comeback nochmals den Titel holte.
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Lore
01.08.2021 11:28registriert Januar 2019
😎
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Denis Malgin – der produktive Künstler schielt wieder in Richtung NHL
Denis Malgin knüpft an der WM in Finnland bislang nahtlos an seine starken Leistungen in den Playoffs an. Es würde nicht erstaunen, sollte er nochmals eine Chance in der NHL erhalten.

Es ist eine Augenweide, Denis Malgin zuschauen. Er gleitet scheinbar mühelos über das Eis und lässt seine Gegner reihenweise alt aussehen. Und viel wichtiger, er ist auch sehr produktiv. In den zu Ende gegangenen Playoffs der National League, in denen er mit den ZSC Lions seinen ersten Meistertitel nach einer 3:0-Führung nach Siegen im Final gegen Zug auf bittere Art und Weise verpasst hat, gelangen ihm nicht nur je neun Tore sowie Assists in 17 Partien, sondern zeichnete er für nicht weniger als fünf matchentscheidende Treffer verantwortlich. Zudem schoss er im Final zweimal das 1:0.

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