Unvergessen
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Mit der Wut im Bauch: Breu im Aufstieg zum Monte Brè. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

«Dä Gottfried isch für mich gschtorbe!» – Beat Breu wird zum Volkshelden

17. Juni 1981: Es ist die wohl berühmteste Begebenheit in der langen Geschichte der Tour de Suisse. Wie Godi Schmutz seinen Teamkollegen Beat Breu mit einer Finte als Leader ablöste, wie dieser dahinter kam, fuchsteufelswild wurde und dann doch noch Gesamtsieger wurde.



Beat Breu ist Leader der Tour de Suisse 1981, als es in der 6. Etappe von Genf nach Brig geht. Der St.Galler will seinen Vorsprung in der Gesamtwertung ausbauen, also steht der Plan: Breu wird unterwegs, im Aufstieg nach Crans-Montana, angreifen.

Doch Breu hat die Rechnung ohne Godi Schmutz gemacht. Auch sein Teamkollege möchte die Tour de Suisse gewinnen. Also fährt er, noch bevor Breu attackieren kann, zu ihm hin. Und er richtet ihm aus, der sportliche Leiter habe entschieden, dass Breu besser nicht angreifen solle. Der naive Ostschweizer glaubt Schmutz und hält sich zurück. Kurz darauf greift der Zürcher selber an. Schmutz kommt weg, kommt mit dem Etappensieger ins Ziel und hat nach 231 Kilometern Breu das Leadertrikot ausgezogen.

Gody Schmutz wird am 17. Juni 1981 bei der 7. Etappe der Tour de Suisse, einem Bergzeitfahren von Lugano auf den Monte Bre, von Zuschauern angefeuert. (KEYSTONE/Str)

Godi Schmutz gibt hinauf zum Monte Brè alles, doch er wird die Tour de Suisse verlieren. Bild: KEYSTONE

Das Zitat unter der Dusche

Als Breu in Brig ankommt, will er zunächst keinen Kommentar zur ungewöhnlichen Aktion seines Mannschaftskameraden abgeben. Doch die Journalisten verfolgen ihn bis unter die Dusche, wo der Ostschweizer den bekanntesten Satz seines Lebens von sich gibt:

«Dä Gottfried isch für mich gschtorbe!»

Es ist ein Zitat, das unzweifelhaft zu den berühmtesten der Schweizer Sportgeschichte gehört. Und es ist ein Zitat, das dafür sorgt, dass man sich auch heute noch an Godi Schmutz erinnert, dessen grösste Erfolge ein neunter Gesamtrang am Giro d'Italia und drei Schweizermeister-Titel waren.

Das Team ist auf Breus Seite

Schmutz hat nach seinem Coup 1:23 Minuten Vorsprung auf Breu. Aber das eigene Team hat Schmutz gegen sich. Der sportliche Leiter Auguste Girard tobt, dass sich der Fahrer seinen Anweisungen widersetzt hat. Nach der Etappe staucht er den neuen Leader zusammen, worauf nun die ganze Mannschaft hässig ist – dabei belegen Schmutz, Breu und der Routinier Josef Fuchs die ersten drei Plätze der Gesamtwertung!

Das Frühstück am nächsten Morgen: Schmutz isst alleine im Speisesaal. Auch am Etappenstart findet er sich alleine ein. Obwohl sein Team gegen ihn zu sein scheint, darf sich Schmutz am Abend in Lugano erneut ins Leadertrikot einkleiden lassen.

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Beat Breu erinnert sich an die Tour de Suisse 1981. Video: YouTube/Giorgio Spaghetti

Der Monte Brè wird zum Monte Breu

Es folgen der 16. Juni und zwei Halbetappen in Lugano. Die erste gewinnt Sprinter Urs Freuler, danach steht ein Bergzeitfahren auf den Monte Brè an. 9,5 Kilometer müssen bewältigt werden – ein Anstieg wie gemacht für einen Bergfloh wie Beat Breu. Seine ganze Wut stampft er in die Pedalen, er stürmt entfesselt dem Ziel entgegen.

Breu gewinnt die Etappe und ist wieder Leader. Denn Godi Schmutz, dem die Isolation innerhalb der Equipe offensichtlich zugesetzt hat, verliert 1:29 Minuten. Der Monte Brè wird in Monte Breu umgetauft und die Schweiz hat einen neuen Volkshelden.

«Scho eini langet!»

Im Ziel gibt Breu dem Fernsehreporter Hans Jucker ein legendäres Interview. Umringt von Fans weist Jucker den Leader darauf hin, dass es knapp geworden sei. «Sie haben nur sechs Sekunden Vorsprung im Gesamtklassement, das wissen Sie?» Breus schlagfertige Antwort: «Jo da langet, scho eini langet!»

Der Vorsprung reicht in der Tat. Zwei Tage später darf sich Beat Breu erstmals als Gesamtsieger der Tour de Suisse feiern lassen.

Radrennfahrer Beat Breu, Mitte, erhaelt nach seiner Zielankunft in der offenen Radrennbahn in Zuerich-Oerlikon von seinem Vater Max, rechts, einen Glueckwunschkuss sowie Umarmungen von Cilo-Aufina-Masseur T. Marini, links, aufgenommen am 20. Juni 1981 bei Breus Sieg im Gesamtklassement der Tour de Suisse. (KEYSTONE/Str)

Der stolze Papa: Breu wird von Vater Max zum Gesamtsieg beglückwünscht. Bild: KEYSTONE

Das Stolpern durchs Leben

Es ist der Auftakt zu einer Karriere, in welcher der bodenständige Ostschweizer mit den träfen Sprüchen zum Liebling der Massen wird. Breu gewinnt die Schweizer Landesrundfahrt 1989 ein zweites Mal und er triumphiert an zwei legendären Aufstiegen: An der Tour de France auf der Alpe d'Huez, am Giro d'Italia bei den Drei Zinnen von Lavaredo.

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Kultig: Beat Breu übersetzt den Rennvelo-Slang in die Alltagssprache. Video: YouTube/SRF Archiv

Breu steigt nach 17 Jahren als Profi vom Velo und stolpert fortan durchs Leben. Denn vom ganzen Geld, das er verdient hat, bleibt kein Rappen übrig. Breu hat sein Vermögen dem eigenen Bruder anvertraut und als dessen Immobilien-Betrügereien auffliegen, haftet auch der Sportstar.

Also tingelt Breu, um wieder zu Geld zu kommen, als Komiker durch die Provinz. Er eröffnet das Bordell «Longhorn City» und scheitert damit, er erleidet einen Schlaganfall, gibt als 50-Jähriger ein (eher peinliches) Comeback und versucht, ein «Wunderwässerli» an den Mann zu bringen.

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Köstlich: Beat Breu singt in Frank Baumanns Sendung «Ventil» (ab 26:15 Min.). Video: YouTube/Veronika Ramseier

«Ich habe für meine Erfolge und für meine Popularität einen hohen Preis bezahlt», sagt Breu einst. «Wenn ich kein Stehaufmännchen wäre, wäre ich schon längst erledigt. Aber man darf die Lebensfreude nicht verlieren.»

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Parodiert: Beat Breu alias Viktor Giacobbo. Video: YouTube/Manuel Durrer

Schmutz kennt man heute nur noch wegen Breus Sprüchen

Seit einigen Jahren scheint sich Breu gefangen zu haben. Er arbeitete im Aussendienst für einen Händler von Ersatzteilen für Velos, Töfflis und Rollern. Zuletzt war er in den Medien, weil er die Gründung eines eigenen Zirkus vorantreibt. An der Tour de Suisse chauffiert er während Jahren Gäste von Sponsoren – und muss höchstwahrscheinlich Tag für Tag davon erzählen, wie er aus Godi Schmutz «dä Godi, dä Sauhund» machte, der für ihn gestorben sei.

Breus Rivale stürzt an der Tour de Suisse 1981 noch vom Podest, er wird undankbarer Vierter. Bis heute wird Schmutz oft daran erinnert, dass er doch eigentlich tot sei. «In der breiten Öffentlichkeit bin ich erst mit Breus Sprüchen bekannt geworden», erinnert er sich. Schmutz hat Breu längst verziehen, die Rivalen von einst kommen miteinander aus. Auch bald 40 Jahre, nachdem er gestorben ist, lebt Godi Schmutz noch.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende sportliche Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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auch beim 1000. Mal noch lustig

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