Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa06062695 (24/26) Employees work at BTCChina (BTCC)'s office, in Shanghai's financial district, China, 13 January 2017. BTCC was founded in 2011, and is now one of China's largest Bitcoin exchange platforms. According to its CEO Bobby Lee, Chinese people like the 'online gambling' feel of Bitcoin's instability; also, with the Chinese government's restrictions on many investment channels, people welcome new ways to invest their money.
China is one the main exchange market of bitcoins although the digital currency exists in a legal limbo and prone to speculation. The country hosts some of the biggest 'mining pools' in the world, clusters of supercomputers which task is minting new bitcoins and maintaining the system, sometimes installed in shady places close to power plants. Sichuan has become known as 'the capital of bitcoin mining' as entrepreneurial Chinese set up 'mines' there due to its abundance of hydropower, perfect for the high electricity needs of the large number of computers required for Bitcoin mining. Bitcoin mines are buildings with warehouse-like structures equipped with massive numbers of microprocessors with which 'miners' solve complex math problems and are rewarded in the digital currency.  EPA/LIU XINGZHE/CHINAFILE ATTENTION: For the full PHOTO ESSAY text please see Advisory Notice epa06062671

Schliesst Ende September seine Handelsplattform für Kryptowährungen: BTCC aus China. Bild: EPA/EPA

7 Gründe, weshalb alte Banker (zum Teil gerechtfertigt) gegen Kryptowährungen stänkern

20.09.17, 12:41 03.04.18, 16:53


Jamie Dimon, CEO von JP Morgan, lästerte kürzlich vor Investoren, Bitcoin sei ein «Betrug». Etwas diplomatischer, aber ebenfalls kritisch, äusserte sich Stefan Bichsel, der Generaldirektor der Banque Cantonale Vaudoise, gegenüber watson. Für seine Kunden seien Bitcoins kaum ein Thema:

«Ich halte das für eine vorübergehende Mode. Was sind Kryptowährungen überhaupt? Ein Zahlungsmittel? Ein Anlagemittel? Im Alltag haben sie überhaupt noch keine Relevanz. Offenbar wickelt man damit im Darknet kriminelle Geschäfte ab. Sollten Bitcoin & Co. tatsächlich eine kritische Masse erreichen, dann müssen sie auch reguliert werden.»

Stefan Bichsel gegenüber watson

Weshalb mögen klassische Banker Kryptowährungen nicht? Sie haben gute Gründe:

Kryptowährungen ermöglichen weltweite Transaktionen ohne Banken

Geldtransaktionen nach Zimbabwe, Japan, Tadschikistan oder einfach nur zum Nachbarn können mit Kryptowährungen einfach von Person zu Person, von Smartphone zu Smartphone, abgewickelt werden – und das 24 Stunden am Tag. Der Umweg über ein Finanzinstitut entfällt. Eine Bank wird schlicht und einfach nicht mehr gebraucht, geschweige denn Geldtransfer-Anbieter wie Western Union. Kryptowährungen machen sie obsolet. So lauten auf jeden Fall die Versprechen.

In Tat und Wahrheit sind wir noch nicht ganz so weit. Transaktionen funktionieren zwar bereits, je nach System dauern sie aber eine gewisse Zeit (bis zu mehreren Stunden). Die Handhabung von Kryptos ist ebenfalls noch nicht alltagstauglich und wenn die Blockchain hohen Belastungen ausgeliefert ist, leidet die Zuverlässigkeit (siehe Kyber-ICO). An diesen Problemen wird mit Hochdruck gearbeitet und Lösungen sind in Sichtweite (2018/2019).

A worker clears out the debris of a Western Union office after the passing of Hurricane Irma, in Havana, Cuba, Tuesday, Sept. 12, 2017. Cuban state media reported 10 deaths despite the country's usually rigorous disaster preparations. More than 1 million were evacuated from flood-prone areas. (AP Photo/Desmond Boylan)

Eine Western-Union-Filiale in Havanna nach dem Sturm Irma. Der digitale Sturm droht erst noch. Bild: AP/AP

«Aktienhandel» ohne Banken

Der Handel mit Kryptowährungen ist aufgrund seiner Schnelllebigkeit und seiner Renditen für viele Spekulanten interessanter geworden als der «normale» Aktien- oder Devisenhandel. Gehandelt wird rund um die Uhr. Einen Börsenschluss kennt die Kryptowelt nicht. Alleine in diesem Sommer sind 100 Milliarden in die Kryptowelt geflossen.

Das Portfolio wird selbst verwaltet – auch hier entfallen klassische Bankdienste. Während neue Kryptotauschbörsen bereits lukrative Geschäfte einfahren, haben die traditionellen Finanzinstitute diese Dienstleistung verschlafen.

Apropos verschlafen ...

Eingesessene Branchenleader neigen dazu, neue Technologien zu verpassen

In den Nullerjahren dominierte in den USA die Firma Blockbuster den DVD- und Videomarkt. In ihrer Blütezeit betrieb die Kette über 5000 Filialen. Doch sie verschlief das Internet. Und nicht nur das. Ihr wurde angeboten, einen kleinen DVD-Versandverleih namens Netflix für 50 Millionen zu übernehmen. Das Angebot wurde dankend abgelehnt.

Zehn Jahre später hat Blockbuster sämtliche Filialen geschlossen und versucht verzweifelt, hinter dem Branchenprimus im Streaming-Dienst Fuss zu fassen. Dieser Branchenprimus – wir wissen es alle – heisst Netflix und ist zu einem Milliardenunternehmen herangewachsen.

Die Blockbuster-Story steht exemplarisch für viele Fälle, in denen Branchenführer den digitalen Anschluss verpassten. Weitere Beispiele liessen sich für den Buchhandel, die Musikindustrie, den Detailhandel und die Reisebranche finden. Nun könnte es die Banken treffen.

FILE - In this Wednesday, June 18, 2014, file photo, Amazon CEO Jeff Bezos demonstrates the new Amazon Fire Phone, in Seattle. Amazon is buying Whole Foods in a deal valued at about $13.7 billion. The two companies have not yet detailed how their proposed union might change the experience for customers. But the deal has the potential to boost the outsized ambitions of Amazon CEO Jeff Bezos and Whole Foods chief John Mackey, each of whom has already radically altered the way Americans shop. (AP Photo/Ted S. Warren, File)

Jeff Bezos. Ein Elektrotechniker und Informatiker überfuhr den Buchhandel. Bild: AP/AP

Weil Betrug tatsächlich selten so einfach war

Die Mahnfinger der Bankiers haben aber auch ihre Berechtigung: Mit einer hübschen Webseite, ein paar tollen Versprechen (unsere Blockchain ist ganz einfach skalierbar!) und viel PR lässt sich mit einer ICO im Kryptomarkt in Moment sehr schnell sehr viel Geld verdienen. Und das ohne eine Leistung vollbracht zu haben. Betrug war selten so einfach – in diesem Business haben auch Blender gerade Hochkonjunktur.

Die Zeit wird zeigen, welche Kryptowährungen am Ende das Rennen machen. Viele Projekte werden auf der Strecke bleiben – und damit auch viele Spekulanten. Das Gemetzel ist vorprogrammiert.

Banken unterschätzen das Potential

Stefan Bichsel fragt gegenüber watson, was Kryptowährungen überhaupt seien. Ein Zahlungsmittel? Ein Anlagemittel? Dies zeigt die beschränkten (und vermutlich von Bitcoin geprägten) Kategorien, in denen klassische Banker denken.

Bei den Kryptowährungen geht es eben nicht einfach nur darum, dass man Klein Tobis Globi-Glace mit Bitcoins bezahlt. Oder dass man fünf Bitcoins auf dem Sparbüchlein lagert. Es geht um viel mehr. Denn Kryptowährungen haben sich seit der Erfindung von Bitcoin massiv weiterentwickelt.

In der Wirtschaft 4.0 und auch dem Internet der Dinge kommuniziert das Elektroauto mit der Tankanlage und die Solaranlage auf Heiri Müllers Dach mit dem Smart Grid. Dafür werden interne Vergütungssysteme benötigt, welche automatisiert Millionen von Transaktionen verwalten.

Kryptowährungen mit der Möglichkeit von Smart Contracts (z. B. Ethereum) ermöglichen dies. Statt Franken oder Dollar werden Tokens oder Coins hin- und hergeschoben. Der Umweg mit einer Bankabrechnung entfällt. Machen in zehn Jahren solche Transaktionen weltweit nur schon einen Zehntel aus, mausert sich das Geschäft mit Kryptowährungen zu einem Billiarden-Business.   

Wasser predigen und selber Wein trinken

Kritik an Kryptowährungen ist mitunter auch strategisch. Männer wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon wissen um ihre Wirkung. Seine Wutrede fiel ausgerechnet in eine Zeit, als die Nerven der Spekulanten wegen den chinesischen Restriktionen sowieso schon blank lagen. Möglich, dass die Bank, die 2014 wegen Kursmanipulationen zusammen mit anderen Mittätern zu einer Milliardenbusse verdonnert worden war, sich dies zu Nutze machte.

Sicher ist: JP Morgan gehört zur EEA, zur Enterprise Ethereum Alliance. Salopp bezeichnet ist die EEA ein Ether-Fanclub von Fortune-500-Firmen. Ether ist der grösste Konkurrent von Bitcoin.

Die Launch-Member der EEA: JP Morgan ist mit dabei. Die UBS auch.

Weil Kryptos tatsächlich noch immer eine Hochrisikospekulation sind

Im Moment sind viele Kryptoprojekte nicht mehr als Versprechen. Versprechen, welche nach heutigem Stand der Technik nicht eingelöst werden können. Zwar ist die Szene zuversichtlich, viele dieser Hürden zu nehmen, sicher ist allerdings nichts.

Neben den technischen Herausforderungen drängen sich mit der steigenden Popularität immer mehr auch Fragen zur Regulierung auf. Nie war Steuerhinterziehung einfacher als mit Kryptowährungen. Nie war Geldwäsche einfacher. Nie war Betrug einfacher. Mit welchen Massnahmen will man diese Probleme in den Griff kriegen? Und wie sehr schneidet man damit ins Fleisch der Kryptos?

China hat einen ersten Schritt getan und ICOs und Onlinebörsen verboten. Und schon mehren sich die Gerüchte, dass es nicht dabei bleiben soll. Restriktionen in grösserem Umfang seien geplant.

Dies alles macht eine Investition in Kryptowährungen zum Hochrisikospiel. Es könnte sich lohnen. Vielleicht aber auch nicht.

Solltest du dich jetzt entschliessen, in Kryptowährungen zu investieren, dann empfiehlt sich die Lektüre des folgenden Artikels:

Rio ist quasi pleite. Drogengangs machen sich dies zu Nutze

Video: srf

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

32
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hauswurz 21.09.2017 16:51
    Highlight Weiss jemand, wieviel Prozent der Bitcoin-Besitzenden Frauen sind?
    1 0 Melden
    • raphe qwe 21.09.2017 23:01
      Highlight Wahrscheinlich weit aus weniger als 50%. Aber das gute an den Kryptos ist, dass niemand weiss wer der Besitzer genau ist ;)
      1 0 Melden
    • road¦runner 21.09.2017 23:41
      Highlight Nein, da Bitcoin anonym funktioniert.
      0 0 Melden
    • Midnight 22.09.2017 07:36
      Highlight Da Bitcoin-Inhaber anonym sind, dürfte das sehr schwer zu eruieren sein...
      0 0 Melden
  • Jokerf4ce 21.09.2017 12:45
    Highlight Mimimi die armen Bankster können gar keine Geschäfte mit dem Geld anderer machen, die Armen...
    12 3 Melden
  • fonte 20.09.2017 21:25
    Highlight Kommte es nur mir so vor oder sind die Leute Kryptowährungen kaufen die neuen Veganer? Jeder missioniert wie ein Verrückter und will jeden überzeugen
    19 4 Melden
  • CASSIO 20.09.2017 21:20
    Highlight wie heute finanzen.net zu entnehmen ist, hat jpm soeben kräftig in bitcoin investiert. offenbar war dimons wutrede nur dazu da, um die kurse für den einstieg zu senken. deshalb: never trust a banker!
    25 0 Melden
  • TactixX 20.09.2017 21:15
    Highlight Irgendwie ists verdächtig ruhig um @Triumvir geworden...
    6 0 Melden
  • salamandino 20.09.2017 14:49
    Highlight Wie auch immer. Die Devise bleibt:

    Just HODL it!
    32 2 Melden
    • HAL9000 20.09.2017 16:22
      Highlight #hodl #tothemoon
      14 1 Melden
    • Jokerf4ce 21.09.2017 12:47
      Highlight #HODL
      5 0 Melden
    • Dagobart 22.09.2017 01:02
      Highlight Yes #hodl ...long live the blockchain 😎
      2 0 Melden
  • Duscholux 20.09.2017 14:25
    Highlight JP Morgan hat übrigens als der Kurs tief war letzte Woche ganz viel Bitcoins gekauft. Tja.
    37 0 Melden
    • Mikki 20.09.2017 15:35
      Highlight Und das weisst du weil...? Du sein Kumpel bist
      6 31 Melden
    • HAL9000 20.09.2017 16:22
      Highlight Stand doch in der Presse...
      18 0 Melden
  • Commander 20.09.2017 14:14
    Highlight Irgendwann muss mir mal jemand erklären, ob so eine Kryptowährung etwas zum Investieren ist, wobei man einen Wertzuwachs und Renditen erwartet (warum nimmt der Wert zu? Gibt es eine reale Substanz oder einen Ertragswert?) oder eben eine Währung, die keinen grösseren Schwankungen unterliegen soll und als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel dient. Ich verstehe, dass es für Kryptos viele weitere Anwendungen gibt und diese in Zukunft effektiv für vieles verwendet werden könnten, aber mein Interesse ist noch nicht geweckt.
    9 0 Melden
    • Flexon 20.09.2017 16:12
      Highlight @ Commander
      Wenn du risikofreudig bist, sind Kryptowährungen sicherlich interessant. Ethereum z.B. plant einen Proof of Stake Verifizierungsmechanismus einzuführen (in ca. 1-2 Jahren). Damit erhält man quasi zur potentiellen Wertsteigerung der Währung auch eine Art Zins, der sicherlich höher liegen wird, als der heute übliche Bankenzins. Ein Nebeneffekt: Transaktionen brauchen fast keinen Strom mehr. Ich rechne deshalb mit einer 10x von Ether in den nächsten Jahren. Es ist diesbezüglich eben spannender, wenn man sich früher dafür interessiert :)
      7 2 Melden
    • HAL9000 20.09.2017 16:24
      Highlight Wenn du es wissen willst gibt es genug Quellen die dir die nötigen Infos liefern.
      Hab dich nicht so ;)
      6 2 Melden
  • Dubio 20.09.2017 13:16
    Highlight Erfrischend differenzierter Artikel zum Thema. Gratulation!
    39 1 Melden

Jeff Bezos, reichster Mann auf dem Planeten und «schlechtester Chef der Welt»

Er begann als kleiner E-Book-Händler. Jetzt ist er der reichste Mensch der Welt, der Imperator der Tech-Welt, ein Elon Musk auf Steroiden. Jeff Bezos wird mit Amazon wohl bald Apple als wertvollstes Unternehmen ablösen. Doch wie ist das möglich?

Der Gründer und Chef von Amazon ist vieles: Visionär, Multi-Milliardär, Ausbeuter. Investoren-Legende Warren Buffett preist Jeff Bezos als den «grössten Unternehmer unserer Zeit». Die Gewerkschaften sehen in ihm den «Weltmeister im Steuervermeiden».

Reichster Mensch der Welt ist Bezos bereits. Aber das ist ihm nicht genug. Sein Tech-Imperium entwickelt wiederverwendbare Raumfahrt-Raketen, verkauft Gesichtserkennungssoftware an Polizisten oder produziert Oskar-gekrönte Filme. Die …

Artikel lesen