Wirtschaft
Digital

«Die Schweiz hat die Chance, weltweit führend bei der Blockchain zu werden»

Der Bitcoin Code auf einem Tablet des Kunden, welches bei einer Bitcoin Transaktion verwendet wird, anlaesslich der ersten Bitcoin Transaktion in einer Stadtverwaltung am Freitag, 1. Juli 2016, in der ...
Bitcoin basiert auf der Blockchain-Technologie. Sie erlaubt zum Beispiel anonyme, sichere Transaktionen in Echtzeit ohne Umwege über Banken oder Kreditkartenfirmen.Bild: KEYSTONE

«Die Schweiz hat die Chance, weltweit führend bei der Blockchain zu werden»

Programmierer, Jungunternehmer und Forscher arbeiten an einer Blockchain 2.0, die mehr Funktionen bietet und die Schwächen der digitalen Währung Bitcoin ausmerzen soll. Ihre Anwendungsmöglichkeiten gehen weit über ein Zahlungssystem hinaus.
08.01.2017, 21:2309.01.2017, 09:53
Mehr «Wirtschaft»

Zahlreiche Start-ups arbeiten in der Schweiz an Blockchain-Anwendungen. «Die Schweiz ist beim Thema Blockchain schon weit und hat die Chance, weltweit führend zu werden», sagt Daniel Gasteiger, Mitgründer des Startups Nexussquared.

Im «Kryptovalley» in Zug, wo über zwanzig Start-ups angesiedelt sind, seien schon wertvolle Erfahrungen gesammelt worden. So akzeptiert die Stadt beispielsweise auch Bitcoin als Zahlungsmittel. Zug ist unter anderem der Sitz der Ethereum Foundation, die die weitverbreitete Blockchain-Plattform Ethereum entwickelt. Auch in Zürich tun sich Jungfirmen rund um das Thema Blockchain zusammen.

Drei entscheidende Vorteile zeichnen das neue Blockchain-System aus: Erstens können Transaktionen in Echtzeit abgewickelt werden. Zweitens erfolgen sie anonym und drittens braucht es für dafür keine Z ...
Drei entscheidende Vorteile zeichnen das neue Blockchain-System aus: Erstens können Transaktionen in Echtzeit abgewickelt werden. Zweitens erfolgen sie anonym und drittens braucht es für dafür keine Zwischenhändler wie Banken oder Kreditkarteninstitute.bild: watson/shutterstock quelle: spiegel

Mit der Blockchain verbindet Gasteiger die gleichen Werte wie mit der Schweiz: Sicherheit, Neutralität, Stabilität, Demokratie und Datenschutz. Indem die Blockchain Transaktionen direkt zwischen Personen und ohne einen Mittelsmann erlaube, ermächtige sie Individuen – so wie es das politische System der Schweiz auch tue.

Die Schweiz bringe zudem wichtige Voraussetzungen mit, um der Technologie einen Schub zu verleihen: Ein Netzwerk an Blockchainunternehmen und hervorragenden Hochschulen, die ebenfalls zur Blockchain forschen.

Die Förderung von Blockchain werde dem Land umgekehrt zugute kommen, sagt Gasteiger. Denn nicht nur die Schweizer Finanzindustrie, sondern auch andere wichtige Branchen wie die Pharma- oder die Uhrenindustrie könnten davon profitieren.

Unternehmen setzen auf Blockchain

Inzwischen sind auch einige Konzerne auf die Blockchain-Technologie aufmerksam geworden. Die Grossbanken UBS und Credit Suisse sowie die Versicherungen Swiss Re und Zurich haben sich entsprechenden internationalen Konsortien zur Entwicklung von Standards und Anwendungen angeschlossen.

Blockchain-Anwendungen für Unternehmen bietet etwa der US-Technologiekonzern IBM an. Bei Schweizer Unternehmen stellt IBM ein grosses Interesse an solchen Systemen und Lösungen fest. Fast wöchentlich kämen neue Anfragen, sagt Urs Karrer, Leiter Digital Consulting bei IBM Schweiz.

Einerseits würden strategische Überlegungen die Kunden motivieren. Denn durch zunehmende Konkurrenz, zum Beispiel durch Start-ups innerhalb und ausserhalb der Branche, werden etablierte Unternehmen gefordert, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Andererseits wollen sie mit der Blockchain ihre Prozesse, Kosten und Risiken optimieren.

Neben Finanzdienstleistern setzten vermehrt auch Unternehmen aus anderen Branchen auf die Technologie, beispielsweise aus der Pharmaindustrie oder der Logistik. Vieles sei derzeit zwar noch in der Anfangsphase. Allerdings sollen entwickelte Konzepte etwa im Pharma- und Bankenumfeld bereits dieses Jahr getestet werden. «2017 wird die Dynamik zunehmen», sagt Karrer.

Für den Erfolg sei letztlich wichtig, dass die Unternehmen sich mit anderen besser vernetzen könnten und so ein Ökosystem aufbauten. Denn die Blockchain-Lösung entfaltet ihre Wirkung gerade dann, wenn es über Unternehmensgrenzen hinaus geht.

China investiert in grossem Stil in die Blockchain
Die Technologie Blockchain erfährt derzeit unter Start-ups auf der ganzen Welt einen regelrechten Hype. Doch in der Start-up-Wiege Silicon Valley in Kalifornien ist es erstaunlich ruhig um das Thema. Ganz anders ist das in China.

«China hat eine wahnsinnig aktive Risikokapitalszene, die in die Blockchain investiert», sagt Mathias Bucher, Blockchain-Dozent der Luzerner Fachhochschule HSLU. So werde die Blockchain-Plattform Ethereum gefördert deren Stiftung in Zug sitzt. Auch bei Bitcoin ist China für sein starkes Engagement bekannt: Zahlreiche sogenannte Miner, die neue Bitcoin schürfen, sind dort angesiedelt.

China bietet laut Bucher auch gute Anreize, um solche Technologien zu unterstützen. Denn als grosser Produzent von IT-Hardware profitiert das Land von neuen Technologien. Anwendungen auf der Blockchain erhöhen die Nachfrage nach intelligenter Hardware.

Deshalb wolle beispielsweise Wanxiang, der grösste Autoteileproduzent in China, in den nächsten sieben Jahren 30 Milliarden Dollar in den Aufbau von Smartcitys auf Basis von Blockchain investieren.

Hingegen könnte Blockchain laut Bucher die Geschäftsmodelle grosser Silicon-Valley-Techfirmen wie Google oder Facebook bedrohen. «Ich glaube aber, dass diese intern an eigenen Blockchain-Projekten arbeiten.» Diese würden sie jedoch nicht an die grosse Glocke hängen. Sollte sich die Blockchain durchsetzen, könnten die Konzerne aber schnell reagieren - und damit die Entwicklung weiter beschleunigen. (sda)

(sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
12 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
http://bit.ly/2mQDTjX
08.01.2017 23:10registriert April 2016
Schön, dass Daniel Gasteiger schweizerische Werte mit Blockchain verbindet: "Sicherheit, Neutralität, Stabilität, Demokratie und Datenschutz" - fehlt noch: Gerechtigkeit.

"die Blockchain ermächtige Individuen - so wie es das politische System der Schweiz tue"

Solche politisch korrekte, ERMÄCHTIGENDe Blockchains werden vielleicht in der Schweiz entwickelt. Aber ihren Erfolg werden sie in den Slums von Lagos, Mumbai, Nairobai usw. unter Beweis stellen müssen. Denn dort würde das grösste Ermächtigungspotential herrschen. Dort wird sich zeigen, ob eine Blockchain ihre Versprechen halten kann.
211
Melden
Zum Kommentar
12
Warum so politisch? Wir müssen ändern, wie wir über 4-Tage-Wochen und Co. reden
Reden wir in der Schweiz über New Work, also neue Formen des Arbeitens, wird die Diskussion sofort politisch. Dabei sollten wir die Wissenschaft einfach in Ruhe dazu forschen und die Unternehmen ihre Wege finden lassen.

Ich stelle mir gerade vor, wie ich vor 50 Jahren meinen Job erledigt hätte. Alleine für diesen Artikel hätte ich mich in ein Archiv begeben müssen. Dann hätte ich mir Notizen gemacht, wäre zurück an meinen Arbeitsplatz und hätte in meine Schreibmaschine getippt. Wäre ein Tippfehler aufgetaucht, wovon ich schwer ausgehe, hätte ich das Blatt entfernen, den Fehler mit Tipp-Ex überstreichen und das Papier wieder einsetzen müssen. (So zumindest stellt man sich das als Gen Y vor.)

Zur Story