Wirtschaft
Energie

Sommerflüge in Gefahr: Kerosin könnte bald knapp werden

Luftverkehrsverband warnt: Im Sommer könnte das Kerosin knapp werden

17.04.2026, 11:2517.04.2026, 11:25

Der stockende Nachschub von Kerosin könnte nach Einschätzung des Luftverkehrsverbandes BDL schon bald zu spürbaren Einschnitten im Flugangebot führen. Die Branche schlägt konkrete Gegenmassnahmen vor.

«Die Sommerreisesaison steht unmittelbar bevor, das Ökosystem Tourismus ist in der Hauptreise- und Geschäftszeit bei ein- und ausreisenden Touristen auf den Luftverkehr angewiesen», warnte BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang am Freitag. Zuvor hatte die «Welt am Sonntag» darüber berichtet.

Beschädigte Anlagen

Ob und wann sich die Versorgungslage zuspitzt, hänge massgeblich von der Dauer des Iran-Kriegs ab. Selbst bei einem kurzfristigen Ende werde sich die Lage auf den Energiemärkten nur langsam entspannen.

Der Verband verweist auf Energieexperten, gemäss denen im Nahen Osten mehr als 80 Anlagen teils schwer beschädigt seien, sodass eine kurzfristige Rückkehr zum Vorkrisenniveau nicht erwartet werden könne. Die Mineralölwirtschaft gehe davon aus, dass noch für längere Zeit 20 Prozent der globalen Öl-Kapazität nicht verfügbar seien.

Ersatz für Importe aus Nahost gesucht

Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge könnte Kerosin in Teilen Europas wegen der Lage in der Strasse von Hormus in den kommenden Wochen knapp werden. «Mehrere europäische Länder könnten in den kommenden sechs Wochen einer beginnenden Knappheit von Kerosin gegenüberstehen», hiess es am Vortag von der in Paris ansässigen IEA.

Dies hänge davon ab, wie viel der eingebüssten Lieferungen aus dem Mittleren Osten Länder durch andere Importe wettmachen könnten. Bislang seien 75 Prozent der europäischen Kerosin-Nettoimporte aus dem Mittleren Osten gekommen.

Ersatz kommt bislang vor allem aus den USA, so der BDL. Die Lieferungen könnten allerdings bislang nur rund die Hälfte der ausfallenden Mengen ersetzen. Es drohten niedrige Bestände und ein enger Markt über den Sommer hinaus.

Airlines reagieren jetzt schon

Der BDL verweist auf Zahlen des Energieverbands en2x, nach denen 2024 von den rund 9 Millionen Tonnen in Deutschland abgesetzten Kerosins rund 5,9 Millionen Tonnen importiert wurden. In deutschen Raffinerien seien 4,8 Millionen Tonnen hergestellt worden, von denen noch 1,6 Millionen Tonnen exportiert worden seien.

Die Fluggesellschaften haben bereits reagiert. Airlines wie KLM oder SAS haben unrentable Flüge aus dem Programm genommen. Der Lufthansa-Konzern lässt 27 Flugzeuge der Regionaltochter Cityline stehen und will weitere Spritfresser zum Winterflugplan ab Ende Oktober aus der Flotte streichen. Der zur Lufthansa-Gruppe gehörende Schweizer Ferienflieger Edelweiss streicht Flüge. Der BDL sieht derartige Massnahmen als ersten Schritt.

An konkreten Gegenmassnahmen schlägt der Verband eine enge staatliche Überwachung der vorhandenen Kerosinmengen vor. Zudem sollten nationale und europäische Reserven freigegeben werden. Helfen könnten auch zusätzliche Durchleitungsrechte für die sogenannte Nato-Pipeline, um die Flughäfen in Frankfurt, Köln, München und Zürich besser versorgen zu können. (sda/awp/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Iran-Krieg in Bildern
1 / 30
Iran-Krieg in Bildern

Menschen heben bei einer Demonstration in Tel Aviv die Hände, um ein Ende des Krieges zu fordern.

quelle: keystone / maya levin
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Trump zur Zerstörung im Iran
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
6 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
6
US-Zölle und teurer Stellenabbau: Bosch meldet zum ersten Mal seit 2009 Verlust
Die Milliardenkosten für den Stellenabbau und die US-Zölle haben den deutschen Technologiekonzern Bosch vergangenes Jahr tief in die roten Zahlen gedrückt. Das Ergebnis nach Steuern lag bei minus 400 Millionen Euro, wie Finanzchef Markus Forschner bei der Bilanzvorlage im Renningen sagte.
Zur Story