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Federica Brignone kann ihren Frust nach Rennende nicht verbergen. bild: screenshot srf

«Das unfairste Rennen meines Lebens» – Athleten toben nach Parallel-Farce



Dieses WM-Rennen war eine Farce – da waren sich fast alle Athleten am Ende einig. Im Parallel-Riesenslalom der Männer und Frauen wird während den K.o.-Duellen schnell klar, dass der rote Kurs deutlich schneller ist als die gleich nebenan liegende blaue Strecke.

Das Problem: Wer zunächst auf dem schnelleren roten Kurs fährt, kann nur einen Maximal-Vorsprung von 0,5 Sekunden mit ins zweite Duell nehmen – selbst wenn man deutlich mehr herausgeholt hätte. Im zweiten Lauf gibt's dann keinen Maximal-Vorsprung mehr, sondern es zählt der exakte Zeitunterschied. Ein deutlicher Nachteil für diejenigen Athletinnen und Athleten, die zuerst auf Rot fahren müssen – und das sind meist die Favoritinnen und Favoriten.

ABD0126_20210216 - CORTINA - ITALIEN: Marta Bassino (ITA), Tessa Worley (FRA) am Dienstag, 16. Februar 2021 w

Wer im zweiten Duell auf dem blauen Kurs fahren musste, war klar benachteiligt. Bild: keystone

In den Frauen-Viertelfinals scheiden sämtliche vier Athletinnen aus, die ihren zweiten Lauf auf der blauen Strecke fahren müssen. Dazu gehören auch die beiden Titelanwärterinnen Federica Brignone und Wendy Holdener.

«Das war das unfairste Rennen meines Lebens und das an einer WM! Ich bin wirklich sehr sauer», tobte Brignone nach dem Rennen im SRF-Interview und legte gleich nach: «Ja, so sind die Regeln. Aber so etwas darf es an einer Weltmeisterschaft nicht geben, tut mir leid. Ich hoffe, die FIS wird endlich auf die Athleten hören. Bis jetzt hat es sie eigentlich nie interessiert, was wir meinen. In Levi sagten sie gar, wir sollen die Klappe halten.»

Das Interview mit Federica Brignone. Video: SRF

Holdener, die am morgen in der Qualifikation die überlegene Bestzeit fuhr, hatte ihre Emotionen etwas besser im Griff, doch auch ihr war die Enttäuschung über das unfaire Rennen klar anzusehen. «Ich nahm auf dem blauen Kurs etwas zu viel Tempo raus, ich hätte da vielleicht etwas konsequenter fahren müssen. Aber wenn ich ins Ziel komme und alle sagen, dass es unfair ist …», so die Schwyzerin. «Ich habe das meiste richtig gemacht, der Rest liegt nicht bei mir. Natürlich ist es schade. Ich hoffe, dass diese Rennen künftig besser geregelt sind. Es wird sicher Diskussionen geben.»

Das Interview mit Wendy Holdener. Video: SRF

Loic Meillard gewann zwar die Bronze-Medaille, doch auch er gehörte zu den Benachteiligten. Wie Holdener fuhr der Kombi-Dritte am Morgen in der Quali die Bestzeit und musste dann stets zuerst auf dem roten Kurs ran. Zweimal ging das gut, doch im Halbfinal zog er gegen Filip Zubcic um zwei Hundertstel den Kürzeren. Im kleinen Final profitierte Meillard dann vom Aus von seinem Konkurrenten Alexander Schmid.

Switzerland's Loic Meillard shows his bronze medal of the parallel giant slalom, at the alpine ski World Championships in Cortina d'Ampezzo, Italy, Tuesday, Feb.16, 2021. (AP Photo/Giovanni Auletta)

Meillard kann sich immerhin über Bronze freuen. Bild: keystone

Auch Marco Odermatt musste in seinem Achtelfinal zunächst auf dem roten Kurs ran und scheiterte am Ende im Duell mit Luca De Aliprandini wegen einer Hunderstel. «Da muss man sich etwas überlegen. Der eine Kurs war jedes Mal schneller, so ist es nicht zu 100 Prozent fair», erklärte die Schweizer Zukunftshoffnung. «Wir Fahrer weisen schon lange darauf hin, aber man bringt es einfach nicht hin. Da muss sich schon fragen, ob das so Sinn macht.»

Das Interview mit Marco Odermatt. Video: SRF

Richtig sauer war auch Ex-Skifahrer Felix Neureuther. Der fünffache WM-Medaillengewinner kommentierte das Rennen für die ARD und erklärte frustriert: «Das ist unfair. Ich will so ein Format bei einer WM nicht sehen. Sinnlos.» Neureuther wurde gar so sauer, dass er sein Live-Mikrofon abschaltete und während der Sendung FIS-Renndirektor Markus Waldner auf der Stecke anrief, um sich zu beschweren.

Doch Neureuther kam nicht durch: «Er hat keine Verbindung.» Doch über WhatsApp klappte der Kontakt. Waldner rechtfertigte sich, dass es ja zwei Läufe gebe und der Sieger des ersten Laufes mit einem Vorsprung in den zweiten geht.» Das konnte den TV-Experten aber natürlich nicht beruhigen: «Die halbe Sekunde reicht nicht. Man kann Fehler machen, aber man muss reagieren. Es ist nicht gerecht», so das Fazit von Neureuther. (pre)

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