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A man inhales from an e-cigarette in Zuerich, Switzerland, January 20, 2014. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Ein Mann zieht an einer E-Zigarette am 20. Januar 2014 in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Schadstoffe in E-Zigaretten: Alles halb so wild. Bild: KEYSTONE

Studie #unfucked

Keine Panik, liebe Raucher: Ihr dürft auf E-Zigis umsteigen

Elektrische Zigaretten enthalten die zehnfache Menge eines krebserregenden Stoffes von normalen Kippen. Darauf kam eine japanische Studie – angeblich.



«E-Zigaretten sind schädlicher als klassischer Tabak» titelte watson vergangene Woche – nicht als einziges Medium. Die News, dass eine getestete Marke zehnmal so viel krebserregendes Formaldehyd wie normale Zigaretten enthält, ging um die Welt. Sie verleitete viele Medien zum Schluss, dass elektrische Glimmstängel wohl doch um Einiges schlimmer sind als gedacht. Auch uns. 

Dafür bekamen wir von aufmerksamen Lesern viel Kritik zu hören – was uns dazu bewegte, noch einmal genauer hinzuschauen. Und tatsächlich: Die Meldung entpuppt sich als Sturm im Wasserglas. Sorry für die unnötige Aufregung und danke für die Hilfe, liebe Leser.

watson-User kritisieren Falschmeldung über E-Zigis

Aussage aus einem Interview

Schaut man sich die Studie aus Japan genauer an, ist der besagte Wert nirgends zu finden. Zehnmal so viel krebserregendes Formaldehyd? Die Resultate ergeben, dass die getesteten E-Zigaretten bis zu 50 Mal weniger (!) Formaldehyd enthalten als Pyro-Zigaretten. Die E-Zigarette mit dem höchsten Wert des Stoffes hat immer noch sechsmal weniger Formaldehyd als herkömmliche Zigaretten, wie der renommierte Kardiologe Dr. Konstantinos Farsalinos in seinem Blog festhält. Farsalinos ist bei der Studie als «externer Lektor» aufgeführt. 

Doch wie konnte es zu der Falschmeldung kommen? Die Schlagzeile kommt von einer Aussage, die Studien-Autor Kanae Bekki in einem Interview gemacht hat: «Bei einer E-Zigaretten-Marke fand das Team mehr als zehnmal so viel Karzinogene [krebserregende Stoffe, Anm. der Red.] wie bei einer normalen Zigarette.» Dieses Experiment fand jedoch nicht im Rahmen der Studie statt und wurde möglicherweise unter ganz anderen Bedingungen durchgeführt. Das Resultat wurde nicht von anderen Wissenschaftlern bestätigt.

Die Studie sagt das Gegenteil

Die Publikation hingegen deutet sehr wohl darauf hin, dass E-Zigaretten weniger schädlich als herkömmliche Kippen sind, zumindest was den Schadstoff Formaldehyd angeht. Bei zehn Zügen ergab sich ein Durchschnittswert von 4 Mikrogramm. Die E-Zigarette mit dem höchsten Wert wies 34 Mikrogramm auf. 

Zum Vergleich nehmen wir eine Studie mit herkömmlichen Zigaretten aus dem Jahr 1989. Diese ergab, wie in der Grafik ersichtlich, deutlich höhere Werte. Der höchste Wert der E-Zigi kommt nicht mal an den Durchschnittswert der herkömmlichen Zigarette heran.

E-Zigarette Grafik

Ein vergleich zweier Studien zeigt: Bei zehn Zügen nimmt man bei der E-Zigarette deutlich weniger Formaldehyd auf. Grafik: watson/Petar Marjanovic 

Dies bestätigen weitere Publikationen: Gemäss einer aktuellen Studie von 2014 hat eine E-Zigarette durchschnittlich 13 Mal weniger Formaldehyd als eine herkömmliche Zigarette. Auch eine kanadische Studie aus dem Jahr 2008 zeigt bei klassischen Zigaretten deutlich mehr.

Die Menge macht das Gift

Dazu kommt, dass Formaldehyd allgegenwärtig und in geringen Mengen harmlos ist: Es existiert in unserem Körper und wird zur Herstellung von Süsstoffen, Düngemitteln und Klebstoffen verwendet. «Erst im Zusammenhang mit anderen Rauchstoffen wie Teer, Kohlenmonoxid und polycyclischen Kohlenwasserstoffen wird es schädlich», sagt Jean-François Etter von der Uni Genf zu watson. Diese seien in E-Zigaretten nicht nachgewiesen worden.

«Weniger Raucher steigen um. Und wenn weniger umsteigen, sterben mehr.»

Jean-François Etter, Uni Genf

Der Suchtforscher findet es bedenklich, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die E-Zigarette bekämpft. Dass das gesundheitliche Risiko dort kleiner sei, sei in Expertenkreisen unumstritten. Gemäss einer Umfrage in Grossbritannien denken immer mehr Menschen, dass die E-Zigaretten mindestens so schädlich sind wie die normalen. «Das führt dazu, dass weniger Raucher umsteigen», ist Etter überzeugt. «Und wenn weniger umsteigen, sterben mehr an den Folgen des Rauchens.»

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