Unvergessen
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epa01609197 Daniel Albrecht of Switzerland crashes during the third practice downhill session at the 'Streif' in Kitzbuehel, Austria, 22 January 2009.  EPA/Robert Jaeger

Daniel Albrechts Aufprall nach dem 70-Meter-Flug. Bild: EPA

Unvergessen

Der Horrorsturz in Kitzbühel verändert das Leben von Dani Albrecht für immer

22. Januar 2009: Daniel Albrecht verschätzt sich auf der Streif im Training beim Zielsprung. Er fliegt bei 138 km/h rund 70 Meter weit, bevor er brutal landet. 22 Monate später kehrt er zurück. Aber der sportliche Erfolg will sich nicht mehr einstellen.



«Das Comeback war eine gute Therapie. Ich bin glücklich. Glücklicher, als wenn ich es nicht versucht hätte.» So beendete Daniel Albrecht am 6. Oktober 2013 seine Karriere. Diese verlief nicht wie erwartet, sondern erlitt am 22. Januar 2009 den entscheidenden Knackpunkt.

Nichts deutet an diesem Tag auf den fürchterlichen Augenblick hin. Daniel Albrecht ist auf der legendären Streif beim Abschlusstraining bei guten Bedingungen stark unterwegs. Mit der besten Zwischenzeit rast der 25-Jährige mit 138 km/h auf den Zielsprung zu. Die Bestzeit liegt griffbereit da – doch Albrecht stürzt. Er kann den Sprung nicht drücken, gerät in Rücklage und knallt rund 70 Meter später brutal auf die Piste. Regungslos bleibt er liegen. Dieser eine Sturz verändert sein Leben.

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Der folgenschwere Sturz am Zielsprung. Video: streamable

Der lange Weg zurück

Es folgen bange Minuten, Stunden, Tage, ja Wochen. Albrecht wird auf die Intensivstation in Innsbruck verlegt, er bleibt mit einem Schädel-Hirn-Trauma dreieinhalb Wochen im künstlichen Koma. Als er aufwacht, weiss Albrecht nicht, wer er ist, was er macht oder warum er im Spital liegt. Er muss wieder sprechen lernen, verwechselt Worte. Ein Stück Fleisch nennt er «Audi», einen Schmetterling erkennt er zwar, kann ihn aber nicht benennen. 

«Wenn jemand an meinem Bett stand, wusste ich nicht, ist das meine Mama, meine Freundin oder eine Frau vom Spital. Ich fühlte nur dumpf, meint die es gut mit mir oder nicht. Mehr konnte ich nicht fühlen. Keine Trauer. Keine Wut. Kein Glück. Keine Freude.»

Dani Albrecht

Doch der Sportler kehrt erstaunlich schnell «ins Leben» zurück. Im April verlässt er das Spital, schon im Juli des gleichen Jahres gibt er sein neues Ziel bekannt: Die Rückkehr an die Weltspitze. Bereits in der kommenden Saison will er wieder Rennen fahren. 

Fatal: Albrecht fällt bei seinem Sturz auf den Hinterkopf. Bild: AP

Knapp zwei Jahre bis zum Comeback

Seinen Comeback-Versuch muss Albrecht jedoch fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Unfall an gleicher Stelle in Kitzbühel verschieben. An einer Pressekonferenz im Januar 2010 gibt er bekannt, dass er während der laufenden Saison nicht wieder fahren wird. 

Seine Rückkehr erfolgt dann am 5. Dezember 2010 in Beaver Creek. Im Riesenslalom belegt der Fiescher den beachtlichen 21. Rang. Doch es wird eines der wenigen Highlights der zweiten Karriere bleiben. Rückschläge sind an der Tagesordnung: So auch am 22. November 2012 im Training zur Abfahrt von Lake Louise, als er wieder stürzt. Die Diagnose ist niederschmetternd: Kniescheibenluxation und Riss des Innenbandes im linken Knie. Ein Rennen fährt er danach nicht mehr. 

Der grösste Erfolg ist die Rückkehr

Daniel Albrecht war bis zu seinem Sturz in Kitzbühel der grosse Hoffnungsträger der Schweizer Skifans. Schon bei der Junioren-WM 2003 deutete er als 20-Jähriger sein gigantisches Potential an: Weltmeister in der Abfahrt, im Riesenslalom und der Kombination. Dazu Silber im Slalom. Auch bei den Aktiven ging der Weg lange nur aufwärts. Höhepunkt waren 2007 der WM-Titel in der Super-Kombination und WM-Silber im Riesenslalom. In 138 Weltcuprennen fuhr er acht Mal aufs Podest, vier Mal grüsste er dabei vom obersten Treppchen.

Schweizer Skirennfahrer Daniel Albrecht spricht an der Medienkonferenz zu seinem Ruecktritt am Sonntag, 6. Oktober 2013 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza) ..Swiss ski racer Daniel Albrecht talks at a media conference in Zurich, Switerland, Sunday, October 6, 2013. Albrecht terminates his career as he announced today. After his terrible crash in the downhill at Kitzbuehel in 2009 he struggled hard to reach his former performance but the podium stayed out of his reach. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Ein zufriedener Daniel Albrecht bei seiner Rücktrittsverkündung 2013. Bild: KEYSTONE

Am 13. Oktober 2013 tritt «Albright» zurück. Er habe keine Energie mehr, sagt er. Die grosse Rückkehr ganz nach oben lag nicht mehr drin. Tatsächlich ist der sympathische Walliser aber trotz allem ein Gewinner. Als erster Skifahrer kam er nach einem Schädel-Hirn-Trauma wieder in den Weltcup zurück – obwohl ihm die Ärzte davon abrieten. Auch darum kann er sagen: «Ich bin glücklich. Glücklicher, als wenn ich es nicht versucht hätte.»

«Der Sturz ist etwas, das in meinem Leben passiert ist, das zu mir gehört. Aber ich denke nicht jeden Tag daran, und es sind keine Gefühle damit verbunden.»

Dani Albrecht nzz

Der ehemalige Skirennfahrer ist mittlerweile Vater einer Tochter und  baut sogenannte «Mondhäuser». Der Zielsprung in Kitzbühel wurde nach dem Sturz von Daniel Albrecht entschärft. Heutzutage fliegen die Fahrer bei weitem nicht mehr über die 70-Meter-Marke. 

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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60'000 decken «Kugel-Werni» mit Pfiffen ein – er antwortet mit erstem Schweizer WM-Titel

29. August 1987: Werner Günthör stösst die Kugel in Rom mit Urgewalt auf 22,23 Meter und verteilt anschliessend als erster Schweizer Leichtathletik-Weltmeister Kusshändchen an das aufgebrachte Italo-Publikum.

Er esse alles gerne – «ausser Chinesisch», erklärt der 26-jährige Werner Günthör vor seinem Abflug an die Leichtathletik-WM 1987 in Rom. Wer dem Kugelstoss-Giganten einmal persönlich gegenüberstand, mag diesen Worten gerne Glauben schenken. Zwei Meter gross, 127 Kilogramm Körpergewicht, Schuhgrösse 46 – es sind alles nur Zahlen, die seine imposante Erscheinung nicht einmal ansatzweise erfassen können.

Und dann sind da die blonden Strähnchen, die irgendwie gar nicht ins Bild passen wollen, …

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