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Simon Ammann of Switzerland celebrates his gold medal winning jump after the K90 Individual ski jump at the 2002 Salt Lake City Winter Olympics in Park City, Utah, Sunday, Feb. 10, 2002.  (KEYSTONE/Karl Mathis)

Heraus mit der Freude: Simon Ammann hat die Sensation geschafft. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

Simon Ammann, der voll geile Harry Potter der Lüfte, wird erstmals Olympiasieger

10. Februar 2002: Die ganze Nation drückt einem kleinen Frechdachs die Daumen. Der Reporter fordert: «Flieg, Simi, fliiiieg!» Und der macht genau das: Simon Ammann segelt zu seinem ersten Olympiasieg.



Seine Geschichte beginnt in Unterwasser, einem kleinen Dorf fast zuoberst im Toggenburg. Hier ist Simon Ammann aufgewachsen. Einen Monat vor den Olympischen Spielen von Salt Lake City treffe ich den Skispringer und seine Familie nach der Vierschanzentournee. Die Gemeinde gibt ihm nach dem sechsten Gesamtrang einen kleinen Empfang. Anwesende Reporter: zwei. Niemand kann sich vorstellen, was hier in einigen Wochen los sein wird.

Simon Ammann lancierte seine Weltcupkarriere mit einem Paukenschlag. Dank Rang 15 in Oberstdorf, gleich beim ersten Einsatz auf der höchsten Stufe, qualifizierte sich der Bauernbub für die Olympischen Spiele von Nagano 1998. Der 16-Jährige staunte und lernte in Japan. Das «Abenteuer Olympia» und der Rummel um die fünf Ringe standen vor dem sportlichen Abschneiden. «Dass Salt Lake City nicht meine ersten Spiele waren, kam mir zugute», urteilt er im Rückblick.

Swiss Simon Ammann crashes during the training at the Muehlenkopf ski jump in Willingen, Friday January 11, 2002, where ski jumpers are training for the world cup events this weekend. Ammann escaped the crash unhurt.  (KEYSTONE/EPA PHOTO/DPA/MIGUEL VILLAGRAN)

Am 11. Januar stürzt Simon Ammann in Willingen. Bis zu den Olympischen Spielen kann er keinen Wettkampf mehr bestreiten. Bild: EPA DPA

Vom Bruchpilot zum Olympiasieger

Als am 10. Februar 2002 der Wettkampf auf der Normalschanze ansteht, zählt Simon Ammann zu den Anwärtern auf eine Medaille. Doch Gold traut ihm, der überhaupt noch nie ein Weltcupspringen gewinnen konnte, niemand zu. Nach vier Podestplätzen zu Beginn des Winters zeigt die Formkurve eher nach unten. Hinzu kommt ein Trainingssturz im deutschen Willingen, der für eine einmonatige Wettkampfpause vor den Olympischen Spielen sorgt.

Doch Ammann überrascht im Utah Olympic Park alle. Vor den favorisierten Sven Hannawald und Adam Malysz gewinnt er die Goldmedaille. Dabei traute man ihm, der als guter Flieger bekannt ist, eher Edelmetall auf der Grossschanze zu. Im Zielraum scheinen ihn seine Teamkollegen beinahe zu erdrücken vor überschwänglicher Freude.

Der Kleinste ist der Grösste: Sylvain Freiholz (links) und Andreas Küttel lassen Simon Ammann hochleben. Bild: AP

Was folgt, ist legendär: Das Interview mit dem Schweizer Fernsehen. Aus Ammann sprudelt unkontrolliert ein Gefühlsschwall heraus, von dem zwei Elemente haften bleiben: Sein Juchzer und sein «Voll geil!»-Schrei.

Wie aussergewöhnlich der Tag ist, zeigt das Ende des Gesprächs: Freudig umarmen sich der Skispringer und die TV-Legende Beni Thurnheer – gewissermassen stellvertretend für die ganze Schweiz, die den quirligen 20-Jährigen umgehend in ihr Herz schliesst. Thurnheer führt das Interview übrigens mit einem Mikrofon des finnischen Fernsehens; das Schweizer Fernsehen glaubte nicht an eine Medaille …

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Der Sprung, das Interview, die Feier: Simon Ammanns erster Olympiasieg im Rückblick. Video: YouTube/Schweizer Radio und Fernsehen

Schnapsleichen im Sternen?

«Gold-Simi» richtet auch seinen Toggenburger Landsleuten einen Gruss aus. Er scheint sie zu kennen, sagt schelmisch, er hoffe, es gebe nicht zu viele Schnapsleichen.

Da weiss er noch gar nicht, dass der Gemeindepräsident im Restaurant Sternen spontan eine Freinacht ausruft und obendrein gleich die erste Runde auf Kosten der Gemeinde offeriert. Noch selten dürfte ein politischer Entscheid derart beklatscht worden sein.

Aus dem privaten Fotoalbum der Familie Ammann: Mit der Hilfe seines Vaters Heiri macht der nachmalige Skispringer und Doppel-Olympiasieger Simon Ammann in Unterwasser im Toggeenburg erste Steh- und Fahrversuche auf Skis, undatierte Aufnahme. Simon Ammann hat bei den Olympischen Winterspielen von Salt Lake City 2002 als erster Schweizer in der Disziplin Skispringen auf der Normalschanze K90 und auf der Grosschanze K120 je eine Goldmedaille gewonnen. (KEYSTONE/TOGGENBURG TOURISMUS/Fotoalbum Ammann/Str)

Auch im Skispringen fallen Olympiasieger nicht einfach vom Himmel: Simon Ammann unternimmt mit Unterstützung von Vater Heiri die ersten Schritte auf Schnee. Bild: KEYSTONE TOGGENBURG TOURISMUS

«Also so cool war er in dem Moment sicher nicht!»

Keine Schnapsleichen trifft man in Simon Ammanns Elternhaus. Eine Stunde nach dem Goldsprung sitze ich am Küchentisch der Ammanns, führe kurze Interviews fürs Radio. Die bescheidenen Leute sagen es nicht, aber ihre Blicke verraten es: Sie platzen vor Stolz.

Dabei hat Vater Heiri den ersten Durchgang nicht einmal gesehen, weil er noch mit Melken beschäftigt war. Ammann wirke cool, habe der Fernsehreporter vor dem zweiten Sprung gesagt, zitiert ihn Heiri Ammann und lacht: «Also so cool war er in dem Moment sicher nicht!»

Mit dem Triumph auf der Grossschanze und seiner zweiten Goldmedaille wird Simon Ammann endgültig zum Superstar des Schweizer Sports. Mit dem silbernen Mantel der Schweizer Delegation sieht er bei den Medaillenfeiern aus wie der Zauberlehrling aus dem Film: «Harry Potter der Lüfte» wird er gerufen.

JAHRESRUECKBLICK 2002 - SPORT - OLYMPISCHE WINTERSPIELE, SIMON AMMANN, VEITSTANZ MIT DOPPELGOLD: Bewehrt mit seinen zwei Goldmedaillen, die er fuer seine Siege an der Grossen und der Kleinen Schanze erhielt, flankt der Schweizer Skispringer Simon Ammann am Mittwoch, 13. Februar 2002 in Salt Lake City nach der Medaillenzeremonie an den Olympischen Spielen 2002 ueber eine Absperrung. Ammann gewann am Mittwoch die Wettkampf an der 120 Meter-Schanze und am Sonntag davor jenen an der 90-Meter Schanze. (KEYSTONE/Alessandro della Valle) [KOLY114]

Simon Ammanns Sprung auf das Podest. Bild: KEYSTONE

Erst ausgelacht, dann Ehrenbürger

Bei seiner Rückkehr aus den USA steigt in Unterwasser das grösste Fest aller Zeiten. Die beiden Schwingerkönige Jörg Abderhalden und Nöldi Forrer tragen den Überflieger in die proppenvolle Tennishalle, die Begeisterung ist grenzenlos.

Hier kennt fast jeder Simi. In der Schule hätten ihn die anderen immer gehänselt und ausgelacht, erzählt mir eine seiner ehemaligen Klassenkameradinnen: «Du kleiner Skispringer, aus dir wird doch nie etwas», hätten sie gesagt. Simi habe dann jeweils bloss geantwortet: «Wartet nur ab, eines Tages zeige ich es euch.»

Im Rahmen der Sports Awards 2002 wurde Simon Ammann, links, von Ex-Skispringerlegende Walter Steiner, rechts, am Samstag, 14. Dezember2002, in Bern die Trophaee des Sportlers des Jahres 2002 uebergeben. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Aus den Händen von «Vogelmensch» Walter Steiner erhält Ammann die Auszeichnung zum Schweizer Sportler des Jahres 2002. Bild: KEYSTONE

Simon Ammann hat es ihnen gezeigt. Nicht nur ein Mal, nicht nur zwei Mal. Sondern in Vancouver 2010 noch ein drittes und ein viertes Mal mit Olympiagold. Mit den Weltmeistertiteln auf der Grossschanze 2007 und im Skifliegen 2010. Mit drei weiteren WM-Medaillen. Mit 23 Weltcupsiegen. Mit einem Sieg im Gesamtweltcup. Mit der zweimaligen Wahl zum Schweizer Sportler des Jahres (2002 und 2010).

Zuhause in Unterwasser lacht ihn schon lange niemand mehr aus. Dort ist Simon Ammann seit 2010 Ehrenbürger.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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Unvergessen

«Die nächste depperte Frog!» – Ösi-Fussballer gibt Reporter aufs Dach

27. Februar 2005: Nach einem 0:4 im Derby gegen den GAK ist Günther Neukirchner von Sturm Graz eh schon ziemlich angefressen. Und dann muss er auch noch diesem lästigen Reporter Red und Antwort stehen!

Der GAK ist amtierender österreichischer Meister und geht deshalb als Favorit ins 121. Grazer Derby. Eine Rolle, der er gerecht wird. Denn Sturm Graz ist chancenlos und geht 0:4 unter.

Das ist die Ausgangslage, als TV-Reporter Gerhard Krabath den Sturm-Spieler Günther Neukirchner nach dem Schlusspfiff zu sich bittet. Es entwickelt sich ein Dialog, der dank den Aussagen des Fussballers rasch Kult-Status erreicht.

Wie froh er denn sei, dass der Schiri endlich abgepfiffen habe, will Krabath wissen. …

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