Frankreich löst Goldreserven in den USA auf – jedoch nicht wegen Trump
129 Tonnen Gold, das ist kein Pappenstiel. Schon gar nicht, wenn man sie über den Atlantik verfrachten muss. Die Banque de France, die französische Notenbank, hat diesen Restbestand an Goldreserven in den USA auf geschickte Weise nach Paris repatriiert.
Die Rückholkosten per Schiff oder Flugzeug über den Atlantik sind kolossal – finanziell, aber auch politisch. Deutschland zögert seit Jahren; Berlin will es mit den USA nicht verderben. Frankreich, das 2437 Tonnen Gold hortet, am viertmeisten nach den USA, Deutschland und Italien, hat weniger Gewissensbisse gegenüber den Amerikanern.
Der Gouverneur der Banque de France, François Villeroy de Galhau, begann im Juli 2025 in aller Stille, die ominösen 129 Tonnen französischen Goldes in New York nach und nach zu verkaufen. Im Januar, also sechs Monate später, hatte er die letzte Tonne Gold in den USA abgesetzt. Mit dem Erlös kaufte er in Europa ganz einfach neues Gold. Das ersparte den Transfer über den Atlantik.
Das geschickte Vorgehen hatte mehrere Vorteile. Viele der teils uralten französischen Goldbarren in den USA entsprachen nicht dem heute gültigen LBMA-Standard. Der Kauf von Gold in Europa ermöglicht die Modernisierung sämtlicher nationaler Goldbestände.
Zum Teil liess sich Villeroy de Galhau dabei vom Schweizer Vorbild inspirieren. Die Eidgenossenschaft hatte nach der Jahrtausendwende damit begonnen, ihr US-Gold zurückzuholen. 2013 war die Operation geschafft. Heute liegen 70 Prozent des Schweizer Goldes im eigenen Land, der Rest in England und in Kanada. Mit 1040 Tonnen Gold ist die Schweiz Weltnummer sieben.
Hübscher Gewinn
Frankreich kam bisher schon auf eine Goldreserve von 2437 Tonnen – und dabei bleibt es auch in Zukunft. Der wichtige und gewichtige Unterschied: Das französische Gold liegt nun zu 100 Prozent in französischen Panzerschränken. Und da Villeroy de Galhau den richtigen Zeitpunkt für den Verkauf wie auch für den Neukauf des Goldes wählte, resultiert für den gewieften Bankgouverneur angesichts der Kurshausse sogar ein hübscher Gewinn von 12,8 Milliarden Euro. Schade nur, dass der Erlös nicht in den hoch verschuldeten Staatshaushalt Frankreichs fliessen kann: Er bereinigt die Jahresrechnung der Banque de France.
Villeroy de Galhau betont, die Rückhol-Operation habe ihre Gründe nicht in der aktuellen Weltlage. Anders gesagt: Frankreich hole sein Gold nicht wegen der unvorhersehbaren Politik des US-Präsidenten Donald Trump in den sicheren Hafen zurück. Denn die Operation laufe schon seit Juli 2025.
Was aber auch stimmt: Frankreich ist seit jeher auf seine Unabhängigkeit gegenüber Onkel Sam erpicht. Diese Haltung geht bis auf Charles de Gaulle zurück. Der erste Präsident der Fünften Republik holte schon ab 1960 französisches Gold nach Hause. Zuvor hatten viele europäische und andere Staaten, darunter auch Frankreich, Goldreserven in den USA hinterlegt, um die damalige Parität von Gold und Dollar abzusichern. De Gaulle ahnte allerdings, dass der schwächelnde Dollar nicht ewig an den sicheren Goldwert gekoppelt bleiben könne. Deshalb liess er bis 1966 über 3300 Tonnen Gold aus den USA abziehen, was dem Finanzsystem von Bretton-Woods den Gnadenstoss gab. Der Dollar verlor an Wert, die Goldunze kletterte in den folgenden Jahren von 35 auf 800 Dollar und wurde zum heutigen Fluchtwert.
Auch damals deklamierte de Gaulle mit der Hand auf der Brust, er habe es mit dem Goldrückzug nicht auf den Dollar und die US-dominierte Weltfinanz abgesehen. Präsident Emmanuel Macron würde, wenn gefragt, entsprechende amerikanische Verdächtigungen ebenfalls weit von sich weisen. Tatsache bleibt, dass er seine Goldbestände in Paris besser aufgehoben glaubt als beim grossen und zunehmend unzuverlässigen Nato-Partner jenseits des Atlantiks. Sicher ist sicher – gerade heutzutage. (aargauerzeitung.ch)

