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So soll sie einmal aussehen: die Monaco-Karte
So soll sie einmal aussehen: die Monaco-Kartebild: mona.co
Krypto-Blog

Der Fall einer Schweizer Kryptokreditkarte zeigt den Irrsinn des Kryptomarktes perfekt

07.09.2017, 11:2103.04.2018, 16:51

Noch sind es erste Gehversuche, doch langsam fassen sie Fuss: Debit- und Kreditkarten für Kryptowährungen. Mit ihnen ist es möglich, im Migros, im Coop und am Kiosk ein Päckli Kaugummi mit Bitcoins, Ether oder Litecoins und Co. zu bezahlen.

So kauft der Nerd ein Bier: Mit einer Krypto-Debitkarte

Der Kampf um die Vorherrschaft in diesem Segment ist in vollem Gang. Es geht nicht einfach um viel Geld. Es geht um astronomische Summen. Auf diesem Schlachtfeld an vorderster Front mit dabei ist auch eine Schweizer Firma: Die Monaco Technology GMBH, eine Zuger Briefkastenfirma mit Entwicklerteam in Hongkong und Singapur, mit ihrer «Monaco Card».

Über Nacht zum Hype

Das Projekt «Monaco Card» tauchte quasi über Nacht in diesem Sommer auf. Man habe im «getarnten Modus» gearbeitet, heisst es von Seiten der Firma. Mit aggressivem Marketing wurde die eigene ICO beworben. Eine ICO (Initial Coin Offering) bietet Investoren eine erste Möglichkeit, Coins oder Token eines entsprechenden Produktes zu erwerben. Im Moment sind ICOs der letzte Schrei im Kryptowährungs-Investment – und sie sind seit wenigen Tagen in China verboten.

Die Monaco-Token gingen weg wie warme Semmeln. Rund 25 Millionen Dollar in der Kryptowährung Ether wurden eingenommen. Das Versprechen, eine weltweit einsetzbare Krypto-Debitkarte herauszugeben, liess die Spekulanten frohlocken. Als kurz darauf der Token auf chinesischen Onlinebörsen handelbar wurde, erfolgte ein erster Kursschub.

Mit ein Grund für den Erfolg war, dass Monaco Technology kommunizierte, man werde sich darum bemühen, den Status eines VISA-Programm-Managers zu erhalten. Eine Zusammenarbeit mit dem Kartengiganten wäre ein deutlicher Marktvorteil.

Apropos Marktvorteil: Was man für 1 Million in der Schweiz (Minihäuschen) und anderswo in Europa kriegt (stattliche Villen).

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Häuser und Villen für 1 Million Franken – in Europa
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So richtig Fahrt nahm der Kurs des Monaco-Tokens auf, als für den 31. August wichtige Neuigkeiten versprochen wurden. Die Gerüchteküche im renditenerblendeten Markt brodelte über. Auf Reddit tauchten Grafiken der Kreditkarten mit VISA-Logo auf – Quelle: unbekannt. Fotos der App mit VISA-Logos, angeblich vom Monaco-CEO getwittert, machten die Runde. Quelle erneut: unbekannt.

Gleichzeitig wurden auf Reddit diverse sehr wohlgesonnene Beiträge zu Monaco veröffentlicht. Auffällig dabei: Die Verfasser dieser Beiträge waren keine alteingesessenen Redditoren, sondern Leute, die ihren Account erst kurz zuvor – anscheinend nur für diesen Eintrag – eröffnet hatten. Der Verdacht der Manipulation liegt nahe.

Ein Reddit-User glaubt, das Monaco-Subreddit sei ein gutes Beispiel dafür, weshalb es mehr Regulierung im Anarcho-Markt der Kryptowährungen brauche. Dem SEC (US-Börsenaufsichtsbehörde) und dem Kongress würden dieses Subreddit dereinst als Exempel dienen.
Ein Reddit-User glaubt, das Monaco-Subreddit sei ein gutes Beispiel dafür, weshalb es mehr Regulierung im Anarcho-Markt der Kryptowährungen brauche. Dem SEC (US-Börsenaufsichtsbehörde) und dem Kongress würden dieses Subreddit dereinst als Exempel dienen.bild: screenshot reddit

In offiziellen Statements von Monaco Technology hiess es zwar immer, der Deal mit VISA sei noch nicht in trockenen Tüchern. Man werde, sobald es soweit sei, diesen sogleich kommunizieren. Die Lawine an Spekulationen liess sich aber nicht mehr stoppen.

Dass später auf einer Landing-Page der Monaco-App kurzfristig VISA-Logos auftauchten, war allerdings auch nicht hilfreich. 

Der Kurs stieg. Und steigt der Kurs einer Kryptowährung signifikant, setzt in der Szene öfters das Phänomen FOMO ein: die Angst, etwas zu verpassen (Fear of missing out). Im Goldrausch springen Hobbyinvestoren blindlings auf Projekte auf, ohne sich zuvor zu informieren. Wer hat denn noch Zeit, sich einzulesen, wenn sich der Kurs innerhalb von wenigen Minuten verdoppelt?

Im Fall von Monaco stieg er um über 2000 Prozent in einem Monat. Plötzlich war der zuvor vielen unbekannte Token an grossen Kryptobörsen der meistgehandelte. Die Hobbyinvestoren rieben sich die Hände. Sie glaubten, auf das richtige Pferd gesetzt zu haben.

Dann sickerte durch, dass das Team Ende August «nur» die App und keinen VISA-Deal präsentieren werde. So schnell der Preis zuvor gestiegen war, so schnell fiel er auch wieder. Und zwar so schnell, dass viele Spekulanten Panikverkäufe tätigten und mit grossen Verlusten zurückblieben.

Der Kurs von Monaco. Lange tat sich nichts, dann setzte der Hype ein und der Preis stieg kurzfristig um 2000 Prozent. Danach erfolgten die Panikverkäufe.
Der Kurs von Monaco. Lange tat sich nichts, dann setzte der Hype ein und der Preis stieg kurzfristig um 2000 Prozent. Danach erfolgten die Panikverkäufe.bild: screenshot bittrex

Wenn es zu Verlusten kommt, wird ein Schuldiger gesucht. Vor allem im offiziellen Subreddit von Monaco liessen viele enttäuschte Spekulanten ihrem Frust freien Lauf. Das Projekt sei ein Betrug. Man habe zu viel versprochen. CEO Marszalek habe mit dem Retweet falscher Informationen noch Öl ins Feuer gegossen. 

«Ich bin im Hype auf dem Höchststand eingestiegen. Ich weiss nun, wie dumm ich war. Aber ich bin neu im Kryptogeschäft.»

Der angefeindete CEO bestreitet im Gespräch mit watson die Vorwürfe. Er habe kein Interesse, den Wert des Monaco-Tokens künstlich in die Höhe zu treiben: «Wir haben dadurch deutlich an Schwung verloren.». Bei der Kommunikation zum VISA-Programm seien hingegen Fehler passiert: «Wir mussten kommunizieren, dass wir diese Zusammenarbeit anstreben – sonst ist es schwierig unser Produkt zu erklären. Nachträglich wäre es aber besser gewesen, den Zeitraum für die VISA-Bestätigung offen zu lassen. Wir hätten sagen sollen, die Bestätigung kommt irgendwann im Jahr 2017.»

Den Vorwurf, er habe mit seinem Retweet der geleakten VISA-Logos die Gerüchteküche noch zusätzlich angeheizt, will er nicht gelten lassen. «Tatsächlich ist dieser Vorfall äusserst unglücklich und wir bedauern ihn sehr. Wir hätten uns besser absichern sollen, dass so etwas nicht passiert – ich musste aber innerhalb von Minuten reagieren.»

«Pump and dump»

Der Fall der Monaco-Karte steht exemplarisch dafür, was sich momentan im Kryptomarkt, einem unberechenbaren anonymen Haifischbecken, tagtäglich ereignet. Es ist der perfekte Tummelplatz für Abzocker und Betrüger. Wer am Ende für den kurzfristigen Höhenflug mit anschliessendem Absturz verantwortlich ist, wissen nur die Beteiligten. «Pump and dump» nennt sich diese Praxis.

Das Beispiel KORE-Coin

Ein klassisches «Pump & Dump»-Bild. Es gibt keinen produktbezogenen Grund, weshalb sich der Kurs von KORE zwischen Juli und September viermal verdoppelte und viermal wieder halbierte. Der eigentliche Grund ist Marktmanipulation. 
Ein klassisches «Pump & Dump»-Bild. Es gibt keinen produktbezogenen Grund, weshalb sich der Kurs von KORE zwischen Juli und September viermal verdoppelte und viermal wieder halbierte. Der eigentliche Grund ist Marktmanipulation. 

Angezogen von der Hoffnung auf eine schnelle Rendite, vergessen viele Glücksritter, dass ebendiese von jemandem bezahlt werden muss. Sie vergessen, dass sie im digitalen Wilden Westen zu Spielbällen von übermächtigen Gegnern werden – und bezahlen ihre Erfahrungen mit ihren Ersparnissen. Statt langfristig zu denken, wird blind spekuliert.

Man kann Monaco Technology unterstellen, den Hype befeuert zu haben. Mindestens das Wort «unbedarft» muss sich die Firma gefallen lassen. Viele Projekte im Kryptomarkt bestehen nur aus einer schönen Homepage und einer Vision – ein brauchbares Produkt können die wenigsten vorweisen. Immerhin hat Monaco bereits eine App veröffentlicht. Ob, wie versprochen, in nächster Zeit die Kreditkarten verschickt werden, wird sich zeigen. Sollte es dazu kommen, werden sich die Panikverkäufer noch ein zweites Mal ärgern. In diesem Fall über sich selbst.

Disclaimer: Der Autor besitzt keine Tokens oder Coins von Monaco Technology und auch keine von einem direkten Konkurrenten.

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