Opel-Mutterkonzern Stellantis streicht E-Autos in den USA und setzt wieder auf Verbrenner
Der Opel-Mutterkonzern Stellantis ist angesichts eines teuren Umbaus weg von seinem US-Elektroautokurs im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Nun wird die Dividende gestrichen.
Unter dem Strich erlitt die Firma einen Verlust von 19 bis 21 Milliarden Euro, wie das Unternehmen, zu dem auch die Marken Fiat, Peugeot und Chrysler gehören, am Freitag anhand vorläufiger Zahlen mitteilte. Schuld am Riesenloch ist die Kehrtwende der Elektro-Strategie, die Stellantis einen Abschreiber von 22,2 Milliarden Euro eingebrockt hat.
Trump strich E-Auto-Förderung
Knapp 15 Milliarden davon gehen drauf für die Umkehr bei Elektroautos auf dem wichtigen US-Markt. Denn der Konzern stellt Modelle ein, nachdem US-Präsident Donald Trump die Elektroautoförderung gestrichen und die Abgasrichtlinien geändert hat. Damit wird Stellantis künftig wohl weniger Geld verdienen.
Der Umsatz dürfte dagegen auf 78 bis 80 Milliarden Euro gestiegen sein. Das wäre ein Plus von 8 bis 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Der Strategieschwenk zeigt sich an den künftigen Modellen. In den USA wurde der rein elektrische Pick-up RAM 1500 gestrichen. Das Modell erhält wieder einen V8-Motor. Zurück kommt auch der Jeep Cherokee.
Aktie verliert deutlich
Die Aktie sackte kräftig ab. Zu Handelsbeginn an der Börse in Paris verlor das Papier am Freitag knapp ein Fünftel und fiel zeitweise auf ein Rekordtief. Bereits am Vortag hatte der Kurs fast sechs Prozent eingebüsst.
Für die Kehrtwende werden über die kommenden Jahre auch Auszahlungen von Finanzmitteln in Höhe von 6,5 Milliarden Euro bei Stellantis fällig – dieses Jahr will das Management daher keine Dividende an die Aktionäre ausschütten. Zudem will sich das Unternehmen frisches Geld in Höhe von bis zu 5 Milliarden Euro über die Ausgabe neuer Anleihen besorgen, um die Bilanz zu stärken.
Probleme in den USA
Die Neuordnung der Strategie kommt für den Vielmarkenkonzern (unter anderem Citroën, Fiat, Peugeot, Chrysler, Jeep, Alfa Romeo, Opel) mit seinem starken US-Standbein nicht unerwartet – die grossen US-Konkurrenten Ford und General Motors hatten ihrerseits bereits Milliarden wegen des von der US-Regierung geänderten Elektroautokurses abgeschrieben.
Stellantis trifft es allerdings in einer kritischen Phase: Der Konzern war in den USA in einen Strudel aus schwachen Verkäufen und sinkenden Preisen geraten und musste teuer gegensteuern. Ex-Chef Carlos Tavares verlor deshalb seinen Job. In Nordamerika hat das Unternehmen in der Regel den Löwenanteil seines Gewinns erzielt.
Der neue Chef Antonio Filosa sieht laut Mitteilung erste Anzeichen der Besserung: Im zweiten Halbjahr 2025 seien die Verkäufe im Jahresvergleich um 11 Prozent auf 2,8 Millionen Fahrzeuge gestiegen.
In Europa wird Stellantis mit Marken wie Citroën, Fiat, Peugeot und Opel weiter auf E-Autos setzen. In Europa haben Stromer inzwischen einen Marktanteil von 20 Prozent, während sie in den USA auf weniger als 10 Prozent kommen. Die EU macht den Verkauf neuer Verbrenner-Autos mit immer strengeren CO₂-Vorschriften zusehends unwirtschaftlich. Trump hingegen hat die Richtlinien für die Autobranche gelockert. Es gibt in den USA also keine Anreize mehr auf E-Autos zu setzen.
(sda/awp/dpa/oli)
