«What the f***?!» – Jon Stewart vergleicht tödlichen ICE-Vorfall mit Sturm aufs Kapitol
In den USA überschlagen sich die Ereignisse seit dem Jahreswechsel – sowohl aussen- als auch innenpolitisch. US-Präsident Donald Trump und seine Regierung sorgen für Schlagzeilen. So sehr, dass sich Late-Night-Moderator Jon Stewart in seiner Sendung «The Daily Show» am 12. Januar fragte:
In einem Segment kam der Comedian auf den Vorfall in Minneapolis zu sprechen, bei dem am 7. Januar eine Zivilistin von einem Agenten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE erschossen wurde.
Stewart stellte einen Vergleich zum 6. Januar 2021 an. Damals stürmten MAGA-Fans das Kapitol in Washington, D.C., weil sie glaubten, Donald Trump habe die Präsidentschaftswahl wegen Betrugs verloren. Anhand von Medienberichten und Zitaten zeigt Stewart auf, welches Narrativ sich Trump und seine Anhängerinnen und Anhänger damals zurechtgelegt haben. Und was sie nun – genau fünf Jahre und einen Tag später – zur Tötung von Renee Nicole Good sagen:
Trump und MAGA haben mit ihrer Auslegung des 6. Januars eigentlich einen Präzedenzfall für die ICE-Erschiessung in Minneapolis geschaffen, so Stewart. So könnte man das gleiche Wertebild auf beide Fälle anwenden und müsste dann zum gleichen Schluss kommen. Tatsächlich könnten ihre Darstellungen der beiden Fälle jedoch nicht gegensätzlicher sein.
Das zeigt: Trump und MAGA konstruieren sich ihre Narrative, legen Fakten willkürlich so aus, dass sie im Recht sind. Zu diesem Schluss kommt Stewart in seiner Analyse.
Laut Stewart befinden sich die USA bereits in einem post-rechtsstaatlichen Zeitalter, in dem die Institutionen effektiv ausser Gefecht sind. Analog antwortete Trump kürzlich auf die Frage der New York Times, wer ihn noch aufhalten könne, mit: «Nur meine Moral.»
Stewart kommt zum Schluss: Wer sich auf die Seite von Donald Trump schlägt, kann sich aktuell alles erlauben und wird seine unerschütterliche Unterstützung geniessen, solange er in dessen Namen handelt. Für alle anderen hingegen sehe es düster aus, sei es für die Menschen in demokratischen Bundesstaaten oder für kleine souveräne Nationen, deren Ressourcen Trump gerne hätte.
Eine riskante Wette
Abschliessend bedient sich Stewart einer Metapher: Trumps Anhängerinnen und Anhänger hätten eine Wette abgeschlossen. Sie würden darauf spekulieren, dass sich die USA mittels erzwungener Fügsamkeit und Nötigung besser entwickeln würden als mit internationaler Zusammenarbeit und gemeinsamem Konsens.
Laut dem Late-Night-Moderator dürfte sich diese Wette aber als riskant erweisen. Er habe nämlich irgendwo gelesen, dass «die Menschen ihrem Schöpfer mit bestimmten unveräusserlichen Rechten» ausgestattet worden seien. Stewart spielt dabei auf die Unabhängigkeitserklärung der USA an. (lzo)
