Wirtschaft
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ETH-Studie: Sonderstellung der Schweiz bis 2020 vorbei

Die Schwächung der Gewerkschaften drückt auf die Lohnquote der Schweiz



JAHRESRUECKBLICK 2013 - SCHWEIZ - Professor Dr. Rolf Pfeifer, Direktor des Artificial Intelligence Laboratory, schuettelt dem vom Artificial Intelligence Laboratory der Universitaet Zuerich entwickelten Roboter ROBOY die Hand, am Mittwoch, 27. Februar 2013 in Zuerich. Technologisches Know-How von ueber 15 Projektpartnern aus Industrie und Forschung haben

Der Computer könnte Arbeitsplätze gefährden Bild: KEYSTONE

In der Schweiz ist der Anteil der Löhne am Gesamteinkommen in den letzten 30 Jahren konstant geblieben. In anderen entwickelten Ländern dagegen sank die so genannte Lohnquote, wie eine neue ETH-Studie aufzeigt. Die Schweiz dürfte ihre Sonderstellung jedoch bis 2020 einbüssen. 

Der Grund für die Stabilität der schweizerischen Lohnquote sei unter anderem das hohe Bildungsniveau, schrieb der Schweizerische Nationalfonds (SNF), der die Studie finanziert hat, am Dienstag in einer Mitteilung. Die Lohnquote ist der Anteil der Löhne am Gesamteinkommen der Bevölkerung. 

Computer und Internet weiter auf dem Vormarsch

Die Einnahmen, die eine Firma erwirtschaftet, werden zwischen Arbeitnehmenden (Löhne) und Kapitaleignern (Gewinne) aufgeteilt. Da Lohneinkommen in der Gesellschaft gleichmässiger verteilt sind als Kapitaleinkommen, die sich auf wenige Personen konzentrieren, deutet die Lohnquote darauf hin, wie gleich oder ungleich die Einkommen in einem Land verteilt sind. 

In der Schweiz blieb die Lohnquote von 1980 bis 2012 stabil bei 65 bis 70 Prozent, schreiben die Forscher in einem Arbeitspapier. In den allermeisten anderen OECD-Staaten ist sie dagegen gesunken – in Ländern wie Frankreich, Italien, Japan, USA oder Schweden von 65 bis 70 Prozent auf 55 bis 60 Prozent. 

Als Ursachen identifizierten die Forscher zum einen die Schwächung der Gewerkschaften, zum anderen den vermehrten Einsatz von Computern und des Internets. Dadurch würden insbesondere schlechter qualifizierte Arbeitskräfte nicht mehr gebraucht, was den Lohnanteil am Gesamteinkommen vermindere. 

Schweiz verschlief digitale Revolution

Anders als etwa Schweden oder die USA habe die Schweiz die digitale Revolution von 1980 bis zur Mitte der 1990er-Jahre verschlafen, so Siegenthaler in der Mitteilung. Nachher habe der hohe Bildungsstand der Schweiz den Effekt abgefedert: Relativ viele hoch qualifizierte Arbeitskräfte führen am Computer komplexe Tätigkeiten aus.

Die Sonderstellung der Schweiz könnte aber bald ein Ende finden. Die Forscher gehen davon aus, dass die Computerisierung der Arbeitswelt weiter fortschreitet und die Macht der Gewerkschaften noch mehr abnimmt. Daher dürfte die Lohnquote auch in der Schweiz bis ins Jahr 2020 sinken. 

Eine Verringerung der Lohnquote führe tendenziell zu einer grösseren Verteilungsungleichheit in einer Volkswirtschaft, hält der SNF fest. Dies könnte den sozialen Zusammenhalt in einer Gesellschaft schwächen. (jas/sda)

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