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Schliesst Ende September seine Handelsplattform für Kryptowährungen: BTCC aus China.
Schliesst Ende September seine Handelsplattform für Kryptowährungen: BTCC aus China.Bild: EPA/EPA
Krypto-Blog

7 Gründe, weshalb alte Banker (zum Teil gerechtfertigt) gegen Kryptowährungen stänkern

20.09.2017, 12:4103.04.2018, 16:53

Jamie Dimon, CEO von JP Morgan, lästerte kürzlich vor Investoren, Bitcoin sei ein «Betrug». Etwas diplomatischer, aber ebenfalls kritisch, äusserte sich Stefan Bichsel, der Generaldirektor der Banque Cantonale Vaudoise, gegenüber watson. Für seine Kunden seien Bitcoins kaum ein Thema:

«Ich halte das für eine vorübergehende Mode. Was sind Kryptowährungen überhaupt? Ein Zahlungsmittel? Ein Anlagemittel? Im Alltag haben sie überhaupt noch keine Relevanz. Offenbar wickelt man damit im Darknet kriminelle Geschäfte ab. Sollten Bitcoin & Co. tatsächlich eine kritische Masse erreichen, dann müssen sie auch reguliert werden.»
Stefan Bichsel gegenüber watson

Weshalb mögen klassische Banker Kryptowährungen nicht? Sie haben gute Gründe:

Kryptowährungen ermöglichen weltweite Transaktionen ohne Banken

Geldtransaktionen nach Zimbabwe, Japan, Tadschikistan oder einfach nur zum Nachbarn können mit Kryptowährungen einfach von Person zu Person, von Smartphone zu Smartphone, abgewickelt werden – und das 24 Stunden am Tag. Der Umweg über ein Finanzinstitut entfällt. Eine Bank wird schlicht und einfach nicht mehr gebraucht, geschweige denn Geldtransfer-Anbieter wie Western Union. Kryptowährungen machen sie obsolet. So lauten auf jeden Fall die Versprechen.

In Tat und Wahrheit sind wir noch nicht ganz so weit. Transaktionen funktionieren zwar bereits, je nach System dauern sie aber eine gewisse Zeit (bis zu mehreren Stunden). Die Handhabung von Kryptos ist ebenfalls noch nicht alltagstauglich und wenn die Blockchain hohen Belastungen ausgeliefert ist, leidet die Zuverlässigkeit (siehe Kyber-ICO). An diesen Problemen wird mit Hochdruck gearbeitet und Lösungen sind in Sichtweite (2018/2019).

Eine Western-Union-Filiale in Havanna nach dem Sturm Irma. Der digitale Sturm droht erst noch.
Eine Western-Union-Filiale in Havanna nach dem Sturm Irma. Der digitale Sturm droht erst noch.Bild: AP/AP

«Aktienhandel» ohne Banken

Der Handel mit Kryptowährungen ist aufgrund seiner Schnelllebigkeit und seiner Renditen für viele Spekulanten interessanter geworden als der «normale» Aktien- oder Devisenhandel. Gehandelt wird rund um die Uhr. Einen Börsenschluss kennt die Kryptowelt nicht. Alleine in diesem Sommer sind 100 Milliarden in die Kryptowelt geflossen.

Das Portfolio wird selbst verwaltet – auch hier entfallen klassische Bankdienste. Während neue Kryptotauschbörsen bereits lukrative Geschäfte einfahren, haben die traditionellen Finanzinstitute diese Dienstleistung verschlafen.

Apropos verschlafen ...

Eingesessene Branchenleader neigen dazu, neue Technologien zu verpassen

In den Nullerjahren dominierte in den USA die Firma Blockbuster den DVD- und Videomarkt. In ihrer Blütezeit betrieb die Kette über 5000 Filialen. Doch sie verschlief das Internet. Und nicht nur das. Ihr wurde angeboten, einen kleinen DVD-Versandverleih namens Netflix für 50 Millionen zu übernehmen. Das Angebot wurde dankend abgelehnt.

Zehn Jahre später hat Blockbuster sämtliche Filialen geschlossen und versucht verzweifelt, hinter dem Branchenprimus im Streaming-Dienst Fuss zu fassen. Dieser Branchenprimus – wir wissen es alle – heisst Netflix und ist zu einem Milliardenunternehmen herangewachsen.

Die Blockbuster-Story steht exemplarisch für viele Fälle, in denen Branchenführer den digitalen Anschluss verpassten. Weitere Beispiele liessen sich für den Buchhandel, die Musikindustrie, den Detailhandel und die Reisebranche finden. Nun könnte es die Banken treffen.

Jeff Bezos. Ein Elektrotechniker und Informatiker überfuhr den Buchhandel.
Jeff Bezos. Ein Elektrotechniker und Informatiker überfuhr den Buchhandel.Bild: AP/AP

Weil Betrug tatsächlich selten so einfach war

Die Mahnfinger der Bankiers haben aber auch ihre Berechtigung: Mit einer hübschen Webseite, ein paar tollen Versprechen (unsere Blockchain ist ganz einfach skalierbar!) und viel PR lässt sich mit einer ICO im Kryptomarkt in Moment sehr schnell sehr viel Geld verdienen. Und das ohne eine Leistung vollbracht zu haben. Betrug war selten so einfach – in diesem Business haben auch Blender gerade Hochkonjunktur.

Die Zeit wird zeigen, welche Kryptowährungen am Ende das Rennen machen. Viele Projekte werden auf der Strecke bleiben – und damit auch viele Spekulanten. Das Gemetzel ist vorprogrammiert.

Banken unterschätzen das Potential

Stefan Bichsel fragt gegenüber watson, was Kryptowährungen überhaupt seien. Ein Zahlungsmittel? Ein Anlagemittel? Dies zeigt die beschränkten (und vermutlich von Bitcoin geprägten) Kategorien, in denen klassische Banker denken.

Bei den Kryptowährungen geht es eben nicht einfach nur darum, dass man Klein Tobis Globi-Glace mit Bitcoins bezahlt. Oder dass man fünf Bitcoins auf dem Sparbüchlein lagert. Es geht um viel mehr. Denn Kryptowährungen haben sich seit der Erfindung von Bitcoin massiv weiterentwickelt.

In der Wirtschaft 4.0 und auch dem Internet der Dinge kommuniziert das Elektroauto mit der Tankanlage und die Solaranlage auf Heiri Müllers Dach mit dem Smart Grid. Dafür werden interne Vergütungssysteme benötigt, welche automatisiert Millionen von Transaktionen verwalten.

Kryptowährungen mit der Möglichkeit von Smart Contracts (z. B. Ethereum) ermöglichen dies. Statt Franken oder Dollar werden Tokens oder Coins hin- und hergeschoben. Der Umweg mit einer Bankabrechnung entfällt. Machen in zehn Jahren solche Transaktionen weltweit nur schon einen Zehntel aus, mausert sich das Geschäft mit Kryptowährungen zu einem Billiarden-Business.   

Wasser predigen und selber Wein trinken

Kritik an Kryptowährungen ist mitunter auch strategisch. Männer wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon wissen um ihre Wirkung. Seine Wutrede fiel ausgerechnet in eine Zeit, als die Nerven der Spekulanten wegen den chinesischen Restriktionen sowieso schon blank lagen. Möglich, dass die Bank, die 2014 wegen Kursmanipulationen zusammen mit anderen Mittätern zu einer Milliardenbusse verdonnert worden war, sich dies zu Nutze machte.

Sicher ist: JP Morgan gehört zur EEA, zur Enterprise Ethereum Alliance. Salopp bezeichnet ist die EEA ein Ether-Fanclub von Fortune-500-Firmen. Ether ist der grösste Konkurrent von Bitcoin.

Die Launch-Member der EEA: JP Morgan ist mit dabei. Die UBS auch.
Die Launch-Member der EEA: JP Morgan ist mit dabei. Die UBS auch.

Weil Kryptos tatsächlich noch immer eine Hochrisikospekulation sind

Im Moment sind viele Kryptoprojekte nicht mehr als Versprechen. Versprechen, welche nach heutigem Stand der Technik nicht eingelöst werden können. Zwar ist die Szene zuversichtlich, viele dieser Hürden zu nehmen, sicher ist allerdings nichts.

Neben den technischen Herausforderungen drängen sich mit der steigenden Popularität immer mehr auch Fragen zur Regulierung auf. Nie war Steuerhinterziehung einfacher als mit Kryptowährungen. Nie war Geldwäsche einfacher. Nie war Betrug einfacher. Mit welchen Massnahmen will man diese Probleme in den Griff kriegen? Und wie sehr schneidet man damit ins Fleisch der Kryptos?

China hat einen ersten Schritt getan und ICOs und Onlinebörsen verboten. Und schon mehren sich die Gerüchte, dass es nicht dabei bleiben soll. Restriktionen in grösserem Umfang seien geplant.

Dies alles macht eine Investition in Kryptowährungen zum Hochrisikospiel. Es könnte sich lohnen. Vielleicht aber auch nicht.

Solltest du dich jetzt entschliessen, in Kryptowährungen zu investieren, dann empfiehlt sich die Lektüre des folgenden Artikels:

Rio ist quasi pleite. Drogengangs machen sich dies zu Nutze

Video: srf
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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Dubio
20.09.2017 13:16registriert Januar 2014
Erfrischend differenzierter Artikel zum Thema. Gratulation!
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Duscholux
20.09.2017 14:25registriert Oktober 2016
JP Morgan hat übrigens als der Kurs tief war letzte Woche ganz viel Bitcoins gekauft. Tja.
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salamandino
20.09.2017 14:49registriert September 2017
Wie auch immer. Die Devise bleibt:

Just HODL it!
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