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Clarke gewinnt spektakuläre Pavé-Etappe – van Aert verteidigt Leadertrikot

Simon Clarke gewinnt die äusserst ereignisreiche 5. Etappe der Tour de France von Lille nach Arenberg. Derweil wird mit Primoz Roglic einer der Mitfavoriten auf den Gesamtsieg zurückgebunden.
06.07.2022, 17:3706.07.2022, 21:44

Die mit Spannung erwartete 5. Etappe dieser Frankreich-Rundfahrt war zwar nur eine Mini-Ausgabe von Paris-Roubaix, der Königin aller Klassiker. Dies genügte jedoch, um das Peloton kräftig durchzuschütteln. Die Befürchtung, nach den elf Kopfsteinpflaster-Passagen könnte im Gesamtklassement aufgrund von Stürzen und Defekten kein Stein auf dem anderen bleiben, bewahrheitete sich zwar nicht. Das zwischenzeitlich im Chaos total aufgesplittete Feld mit den meisten Favoriten auf den Gesamtsieg fand in der Schlussphase des über dreistündigen Ritts letztlich wieder zusammen.

Simon Clarke erwies sich über 20 Kilometer letztlich als der Stärkste einer ursprünglich sechs Fahrer grossen Ausreissergruppe. Der Australier setzte sich nach kräftezehrenden 157 km im Sprint einer Vierergruppe hauchdünn vor dem Niederländer Taco van der Hoorn durch.

Nicht nur für den 35-Jährigen aus Melbourne, der 2012 und 2018 bereits eine Etappe der Vuelta für sich entschieden hatte, war es der erste Tagessieg bei der «Grand Boucle», sondern auch für sein Team Israel-Premier Tech um den vierfachen Tour-Sieger Chris Froome.

Van Aert kämpft sich zurück

In der Gesamtwertung kam es in dieser spektakulären Etappe zu keinem Leaderwechsel, obwohl es lange danach aussah. Wout van Aert gelang es trotz eines frühen Sturzes, noch bevor der erste von insgesamt elf Pavé-Abschnitten befahren wurde, seine Maillot jaune nach einer erneut starken Leistung zu verteidigen.

Der Belgier erreichte das Ziel 1:04 Minuten hinter dem Sieger mit dem grossen Feld und liegt nun 13 Sekunden vor dem Amerikaner Neilson Powless respektive 14 Sekunden vor dem Norweger Edvald Boasson Hagen, den Tages-Vierten und -Dritten.

Pogacar stark, Roglic zurückgebunden

Dahinter folgt mit einem Rückstand von 19 Sekunden bereits Tadej Pogacar. Der zweifache Titelverteidiger aus Slowenien, der im Gegensatz zu vielen anderen Fahrern ohne Zwischenfall durchkam und in der Schlussphase das Heil in der Offensive suchte, klassierte sich mit 51 Sekunden Rückstand als Etappen-Siebenter und holte damit wertvolle Zeit auf seine Konkurrenten heraus.

Tadej Pogacar kam ohne Zwischenfall durch.
Tadej Pogacar kam ohne Zwischenfall durch.Bild: keystone

Primoz Roglic: Schulter ausgekugelt

Während Titelverteidiger Tadej Pogacar auf der Pavé-Etappe seine Rolle als Topfavorit dieser Tour de France unterstreicht, erleidet dessen Antipode Primoz Roglic vom Team Jumbo-Visma bei einem Sturz Schiffbruch.

Der Teamkollege von Van Aert büsste nach einem Sturz fast zwei Minuten auf die anderen Anwärter auf den Gesamtsieg ein. In der Gesamtwertung liegt Roglic, 2020 Gesamtzweiter der Frankreich-Rundfahrt, als 44. bereits über zweieinhalb Minuten zurück.

Roglic wurde am Ausgang eines Kreisverkehrs von einer zur Absperrung gedachten Heuballe überrascht, die kurz zuvor offenbar von einem Begleitmotorrad touchiert worden war. Während der Thurgauer Stefan Küng und die nach ihm folgenden Fahrer allesamt ausweichen konnten, erwischte es Roglic voll. Dabei kugelte sich der dreifache Vuelta-Sieger die Schulter aus, die er nach eigenen Angaben selber wieder fixierte, nachdem er sich auf einen Stuhl eines Zuschauers gesetzt hatte.

Stürze sind in Roglics Laufbahn keine Seltenheit. Beim Skispringen hatte der frühere Juniorenweltmeister einst einen schweren Unfall erlitten. Auch in der Welt des Radsports ist er schon mehrfach auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Letztes Jahr bedeuteten für den Tour-Zweiten von 2020 zwei Stürze bereits in der ersten Tour-Woche das Aus. Ob es für ihn am Donnerstag weitergeht, ist unklar.

Als bester Schweizer belegte Stefan Küng am Mittwoch den 57. Platz. Der diesjährige Dritte von Paris-Roubaix pilotierte seinen Teamleader David Gaudu gekonnt über die Pavés, sodass der schmächtige Franzose im Dress von Groupama-FDJ schadlos in Ziel kam. Derweil liess Küng nach getaner Arbeit auf den letzten Kilometern abreissen. Der Thurgauer fiel in der Gesamtwertung vom 9. in den 35. Rang zurück.

Vingegaard dank Van Aerts Hilfe

Beinahe hätte für Roglics Team Jumbo-Visma, die vermeidlich stärkste Equipe dieser Tour, der Tag in einer grossen Katastrophe geendet. Nach einem Defekt war mit Jonas Vingegaard auch der zweite Teamcaptain früh in Schwierigkeiten geraten. Nur dank der Hilfe von Teamkollege Wout van Aert, der sich im gelben Leadertrikot voll in den Dienst des jungen Dänen stellte, schaffte der letztjährige Gesamtzweite am Ende den Anschluss wieder.

Van Aert seinerseits war der Auslöser eines chaotischen Tages gewesen, als er und sein Teamkollege Steven Kruijswijk bereits früh im Rennen nach einer Kollision zu Boden gehen mussten. Bei der Fahrt durch den Autokonvoi zurück ins Feld konnte der Belgier anschliessend nur ganz knapp ein Zusammenprall mit einem Teamfahrzeug verhindern. Letztlich nahm mit der Verteidigung der Führung im Gesamtklassement der Tag für ihn aber dennoch ein versöhnliches Ende.

Zwei Sturzopfer müssen aufgeben und Abstecher nach Belgien

Für Jack Haig und Michael Gogl ist die 109. Tour de France nach Stürzen in der spektakulären 5. Etappe vorzeitig zu Ende. Wie seine Mannschaft Alpecin-Deceuninck bekannt gab, zog sich der Österreicher Gogl einen Schlüsselbeinbruch sowie einen weiteren Bruch am Beckenknochen zu. Der Teamkollege des Aargauers Silvan Dillier wird im Spital von Herentals in Belgien operiert.

Haig, einer von zwei Leadern im Team Bahrain-Victorious und Gesamtdritter der letztjährigen Vuelta, erlitt eine Wunde am linken Ellenbogen und eine Verletzung am Rücken. Der Australier war bereits im letzten Jahr während der 3. Etappe gestürzt und hatte sich dabei einen Schlüsselbeinbruch zugezogen.

In der 6. Etappe vom Donnerstag dürfte es wieder etwas ruhiger werden. Das Teilstück, das mit dem ständigen Auf und Ab einer typischen Classique ähnelt, führt über 220 km von Binche in Belgien südwärts nach Longwy. Die Ankunft in der französischen Kleinstadt ist auch wegen der 2 km langen Schlussrampe nicht für die reinen Sprinter geeignet.

(yam/abu/sda)

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