Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Action im Lido: Die roten Lausanner stürmen das Eis. bild: srg

Unvergessen

276 Strafminuten – Rappi und Lausanne prügeln sich zum Schweizer Rekord

28. November 1995: Der SC Rapperswil-Jona ist so gut wie noch nie. Er ist NLA-Leader, wird Ende Qualifikation Platz 3 belegen. Ins Geschichtsbuch schaffen es die St. Galler aber auch mit einer Massenschlägerei.



Erster gegen Letzter lautet die Affiche im Lido, welche trotz des Rapperswiler Höhenflugs nur 3050 Zuschauer sehen wollen. Die Abwesenden verpassen nicht nur einen Heimsieg des SCRJ gegen Lausanne, sondern auch eine historische Keilerei. Denn die 276 Strafminuten, die beim 3:1-Erfolg zusammenkommen, werden vorher und nachher in der Nationalliga A nie mehr erreicht.

abspielen

Eine Schlägerei, die man so eher mit Nordamerika als mit Rapperswil-Jona verbindet. Video: streamable

Die Stimmung ist von Beginn an hitzig. Im Mitteldrittel eskaliert sie, als sich Lausannes Maxime Lapointe den Rapperswiler Verteidiger Daniel Bünzli vorknöpft. Der lacht heute noch darüber, ist er doch rund 20 Zentimeter grösser als Lapointe, so dass er ihm das Trikot ausziehen kann und den Fight gewinnt.

Alle gegen alle

Damit hätte es gut sein können. Doch SCRJ-Goalie Claudio Bayer gibt den Agent Provocateur. Seinen Stock und Lapointes Trikot macht er zum Wischmob, putzt damit das Eis. Als die Waadtländer das sehen, brennen sämtliche Sicherungen durch. Sie stürmen aufs Eis und nun gilt: «Alle gegen alle».

abspielen

Die Zusammenfassung des Spiels. Video: YouTube/eliminatordd

Zwei Jahrzehnte später erinnert sich Bayer im Blick daran. Seine Aktion kommentiert er grinsend: «Ich habe das Shirt sicher auf den Stock genommen, um es zu Lausannes Spielerbank zu bringen, und die haben das vermutlich falsch interpretiert.»

«Das ist Action, gehört dazu!»

Roland Simonet, Verteidiger Lausanne blick

Die Bilder gehen um die Welt

Rapperswil-Jona ist weder damals noch heute der Nabel der Sportwelt. Doch die Bilder der Schlägerei werden rund um den Globus gezeigt. «Mich rief ein guter Freund aus Tokio an, der mich im Fernsehen gesehen hatte», erinnert sich Bünzli.

Als Hauptsünder kassieren er und Lapointe eine Spielsperre sowie eine Busse von 700 Franken. «Schade, jetzt muss ich mir die Skiferien ans Bein streichen», kommentiert Bünzli nach dem Urteil.

Der Schiri fühlt sich mitschuldig

Lange dauert es, bis Ref Roland Stalder und seine Assistenten alle Strafen notiert haben, während 25 Minuten ist die Partie unterbrochen. Der Schiedsrichter muss Kritik einstecken für seine Spielleitung, was er akzeptiert. Stalder sagt: «Vielleicht habe ich es versäumt, frühzeitig durchzugreifen.»

Zehn Spieler müssen vorzeitig unter die Dusche. Am Ende der Partie stehen 276 Strafminuten zu Buche und ein 3:1-Sieg von Leader Rapperswil. Die Seebuben schliessen die Qualifikation auf Rang 3 ab, was bis heute Klubrekord ist. In den Viertelfinals scheitert man trotzdem an Ambri-Piotta.

Erfolgreicher ist Rapperswil-Jona überhaupt nur noch einmal: 2006 gewinnt es gegen den EV Zug zum einzigen Mal überhaupt eine NLA-Playoffserie und stösst so in die Halbfinals vor, wo der HC Davos Endstation bedeutet.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

53 Beweise, dass sich die Statuen gegen die Menschheit erhoben haben

Diese 10 Mannschafts-Typen kennst du, leider!

Play Icon

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Interview

Dok-Film über den HC Davos: «Da habe ich mit Fussballern schon ganz anderes erlebt»

Live-Eishockey werden wir in dieser Saison nicht mehr sehen. Und doch kommen Fans noch auf ihre Kosten. Der MySports-Dokumentarfilm «Das Projekt Davos – Aufbruch und Stillstand» gewährt ihnen einen Blick hinter die Kulissen des Rekordmeisters HCD. Autor Martin Masafret im Interview.

Der Puck ruht. Wie lange, weiss niemand. Das Coronavirus hat den Sport lahmgelegt.

Neun Monate zuvor ahnt noch kein Mensch, wie denkwürdig die Saison zu Ende gehen wird. In Davos hat soeben eine neue Trainercrew übernommen. Christian Wohlwend tritt in die grossen Fussstapfen von Arno Del Curto, der während mehr als zwei Jahrzehnten eine erfolgreiche Ära geprägt hatte. Der Neue soll das Team, das zuletzt die Playoffs verpasst hat, wieder auf Vordermann bringen.

Das ist das Szenario, als Martin …

Artikel lesen
Link zum Artikel