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Afrika-Cup

Transportmöglichkeiten am Afrika-Cup 2025 in Marokko

Afrika-Cup 2025 Marokko
Im schnellsten Zug Afrikas.Bild: Reto Fehr

Im schnellsten Zug Afrikas

Zum sechsten Mal besuche ich den Afrika-Cup vor Ort. Erstmals bereise ich dafür ein Land nördlich der Sahara: Marokko. Wie so oft ist auch dieses Mal die Transportfrage eine wichtige. Und ich staune bei drei für mich neuen Erfahrungen zweimal.
10.01.2026, 08:3910.01.2026, 14:26

Dieses Mal ist alles etwas anders. Normalerweise besuchte ich die ersten Tage des Afrika-Cups. Aufgrund der Spieldaten entscheide ich mich dieses Mal für die Achtelfinals. In fünf Tagen vier Städte und ich sehe fünf Partien in fünf Stadien. Das bedeutet auch: viel reisen. Und reisen am Afrika-Cup, das ist immer ein Erlebnis.

Ich habe in den letzten Jahren schon alles erlebt zwischen Sammeltaxi, dem das Benzin ausging, und Gratisflügen. Dieses Mal kommen neue Möglichkeiten dazu: Mietauto, Zug und eine Taxi-App, die sich irgendwo in der Grauzone bewegt.

Afrika-Cup 2025 Marokko
Mietauto ist super. Das Wetter während des Grossteils meines Aufenthalts weniger.Bild: Reto Fehr

Zum Mietauto kam ich dank zwei Kollegen, welche den Afrika-Cup seit Jahren besuchen. Die beiden Schweizer hatten eine ähnliche Route wie ich im Sinn und mieteten ein Auto. Ich durfte da während der ersten Tage mitfahren. Eine Luxusvariante. Mit den heutigen Navigations-Apps ist die Routenwahl kaum mehr ein Problem. Der afrikanische Stadtverkehr ist auch in Marokko herausfordernd, aber könnte auch wilder sein. Und unser Fahrer schlägt sich schon fast wie ein Einheimischer. Easy.

watson am Afrika-Cup
Der Afrika-Cup ist das Pendant zur Fussball-Europameisterschaft. Der König Afrikas wurde bisher (normalerweise) alle zwei Jahre gekrönt. Oft fand das Turnier im Januar statt. Wegen immer komplizierterer Spielplankonstellationen findet es dieses Mal erstmals vom 21. Dezember bis 18. Januar statt. Für mich ist der Anlass eines der letzten grossen Turniere für Fussball-Romantiker (auch wenn dies auch immer mehr bröckelt). Marokko ist mein sechstes Turnier, das ich live miterlebe. Hier berichte ich weniger vom Sportlichen als vielmehr vom Erlebnis.

In Fès trennen sich aber unsere Wege. Sie fahren nach Marrakesch, ich via Rabat nach Casablanca. Hast du gewusst, dass das Zugnetz in Marokko ziemlich gut ist zwischen den grossen Städten? Ich nicht. Aber jetzt wird's getestet. Zwischen Fès und Rabat fährt ein Fernzug mit einigen Stopps.

Afrika-Cup 2025 Marokko
Am Bahnhof in Fès.Bild: Reto Fehr

Im Internet kann man Tickets online lösen. Normalerweise zumindest. Bei mir geht die Zahlung nicht – und mein Kreditkarten-Unternehmen sperrt sogleich meine Karte. Die Gastgeberin in meinem Riad (Unterkunft) sagt, das sei schon vielen ausländischen Gästen passiert. Ich solle einfach am Bahnhof ein Ticket lösen. Platz habe es schon.

Afrika-Cup 2025 Marokko
Das hatte ich lange nicht mehr: ein ausgedrucktes Zugbillett, bezahlt in bar.Bild: Reto Fehr

Tatsächlich löse ich am Schalter problemlos eine Fahrkarte. Die Sitze sind nummeriert. Aber weil der Zug praktisch leer ist, setze ich mich irgendwo hin. Das machen viele Mitreisende auch so, die später zusteigen. Kurz vor Rabat ist der Wagen praktisch voll und jetzt bestehen einige Gäste auf ihr gutes Recht und ihren Platz.

Ich – und viele andere – werde darum während der dreistündigen Fahrt dreimal einen neuen Platz suchen müssen. Der Komfort in der 2. Klasse ist aber insgesamt gut. Nicht ganz wie die SBB, aber sicher nicht schlechter als in anderen europäischen Ländern.

Afrika-Cup 2025 Marokko
Im Fernverkehrszug zwischen Fès und Rabat.Bild: Reto Fehr

Highlight wird dann die Fahrt zwischen Rabat und Casablanca. Hier fährt Al Boraq (der Blitz). Seines Zeichens der schnellste Zug Afrikas. Auf der Basis eines TGV Duplex donnert dieser seit 2018 mit bis zu 320 Stundenkilometern von Tanger via Rabat nach Casablanca. Mein Teilstück dauert nur gut 50 Minuten.

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Das ist er: Al Boraq, der schnellste Zug Afrikas.Bild: Reto Fehr

Ich gönne mir die 1. Klasse. Zehn Franken habe ich schon dümmer ausgegeben. Und die 1. Klasse hält, was ich mir erhofft habe. Am Bahnhof darf ich in die Boraq-Lounge, wo ich mich gratis verpflegen kann.

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Die Al-Boraq-Lounge am Agdal-Bahnhof in Rabat.Bild: Reto Fehr

Das Ticket wird schon vor Betreten des Perrons geprüft. Im Zug gibt's elektrisch verstellbare, breite Sessel, Beinfreiheit, Strom, grosse Tische, Restaurantwagen. Schade, endet die Fahrt so schnell.

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Im Bordrestaurant.Bild: Reto Fehr

Weil ich spätabends unterwegs bin, suche ich mir in Casablanca ein Taxi, um zur Unterkunft zu kommen. Wobei: Ich suche nicht wirklich, ich werde gefunden. Ein Taxifahrer kommt auf mich zu. Ich habe viel gehört und gelesen vom Feilschen um Preise mit den Taxifahrern. Darum ist meine erste Frage natürlich nach dem Preis.

«Un million», lacht der Taxifahrer.

«Sehr gut, ich hätte auch zwei bezahlt», antworte ich. Wir lachen und laufen Richtung sein Wagen. Jetzt wird die Verhandlung ernster.

Er: «100 Dirham.» (rund 10 Franken)
Ich: «Dann gehe ich zu Fuss.»
Er: «Sag einen Preis.»
Ich: «40.»
Er: «80.»
Ich behaupte: «Ich kenne die Preise, ich war schon öfters hier. Das ist viel zu viel.»
Er: «Es gibt einen Nachtzuschlag, aber für dich 60.»
Ich ziehe einen zerknüllten 50-Dirham-Schein aus dem Hosensack: «Das ist alles, was ich bar habe.»
Er: «Okay, steig ein.»
Vermutlich ist's wie so oft: Wir haben beide gerade ein einigermassen gutes Geschäft gemacht.

Diese «normalen» Taxis sind nur eine Möglichkeit. Viel öfter sieht man in Marokko die «Petit Taxis». Dies sind die Sammeltaxis. Du hast den Wagen da nicht für dich, sondern wenn jemand auch unterwegs in die gleiche Richtung muss, kann diese Person auch noch einsteigen.

Afrika-Cup 2025 Marokko
Ein typisches «Petit Taxi».Bild: Reto Fehr

Ich nehme so eines von Rabat ins Stadion. Bald steigt eine ältere Dame dazu. Natürlich fragt sie mich nach meiner Herkunft. Als ich «Schweiz» sage, erwähnt sie sofort das Unglück von Crans-Montana. Es sei auch bei ihnen gross in den News gewesen.

Afrika-Cup 2025 Marokko
Bis zu sechs Personen nimmt dieses Shared-Taxi mit.Bild: Reto Fehr

Die Gespräche in diesen Sammeltaxis können aber auch sehr viel positiver und witzig verlaufen. Insbesondere, wenn die Mitfahrer ähnlich gut Französisch sprechen wie ich Arabisch. So ein Erlebnis werde ich auch noch haben. Und zwar dank einer App, die sich irgendwo in der Grauzone bewegt: InDrive.

Uber und Co. gibt es in Marokko nicht. Dafür eben InDrive, das ähnlich funktioniert. Einer der Haken dabei: Die App ist nicht (ganz) legal. Also eigentlich ist sie nicht legal. Die Regierung hat die App nicht bewilligt. Aber benutzt wird sie gefühlt überall. Das Unternehmen selbst behauptet, Steuern zu bezahlen und legal zu handeln. Ich gehe dem nicht genauer nach.

Afrika-Cup 2025 Marokko
Zwei Fahrer schauen mein Angebot auf InDrive gerade an.Bild: reto fehr, screenshot indrive

Aber selbst die InDrive-Fahrer sind vorsichtig. Ich habe verschiedene Geschichten gehört. Sie lassen dich an belebten Orten gerne etwas abseits aussteigen, nicht dass die omnipräsente Polizei sie sieht. Du sitzt grundsätzlich auch vorne, damit es auf den ersten Blick wie ein Freundes-Transport aussieht.

So war's vor zwei Jahren in der Elfenbeinküste:

Einmal sagt mir ein Fahrer auch ab, als er beim Treffpunkt (wohl) an mir vorbeifährt: «Zu viel Polizei da.» Wir versuchen InDrive einige Male zu nutzen. Zu einer Fahrt kommt es aber nur einmal. Doch erst noch kurz, wie die App funktioniert.

Afrika-cup 2025 Marokko
Bald ist mein Fahrer da.Bild: reto fehr, screenshot indrive

Du gibst dein Ziel ein und es wird dir ein Preis vorgeschlagen. Akzeptierst du den, schauen sich die Fahrer deine Anfrage an und nehmen sie an oder klicken sie weg. Beisst niemand an, kannst du den Preis Dirham um Dirham erhöhen. Irgendwann sagt einer zu. Oder er macht dir ein Gegenangebot. So ein bisschen Basar per App.

Afrika-Cup: Viertelfinals
Am Freitag:
Mali – Senegal 0:1
Kamerun – Marokko 0:2
Am Samstag:
17 Uhr: Algerien – Nigeria
20 Uhr: Ägypten – Elfenbeinküste
Halbfinal:
14. Januar: Senegal – Ägypten/Elfenbeinküste
15. Januar: Marokko – Algerien/Nigeria
Final:
18. Januar

Was auch auffällt: Du musst dich mit Foto registrieren. Und wenn die Fahrer da blaue Augen und helle Haut sehen, dann dürfte der Preis grundsätzlich etwas ansteigen. Wobei: Meist geht es um kleine Franken-Beträge. Für uns kaum der Rede wert. Wie privilegiert wir sind, merken wir in Fès nach einem Restaurantbesuch. Wir sind die einzigen Gäste und fragen die Mitarbeiterin, wie wir drei am besten zum Stadion kommen. «Mit InDrive für rund 25 bis 30 Dirham», antwortet sie.

Weil wir keinen Fahrer für 30 Dirham (rund 3 Franken) finden, erhöhen wir auf 40 und kurz darauf auf 50. Immer noch kein Erfolg. Die Zeit drängt langsam, darum erhöhen wir auf 70 (rund 7 Franken). Immer noch nichts. Wir schauen uns an. «Ach komm, auf die 3 Franken kommt es auch nicht an, wir erhöhen auf 100 Dirham», sagen wir uns.

Afrika-Cup 2025 Marokko
Mit dem Mietauto einfach zu erreichen: das Küstenstädtchen Assilah.Bild: Reto Fehr

Jetzt finden wir einen Fahrer. Wie so oft ruft er sogleich an und will den genauen Treffpunkt besprechen. Wir teilen der Restaurant-Mitarbeiterin freudig mit, dass wir jemanden gefunden haben – und ob sie auf Arabisch mit ihm telefonieren könne. Sie willigt ein, aber als sie den Preis sieht, erleidet sie fast einen Schock. «100 Dirham!?! Lehnt den Anruf ab, sagt ihm ab, ich organisiere euch einen Freund, der fährt.» Wir folgen ihrem Ratschlag.

Wir verstehen nicht, was sie am Telefon ihrem Freund genau erzählt. Aber auch ohne grosse Arabisch-Kenntnisse ist klar, es geht in die Richtung: «Hier sitzen drei Touristen, die bezahlen einen Mondpreis.» Der Freund sagt zu: Er fahre für 70 Dirham. Allerdings kommt er dann doch nicht innert nützlicher Frist. Es habe einen Unfall gegeben, sagt die Mitarbeiterin. Aber sie suche mit uns auf der Strasse ein Taxi. Am Ende schaffen wir es so knapp auf den Anpfiff ins Stadion. Für 50 Dirham.

Afrika-Cup 2025 Marokko
Beim Kap Spartel, dem nordwestlichsten Punkt Afrikas. Auch hier kommst du mit InDrive problemlos hin.Bild: Reto Fehr

InDrive hat also wieder nicht zum Erfolg geführt. Aber wie erwähnt, wird es mir einmal gelingen. Nämlich auf der Fahrt vom Stadion zum Bahnhof in Rabat. Ich entferne mich dieses Mal etwas vom Rummel für den Treffpunkt. Der Fahrer ist freundlich. Aber viel mehr Französisch als ich Arabisch kann er auch nicht. Die Konversation ist lustig, aber schwierig. Immerhin kann ich ihm erklären, dass ich aus der Schweiz komme. Da sagt er: «Ruf Infantino an. Sag ihm, er solle nicht nur Stadien bauen, sondern auch den Leuten Geld geben.» 100 Meter vor dem Bahnhof lässt er mich in einer Seitenstrasse aussteigen.

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39 Kommentare
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Au-Oh
10.01.2026 10:19registriert Januar 2026
Danke für diesen interessanten und lesenswerten Bericht!
Einfach wieder Mal was anderes als die sonstige Nachrichtenflut.
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_zauberlehrling
10.01.2026 09:13registriert April 2018
Mehr davon!
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sherlock87
10.01.2026 09:01registriert April 2024
Wollte in Vavunya Sri Lanka um 3 Uhr morgens auch ein Ticket lösen, auch die Karte gesperrt worden. Der Schalter ging genau 20 Min vor der Abfahrt auf und ich erhielt noch ein wertiges Kartonbillet.
Im schnellsten Zug Afrikas\nWollte in Vavunya Sri Lanka um 3 Uhr morgens auch ein Ticket lösen, auch die Karte gesperrt worden. Der Schalter ging genau 20 Min vor der Abfahrt auf und ich erhielt noch  ...
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