Spieler verlassen Feld, Panenka-Fail, Tumulte – irre Szenen im Afrika-Cup-Final
Unfassbare Szenen im Finale des Afrika-Cups: Beim Duell zwischen Marokko und dem Senegal ist es kurz vor Ende der Partie zu einem Eklat gekommen. Die Mannschaft des Senegal verliess nach Aufforderung ihres Trainers Pape Thiaw geschlossen das Spielfeld, kehrte erst nach gut zehn Minuten auf den Rasen zurück.
Was war passiert? In der zweiten Minute der Nachspielzeit traf der Senegal im Stade Prince Moulay Abdallahzum in Rabat zum vermeintlichen Siegtreffer. Der ehemalige Bundesliga-Profi Moussa Niakhaté brachte den Ball nach einer Ecke zum späten 1:0 im Tor unter. Doch Schiedsrichter Jean-Jacques Ndala hatte zuvor bereits angepfiffen, wollte ein Foul von Abdoulaye Seck an Marokkos Achraf Hakimi erkannt haben – eine überaus harte Entscheidung, welche die Gemüter der Senegalesen sichtbar erhitzte.
Kurz darauf stand der Referee erneut im Mittelpunkt. Marokkos Brahim Díaz war nach einem kurzen Halten von El Hadji Malick Diouf im Strafraum zu Boden gegangen. Nach einem Hinweis durch den Video Assistent Referee (VAR) ging Ndala an den Bildschirm, um sich die Szene noch einmal anzuschauen. Dabei wurde der Schiedsrichter massiv von den senegalesischen Spielern bedrängt, musste abgeschirmt werden und entschied zum Entsetzen der Westafrikaner tatsächlich auf Elfmeter.
Es kommt zu Tumulten auf, aber auch neben dem Feld. Senegalesische Fans flippen auf der Tribüne aus und attackieren Sicherheitskräfte. Nur mit Ach und Krach gelingt es diesen, die Lage einigermassen unter Kontrolle zu bringen.
Die ausserordentliche Empörung dürfte auch damit begründet sein, dass es bereits während des Turniers zu Vorwürfen an die Schiedsrichter kam, dass diese Gastgeber Marokko vorteilhaft behandeln würden.
Irre Szenen: Senegals Team verschwindet in den Katakomben
Zur Ausführung des Strafstosses kam es dann zunächst tatsächlich nicht. Denn: Auch die senegalesische Mannschaft war ausser sich vor Wut, konnte die Entscheidung des Unparteiischen nicht nachvollziehen. Auf dem Platz diskutierten die Akteure beider Teams vehement miteinander.
Auch zwischen Feld und Tribünde wurde es hektisch. An der Seitenlinie diskutierten Marokko-Coach Walid Regragui und Senegals Trainer Pape Thiaw eindringlich aufeinander ein. Dann beorderte der 44-jährige Ex-Nationalspieler seine Mannschaft zu sich, wedelte dabei wild mit den Armen. Das Team folgte den Anweisungen seines Trainers. Wenige Momente später verschwand ein Grossteil der senegalesischen Auswahl gar in den Katakomben der Arena.
Ex-Liverpool- und Bayern-Star Sadio Mané beorderte seine Mitspieler jedoch im Anschluss zurück auf den Platz. Nach einer rund zehnminütigen Unterbrechung ging es dann aber doch weiter. Die Entscheidung des Schiedsrichters auf Elfmeter blieb bestehen. Doch der Wahnsinn war längst nicht vorüber.
Díaz scheitert – Gueye schiesst den Senegal zum Titel
Díaz trat für Marokko zum Strafstoss an. Anstatt den Ball wuchtig ins Tor zu befördern und damit die Entscheidung herbeizuführen, entschied sich der Profi von Real Madrid jedoch für einen légèren Lupfer, einen Panenka, in die Mitte des Gehäuses. Das Problem: Senegal-Torwart Édouard Mendy hat es gerochen und war stehen geblieben – er fing den Ball mühelos.
An der Seitenlinie schüttelte Trainer Thiaw nur ungläubig den Kopf, schmunzelte ob des aberwitzigen Fehlschusses. Díaz musste von seinen Kollegen getröstet werden.
Es ging also in die Verlängerung – und in dieser setzte dann der Senegal den ersten und entscheidenden Stich. Pape Gueye schockte Marokko in der 94. Minute mit einem traumhaften Abschluss in den rechten Winkel. Es sollte das einzige Tor an diesem Abend bleiben.
Senegal sicherte sich dadurch nach 2022 zum zweiten Mal den Titel beim Afrika-Cup und stürzte den Gastgeber ins Tal der Tränen – nach einem völlig verrückten Finalspiel. (t-online/con)
