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Olympia 2026: Bobpilotin Melanie Hasler träumt von einer Medaille

Die Schweizer Bob-Pilotin Melanie Hasler posiert dem Fotografen anlaesslich eines Medientermins im Sportleistungszentrum OYM in Cham am Freitag, 16. Januar 2026. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Melanie Hasler träumt an den Olympischen Spielen von einer Medaille. Bild: keystone

Hasler ist kein Wintermensch – trotzdem träumt sie im Eiskanal von einer Olympiamedaille

Die Bob-Pilotin Melanie Hasler geniesst nach ihren zwei EM-Titeln in St. Moritz ein paar ruhige Tage, ehe es an die Olympischen Spiele in Italien geht. Die Aargauerin träumt von einer Medaille und verblüfft mit einem überraschenden Geständnis.
23.01.2026, 19:4823.01.2026, 19:48

Beschwingten Schrittes rauscht Melanie Hasler in die Empfangshalle des OYM, des Hightech-Athletikzentrums in Cham. Es ist der Freitag nach dem Doppelsieg an der EM in St. Moritz – und die 27-jährige Aargauerin strahlt noch immer. In dieser für den Schweizer Bobsport so herausfordernden Saison ohne Podestplatz an den ersten fünf Weltcup-Wochenenden, aber mit gravierenden Finanzproblemen, kommt ihr Erfolg einer Erlösung gleich.

Die Schweizer Bob-Pilotin Melanie Hasler posiert mit zwei Goldmedaillen der Bob Europameisterschaften in St. Moritz 2026 anlaesslich eines Medientermins im Sportleistungszentrum OYM in Cham am Freitag ...
Gleich zweimal wurde Hasler Europameisterin.Bild: keystone

Auf das Weltcup-Finale in Altenberg hat Hasler verzichtet. Zum einen konnte sie sich ihrer Position in der Top-Startgruppe für die Olympischen Spiele im Monobob und im Zweier sicher sein, zum anderen wollte sie auch ein Zeichen setzen, weil die für die Bahn Verantwortlichen in Sachsen auch zwei Jahre nach dem schrecklichen Unfall mit dem Schweizer Anschieber Sandro Michel ihrer Meinung nach nicht genug getan haben, um die Sicherheit zu verbessern.

«Es geht auch um das Prinzip, dass sie nichts tun», sagt sie nachdenklich. «Für Sandro sind die Folgen etwas, mit dem er noch immer täglich zu kämpfen hat.» Auch deshalb boykottierte sie die Rennen in Altenberg wie ihr Freund, Michels damaliger Pilot Michael Vogt.

Ein paar seltene, ruhige Tage

Für Hasler selber hat der Verzicht auf Altenberg einen angenehmen Nebeneffekt. Sie hat vor den Olympischen Spielen noch ein wenig freie Zeit, um durchzuschnaufen. «Darüber bin ich schon froh», gibt sie zu. «Ich kann mein ganzes Nervensystem runterfahren, das die letzte Zeit so überreizt war. Und ich muss nicht alle Termine in einer Woche reinstopfen.»

Sie geniesst die Zeit zuhause, pendelt zwischen Mutschellen und dem Training im Zugerland. Mutschellen, Aargau, wie sie betont. Als Zürcherin möchte sie nicht gelten. «Ich bin die erste Aargauerin unserer Familie», sagt sie lachend. Erst kurz vor ihrer Geburt sei diese von Zürich weggezogen. Dank ihrer dominikanischen Mutter spricht Hasler fliessend Spanisch und liebt die Wärme. «Ich bin definitiv kein Wintermensch. Wenn es kalt ist, habe ich meinen Sportartenwechsel auch schon bereut.»

Die Schweizer Bob-Pilotin Melanie Hasler posiert dem Fotografen anlaesslich eines Medientermins im Sportleistungszentrum OYM in Cham am Freitag, 16. Januar 2026. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Hasler sieht sich als erste Aargauerin ihrer Familie.Bild: keystone

Allerdings nur kurz, denn ihren Sport liebt sie. Hasler spielte ursprünglich Volleyball, erst in der Halle, dann im Sand. «Es ist mega schön beim Beachvolleyball, aber die Leute unterschätzen das auch», erzählt sie. «In manchen Trainingslagern, wenn es in Italien oder der Türkei bis zu 40 Grad war, waren wir froh, wenn es etwas kühler war.» Wegen ihrer ausgeprägten Sprungkraft erhielt sie dann das Angebot, es im Eiskanal zu versuchen.

Ein Traum, kein Müssen

Nun gilt der Fokus dem Höhepunkt der letzten vier Jahre. Vor der Saison hatte Hasler gesagt, es komme auch darauf an, wie die Rennen bis Olympia gelaufen sind, um über die Ziele zu sprechen. Bei ihren ersten Spielen vor vier Jahren in China war sie Sechste und Siebte. Muss es diesmal eine Medaille sein? «Müssen tut gar nichts», versichert sie. «Aber ich träume von einer Medaille.» Die Haltung sei gleich wie vor der EM. «Auch da sagte ich, dass es schwierig werde, aber ich von der Medaille träume. Die gleiche Einstellung habe ich auch jetzt.» Sie wisse aber, dass es dafür «ganz viel» brauche.

Etwas vorsichtig macht Hasler die Erfahrung vom Weltcup Anfang Saison, als erstmals auf der neuen Bahn in Cortina d'Ampezzo gefahren wurde. Im Monobob legte sie eine brillante erste Fahrt in den Eiskanal, im zweiten Durchgang fiel sie noch vom ersten auf den siebten Platz zurück – ohne genau zu wissen, warum. Im Zweier fand sie hingegen heraus, warum sie zu viel Zeit verlor. Ihr Bob war einfach zu langsam, vor allem in den schnellen Passagen im unteren Bereich.

Melanie Hasler/Nadja Pasternack of Switzerland, European Championship reacts after the Women's 2-Bob World Cup in St. Moritz, Switzerland, from left to right, on Sunday, January 11, 2026. (KEYSTO ...
Hasler mit ihrer Anschieberin Nadja Pasternack. Bild: keystone

Mit dem Zweierbob des Freundes

Dieses Problem konnte sie beheben, indem sie nun den Schlitten ihres Freundes Michael Vogt fährt. «Er hatte mir dies schon länger angeboten, und das Geld, um einen neuen Bob zu kaufen, habe ich nicht», erklärt sie. «Ich bin ihm mega dankbar, dass er so grosszügig ist und mir dies ermöglicht.»

Gut aufgestellt ist Hasler auch beim Start. Ihre Stamm-Anschieberin Nadja Pasternack, mit der sie schon vor vier Jahren in Peking fuhr, kam vor einem Jahr stark aus der Babypause zurück und konnte nun noch eine Schippe drauflegen. «Ich finde es mit allen meinen Starterinnen cool», betont sie. «Aber mit Nadja ist es schon speziell, weil wir schon einmal zusammen bei Olympia waren.» Zwei Diplome sollen es auch diesmal wieder im Minimum sein, für mehr muss, wie erwähnt, «viel» passen. Dann könnte sie noch einmal so strahlen wie letzte Woche. (riz/sda)

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