Für Ammann wird's eng – so wird das letzte Olympia-Ticket bei den Skispringern vergeben
Die Vierschanzentournee diente den Selektionären als guter Massstab. Alle vier Springen fanden unter vergleichbaren, fairen Bedingungen statt, was einen objektiven internen Vergleich ermöglichte. Ein Überblick.
Zwei gesetzte Athleten
Sandro Hauswirth ist aus Schweizer Sicht der grösste interne Gewinner dieser Tournee. Der 25-jährige Gstaader holte Mitte Dezember erstmals Weltcuppunkte und lieferte seither konstant ab. Bei ihm machte es spät, aber nachhaltig klick. Viermal Finaldurchgang, regelmässig Punkte, keine Ausreisser nach oben, aber auch keine nach unten: Hauswirth springt stabil auf einem Niveau, das klar olympiawürdig ist.
Im Team wird ihm diese Entwicklung gegönnt, weil sie sinnbildlich für Hartnäckigkeit steht. Hauswirth kämpfte lange um den Anschluss und erhält nun den verdienten Lohn für seine Ausdauer.
Gregor Deschwanden war schon vor der Tournee als Olympia-Kandidat gesetzt. Zwar erreicht der Luzerner nicht die Form des Vorjahres, doch er ist – abgesehen von den Aussetzern in Engelberg und zuletzt in Bischofshofen – verlässlich in den Punkten. Sein grösstes Plus bleibt das Potenzial. Wenn sich bei ihm der Knoten löst, ist Deschwanden in der Lage, sofort vorne mitzuspringen.
Ammann kämpft um letztes Ticket
Nach der Tournee herrscht über die Anzahl der Olympia-Startplätze für die Schweiz Klarheit. Swiss-Ski darf bloss drei Springer nach Norditalien schicken – entsprechend hoch ist der interne Druck ums letzte Ticket. Ein Quartett kommt dafür infrage. Simon Ammann, Killian Peier, Felix Trunz und Juri Kesseli haben dank ihren Resultaten im Sommer bereits die halbe Limite erfüllt und – mit Ausnahme von Peier – diese im Winter mit einer Top-25-Platzierung bestätigt.
Doch keiner drängte sich bislang auf. Ammann und Kesseli nutzten ihre Chancen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen nicht, Peier und Trunz überzeugten danach in Innsbruck und Bischofshofen nicht nachhaltig. Für das Quartett verbleiben zwei entscheidende Wettkampf-Wochenenden. Peier und Trunz reisen mit dem Weltcup nach Zakopane. Ammann und Kesseli treten im Kontinentalcup in Sapporo an, wo in der Woche danach zweimal im Weltcup gesprungen wird.
Wer am 17. und 18. Januar tatsächlich in Japan springen darf, ist offen – ebenso die Frage, ob Deschwanden oder Hauswirth auf die Reise ins Land der aufgehenden Sonne verzichtet. Klar ist: Die Ergebnisse in Sapporo werden entscheiden, das Skifliegen eine Woche später in Oberstdorf hat mit Blick auf die Olympia-Selektion wenig Relevanz.
Arnets Teilnahme fix
Bei den Frauen ist Sina Arnet klar auf Kurs. Sie hat die Anforderungen früh erfüllt und bestätigt ihre Form mit regelmässigen Klassierungen in den Punkterängen. Zuletzt belegte die Engelbergerin in Villach den 29. Rang.
Theoretisch könnte die Schweiz bei zwei Männern und einer Frau, die die Einzellimite erfüllt haben, eine zweite Springerin mit Blick aufs Mixed-Springen nominieren. Allerdings sind weder Simone Buff noch Rea Kindlimann aktuell nah genug dran, um die Schweiz auf Olympia-Niveau zu vertreten. Ohne markanten Leistungssprung in den kommenden zwei Wochen erscheint ein zusätzliches Frauen-Ticket wenig sinnvoll.
