Pokémon statt ETFs? So investierst du in Sachgüter
Pokémon-Karten prägen seit Jahren unser Zuhause.
Alle Versuche, die Kartenflut auf bestimmte Bereiche unserer Wohnung zu begrenzen und glaubt mir, es waren einige sind bisher gescheitert. Zwar dominieren die Karten nicht mehr den Küchentisch, dafür haben sie inzwischen unser Wohnzimmer und diverse andere Ecken erobert.
Vielleicht geht es euch ähnlich. Nicht mit Pokémonkarten, sondern mit Wein, Sneakers, Luxusuhren, Sportsammelkarten oder Handtaschen.
Denn wir Menschen sammeln gerne. Und vielleicht hat das sogar sein Gutes.
Sammelobjekte erleben gerade einen regelrechten Trend. Erst kürzlich wurde bekannt, dass eine Schweizer Familie wohl die wertvollste Pokémon-Kartensammlung, die Jolina Gisèle Collection, der Welt besitzt und diese nun verkaufen möchte.
Was früher fast ausschliesslich Superreichen vorbehalten war, wird heute zunehmend demokratisiert. Dank Tokenisierung und digitalen Plattformen können wir alle auch mit kleineren Beträgen in Sachgüter investieren.
Das findet Anklang. Plattformen für alternative Anlagen verzeichnen wachsende Nutzerzahlen, und Sachgüter entwickeln sich immer mehr zu einer ernstzunehmenden Ergänzung klassischer Portfolios.
Wie Sachgüter funktionieren, welche Chancen, aber auch Risiken dahinterstecken und worauf du achten solltest, wenn du damit dein Portfolio diversifizieren möchtest, erfährst du hier.
Was sind Sachgüter?
Sachgüter sind physische Vermögenswerte mit einem Sammler-, Seltenheits- oder Kultstatus. Dazu gehören beispielsweise:
- Kunst
- Luxusuhren
- Wein & Whisky
- Luxusautos
- Pokémon- und Sportkarten
- Sneakers
- Handtaschen
- Edelmetalle
- Lego-Sammlerstücke etc.
Im Unterschied zu klassischen Aktienanlagen investierst du bei Sachgütern nicht in Unternehmen, sondern in reale Objekte mit begrenzter Verfügbarkeit und hoffst darauf, dass ihr Wert mit der Zeit steigt.
Die Wertsteigerung entsteht dabei meist durch Faktoren wie:
- Knappheit
- Kulturelle Relevanz
- Nachfrage
- Zustand
- Herkunft (Provenienz)
- Timing
Dank Tokenisierung können Sachgüter in kleine Anteile aufgeteilt werden. Dadurch ist es möglich, bereits mit kleineren Beträgen ab z. B. 50 Franken in Kunstwerke, Luxusuhren oder andere Sammlerobjekte zu investieren und sich Schritt für Schritt ein Sachgüter-Portfolio aufzubauen.
Warum Sachgüter im Aufwind sind
Der Markt für Sachgüter hat sich in den letzten Jahren stark demokratisiert.
Globale Online-Marktplätze, KI-basierte Echtheitsprüfungen und digitale Plattformen ermöglichen heute einen deutlich einfacheren Zugang als noch vor wenigen Jahren.
Steigende Inflation, geopolitische Unsicherheit und volatile Börsen haben dazu geführt, dass greifbare Werte wieder attraktiver werden und als strategische Ergänzung zu herkömmlichen Anlagen genutzt werden.
Auch die Nachfrage verändert sich. Besonders jüngere Generationen interessieren sich verstärkt für Popkultur, Nostalgie und limitierte Objekte mit kultureller Bedeutung. Genau deshalb erleben Kategorien wie Pokémonkarten, Sneakers oder Sportkarten derzeit einen regelrechten Boom.
Welche Chancen bieten Sachgüter?
Sachgüter entwickeln sich oft eher unabhängig von Aktienmärkten.
Das macht sie spannend zur Diversifikation.
Gerade Sportkarten oder Kunst weisen teilweise eine sehr tiefe Korrelation zum Aktienmarkt auf. Laut Untersuchungen lag die Korrelation von Sportkarten zu Aktien zuletzt beinahe bei null. Wer mehr über die verschiedenen Kategorien erfahren möchte, findet Informationen z. B. im Knight Frank Luxury Investments Index.
Viele Sachgüter profitieren auch von emotionaler Nachfrage.
Menschen kaufen seltene Pokémon-Karten, Luxusuhren oder Kunst nicht nur wegen der Rendite, sondern auch wegen Status, Nostalgie oder Leidenschaft. Zahlen der Plattform Splint Invest zeigen: Am meisten nachgefragt sind Kunst, welche je nach Geografie zwischen 47% und 54% der untersuchten Portfolios ausmacht, gefolgt von Sportkartenund Uhren.
Gerade bei der Kunst zeigt der Art Basel & UBS Global Art Market Report, dass besonders Werke unter 500'000 Dollar aktuell gefragt sind, während der Markt gleichzeitig professioneller und datengetriebener wird.
Wo liegen die Risiken?
Sachgüter als Wertanlage sind keine Selbstläufer. Einer der häufigsten Fehler: emotionale Entscheidungen.
Nicht jeder teure Wein wird automatisch wertvoll. Nicht jeder Sneaker steigt im Preis. Und nicht jede Pokémon-Box wird zum Millionenschatz.
Massengefertigte Produkte oder kurzfristige Trends verlieren oft massiv an Wert. Gleichzeitig gewinnen besonders seltene, kulturell relevante Objekte weiter an Bedeutung.
Weitere Risiken sind unter anderem:
- Fälschungen
- Mangelnde Liquidität, schwieriger Wiederverkauf
- Hohe Gebühren
- Falsche Lagerung
- Beschädigungen
Wer mit Sachgütern langfristig erfolgreich sein möchte, braucht deshalb nicht nur Leidenschaft, sondern auch Expertise und eine klare Strategie.
Welche Rendite erbringen Sachgüter?
Genauso wie Aktien oder andere Anlagen liefern auch Sachgüter keine garantierten Renditen. Jede Investition ist entsprechend mit Risiken verbunden.
Einige Kategorien entwickelten sich zuletzt jedoch interessant. Laut des Splint Invest Reports 2025 lagen die Renditen der verwalteten Kategorien in 2025 unter anderem bei:
- Sportkarten: +21%
- Kunst: +18%
- Pokémon: +19 %
- Lego: +12%
- Sneakers: +5 %
Einzelne Assets performten sogar deutlich stärker:
- Tom-de-Freston-Kunstwerke: +61 %
- Lionel Messi Trading Card: +46%
- Pokémon Booster Displays: Über +30% in weniger als einem Jahr
Wie bei klassischen Anlagen gibt es jedoch auch schwächere Jahre oder einzelne Kategorien mit negativer Entwicklung. Im Splint-Bericht lagen Wein zuletzt bei minus zehn Prozent und Uhren bei minus acht Prozent.
Um besser einschätzen zu können, wie sich bestimmte Kategorien entwickeln, entstehen zunehmend spezialisierte Indizes und Vergleichsdatenbanken. Mittlerweile gibt es beispielsweise den CardLadder High End Index für Sportkarten, den CardLadder Pokémon Index, den Classic Car Index, verschiedene Wein-Indizes oder den Art Price 100 Index für Kunst. Wer Lust hat, kann sich bei CardLadder direkt umschauen. Vergangene Renditen sind jedoch niemals eine Garantie für zukünftige Entwicklungen.
Wie gross sollte der Anteil an Sachgütern in meinem Portfolio sein?
Dies ist sehr individuell.
Wenn du beispielsweise ein wertvolles Kunstwerk oder seltene Sammlerstücke erbst, kann dieser Anteil automatisch deutlich grösser ausfallen.
Grundsätzlich gilt ähnlich wie bei anderen alternativen Anlagen, dass bereits ein kleiner Anteil interessant sein kann, um das Portfolio breiter zu diversifizieren. Oft gelten etwa eins bis fünf Prozent des Anlagevermögens als sinnvoller Rahmen, um Chancen zu nutzen und gleichzeitig Risiken überschaubar zu halten.
Wie lange sollte man Sachgüter halten?
Anders als bei den meisten Aktien, welche du täglich an der Börse handeln kannst, hängt die Realisierung der Rendite bei Sachgütern davon ab, dass das Objekt auch tatsächlich zum gewünschten Preis verkauft werden kann.
Zwar gibt es immer wieder schnelle Verkäufe. So wurde beispielsweise auf der Plattform Splint Invest eine versiegelte Pokémon Japanese Base Set Booster Box innerhalb einer Minute ausverkauft. Auch einzelne Kunstwerke wurden bereits nach ca. einem Jahr mit Gewinn verkauft.
In der Regel benötigen Sachgüter jedoch Zeit. Wer in Sachgüter investiert, sollte deshalb entsprechend Geduld mitbringen.
5 Tipps, wenn du in Sachgüter investieren möchtest
Anlagen in Sachgütern kannst du entweder über Direktkäufe oder über digitale Plattformen tätigen.
Klassische ETFs gibt es in diesem Bereich bisher kaum. Mit Ausnahme einzelner Luxusgüter-ETFs, die in Unternehmen aus dem Luxussegment investieren, fehlen für Kunst, Wein oder Sammelkarten oft die Voraussetzungen für traditionelle Fondsstrukturen: Viele Sachgüter sind wenig standardisiert und weisen eine geringere Liquidität auf als klassische Finanzanlagen.
Wenn du in Sachgüter investieren möchtest, solltest du dabei einige wichtige Punkte beachten:
1. Kaufe Qualität statt Hype
Seltenheit, Zustand und kulturelle Relevanz schlagen Trends fast immer langfristig. Auf Herkunft und Echtheitsnachweise achten.
2. Plane deinen Exit
Bestimme schon vor dem Einstieg, wie, wann und zu welchem Preis du verkaufen möchtest.
3. Diversifiziere
Unterschiedliche Kategorien und ein diversifiziertes Sachgüterportfolio reduzieren Risiken.
4. Gehe strategisch vor
Lass dich nicht von Emotionen hinreissen. Nur weil dir ein Objekt gefällt oder du eine Leidenschaft für z. B. Sammelkarten hast, muss es noch kein gutes Investment sein. Plane dein Portfolio gezielt.
5. Nutze professionelle Plattformen
Prüfe die Kompetenz der Plattform. Authentifizierung, Lagerung, Versicherung und ein entsprechendes Netzwerk an Experten sind entscheidend.
Sachgüter ersetzen klassische Anlagen nicht. Sie können aber eine interessante Ergänzung sein. Wie bei anderen Anlagen auch braucht es Geduld, Diversifikation, Qualität und Disziplin.
Und jetzt interessiert mich natürlich:
Sammelt ihr selbst etwas? Oder habt ihr Sachgüter bereits als Ergänzung zu euren Investments entdeckt?💰
