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Der Blick über das Gelände der WM-Strecke, links die Zielgerade. Bild: watson

Warum die Radquer-WM auf dem flachen Flugplatz Dübendorf stattfindet

Am Wochenende findet in Dübendorf ZH die erste Radquer-WM in der Schweiz seit 25 Jahren statt. Der Austragungsort hat für Kritik gesorgt, ist das Gelände auf dem Flugplatz doch topfeben. Aber die Organisatoren wissen sich zu helfen.



Wer in der Schweiz an Radquer denkt, der hat Bilder wie dieses im Kopf:

Dieter Runkel am 29. Januar 1995 in Aktion bei der Rad Quer-Weltmeisterschaft in Eschenbach, Kanton St. Gallen. Runkel gewinnt das Rennen und wird Weltmeister. (KEYSTONE/Str)

Dieter Runkel unterwegs zum WM-Titel im berühmten Eschenbacher Steilhang. Bild: KEYSTONE

Die Schweiz mit ihren vielen Hügeln, Bergen und Wiesen scheint prädestiniert zu sein für die dynamische Sportart im Dreck. Deshalb sorgte die Wahl des WM-Austragungsortes für einige Kritik. Denn der Flugplatz Dübendorf ist – wenig verwunderlich bei seiner eigentlichen Bestimmung – topfeben. Aus den wenigen natürlichen Möglichkeiten für Höhenmeter das Maximum herauszuholen war die Aufgabe von Streckenchef Daniel Gysling.

Radquer-WM Dübendorf

Die tiefen Furchen eines Lastwagens zeigen, wie nass die WM-Wiese ist. Bild: watson

Ein Event nicht nur für Velofans

«Der Kurs führte zu einigen Diskussionen», gibt Markus Pfisterer zu. Der Geschäftsführer von Swiss Cycling und Co-Präsident des WM-Organisationskomitees erklärt, dass ein Anlass dieser Grössenordnung viel Platz für die gesamte Infrastruktur benötigt, für Zuschauer, für das Fernsehen.

«Wir wollen auch Leute erreichen, die vielleicht keine Hardcore-Velofans sind», führt Pfisterer aus. Deshalb findet beispielsweise während der WM auch ein Food Festival auf dem Gelände statt. «Hier in Dübendorf werden die verschiedenen Anforderungen ideal erfüllt», ist er überzeugt.

Radquer-WM Dübendorf

Die wenigen Erdwälle auf dem Flughafengelände müssen in jeder Rennrunde mehrmals befahren werden. Bild: watson

Aus Sicht des OKs finde die WM auf einem Kurs statt, der «ganz interessante Rennen ermöglichen wird. Die Fahrer, mit denen ich bis jetzt geredet habe, fanden den Kurs jedenfalls recht cool.» 3,2 Kilometer lang ist eine Runde.

Das ist die WM-Strecke:

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Video: YouTube/Kerry Werner

«Für mich ist der Kurs top»

Einer davon ist Kevin Kuhn. Der Zürcher Oberländer tritt als Gesamtweltcupsieger der U23-Kategorie an und gilt als grösste Schweizer Hoffnung auf eine Medaille. Die Kritik am Parcours könne er überhaupt nicht verstehen, sagt Kuhn. «Ich bin komplett anderer Meinung. So ist Radquer eben heute. In Belgien hat es auch Strecken, die topfeben sind, bei denen es sogar noch weniger hoch und runter geht als in Dübendorf, da sagt auch niemand etwas dagegen.»

Für den bald 22-jährigen Kuhn ist das Flughafen-Gelände der perfekte Ort für eine WM. «Es hat generell viel Platz und man hat auch genügend Hindernisse und Brücken aufgestellt. Für mich ist der Kurs top.»

Kurze, aber steile Rampen

Auch der Schweizer Nationaltrainer Bruno Diethelm mag nicht in den Kanon jener einstimmen, die über fehlende Hügel jammern. «Schlussendlich kann man alles kritisieren», meint Diethelm, «hätte es grosse Berge dabei, wäre das auch kritisiert worden. Ich bin davon überzeugt, dass es eine tolle Strecke ist.»

Radquer-WM Dübendorf

Weil es kaum natürliche Erhebungen gibt, wurden einige künstliche «Hügel» errichtet. Bild: watson

Diethelm erinnert an die letzten EM- und WM-Rennen, die tendenziell auch auf eher flachen Kursen ausgetragen wurden. «Alle diese Rennen waren extrem spannend.» Darauf kommt es aus Zuschauersicht ja letztlich auch an: Dass der Kampf um Sieg und Medaillen bis zuletzt offen bleibt. Diethelm sagt, man habe aus den gegebenen Umständen in Dübendorf viel herausgeholt. «Die kleinen Rampen sind ziemlich tricky und auch sehr steil. Wenn man in einer Gruppe dahin kommt und einer einen Fehler macht, dann kommt da keiner hoch, weil sie absteigen müssen. Sofort entsteht ein Loch, das man wieder zufahren muss.»

Radquer-WM Dübendorf

Berge gibt es nur als Hintergrundkulisse. Bild: watson

Kaum ein Mangel an Schlamm

Verbands-CEO Pfisterer sagt zwei Tage vor dem ersten Rennen, man sei sehr, sehr guter Dinge. Die Vorverkaufszahlen stimmten, man rechne mit knapp 20'000 Zuschauern an beiden WM-Tagen zusammen. «Aber mehr Fans nehmen wir natürlich gerne.» Nicht nur Schweizer Anhänger werden erwartet, aus Belgien und Holland haben sich einige Cars mit Schlachtenbummlern angemeldet.

Cyclocross-WM in Dübendorf

Samstag, 1. Februar:
11.00 U19 Frauen
13.00 U23 Männer
15.00 Elite Frauen

Sonntag, 2. Februar:
11.00 U19 Männer
13.00 U23 Frauen
14.30 Elite Männer

Tickets an der Tageskasse.

Ihnen allen dürfte es ähnlich gehen wie Markus Pfisterer, der sagt: «Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nur alle drei Tage auf den Wetterbericht schaue. In Tat und Wahrheit mache ich es alle drei, vier Stunden.» Es wird wohl mild sein in Dübendorf, zwischendurch fällt vermutlich Regen. Es ist also angerichtet für ein Schlammfestival, an dem Bilder produziert werden, die an früher erinnern – auch wenn es keinen dreckigen Steilhang gibt.

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Ab in den Dreck – Radquer-Fahrer im Vorher/Nachher-Vergleich

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