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KI-Firmen lassen Menschen ihre Arbeit filmen – um sie zu ersetzen

KI-Firmen lassen Menschen ihre Arbeit filmen – um sie durch Roboter zu ersetzen

Videos zeigen, wie indische Fabrikangestellte mit einer montierten Kamera auf der Stirn ihre Arbeitsschritte aufzeichnen müssen. Diese Daten sollen die künstliche Intelligenz füttern.
18.04.2026, 18:5818.04.2026, 18:58
Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann
Screenshot aus einem neuen Social-Media-Video, das Arbeitende in einer indischen Textilfabrik zeigt. Die Authentizität dieses Clips ist nicht bestätigt – die gezeigte Entwicklung hingegen schon.
Screenshot aus einem neuen Social-Media-Video, das Arbeitende in einer indischen Textilfabrik zeigt. Die Authentizität dieses Clips ist nicht bestätigt – die gezeigte Entwicklung hingegen schon.Bild: Screenshot Instagram

Die Frage, wie gross die Bedrohung der künstlichen Intelligenz für die menschliche Arbeit ist, treibt viele Leute um. Und ihre Ängste dürften durch Videos, wie sie derzeit auf den sozialen Medien zu sehen sind, nicht kleiner werden.

So zeigt ein neuer Clip eine Armada an indischen Arbeitern in einer Textilfabrik, vor Nähmaschinen sitzend. Was sofort ins Auge springt: Sie haben ein Stirnband an, an welchem eine Kamera montiert ist. Der Filmende kommentiert die Szene auf Hindi: «Alle tragen eine Kamera.» Obwohl die Authentizität des Videos nicht bestätigt ist, zeigt es eine Entwicklung, die in anderen, verifizierten Aufnahmen zu sehen ist: Angestellte, die ihre manuelle Arbeit filmen müssen, um mit den Daten die künstliche Intelligenz (KI) zu füttern.

Denn wenn die KI-Systeme genügend gut trainiert sind, können Roboter solche repetitiven Arbeiten übernehmen. Die ethischen Fragen, die sich dabei stellen, wurden auch von internationalen Medien aufgegriffen. Ein KI-Experte, der in einem CNN-Bericht zu Wort kommt, glaubt zum Beispiel, dass den betroffenen Angestellten nicht klar ist, wozu sie die Kameras tragen müssen und dass sie damit zur Abschaffung ihrer Jobs beitragen. Er fordert von den Firmen mehr Transparenz.

Nur: Auch mit dieser Transparenz ist fraglich, ob die Angestellten, die oftmals äusserst tiefe Löhne erhalten, sich überhaupt gegen die Aufforderung ihrer Arbeitgeber wehren könnten. So kam es zuletzt in Indien immer wieder zu gewaltsamen Protesten wegen der tiefen Saläre und der schlechten Arbeitsbedingungen.

Tatsächlich hat die Roboter-Offensive gar neue Jobprofile kreiert. So würden viele KI-Firmen derzeit Menschen auf der ganzen Welt im Stundenlohn anheuern, damit diese – ebenfalls mit einer Kamera auf der Stirn – ihre rudimentären Arbeiten im Haushalt filmen.

Die Stundenlöhner nehmen also die Tätigkeit ihrer Hände auf beim Schrubben der Küchenoberflächen, beim Wischen des Bodens, beim Schneiden von Zwiebeln oder Kartoffeln. Es handle sich dabei inzwischen um einen mehrere Milliarden Dollar schweren Sektor, berichtet CNN. Der Grund: Es würden unzählige Stunden an Filmaufnahmen benötigt, um die KI-Roboter perfekt zu trainieren, um sie später in den Verkauf bringen zu können.

«Fertigung, Fabriklager, Detailhandel, Pflegeheime, Krankenhäuser – in praktisch jeder Umgebung wird man diese Art von Daten benötigen, und das liegt daran, dass die Bewegungsabläufe überall unterschiedlich sind», sagt Arian Sadeghi, Vizepräsident der Silicon-Valley-Firma Micro1 gegenüber dem US-Nachrichtensender. Micro1 begann im vergangenen Jahr, eine eigene Armada an Filmenden zu rekrutieren. Sie sollen jede Woche mindestens 10 Stunden an Material liefern.

Micro1 hat seinen Sitz in Palo Alto, Kalifornien. Doch die 4000 Personen umfassende «Filmcrew» für die Roboter-Datensammlung befindet sich in 71 Ländern. Pro Monat erhält die Firma über 160'000 Stunden an Videomaterial zur Auswertung. Im Februar gab der US-KI-Chiphersteller Nvidia bekannt, dass auch er solche Filmaufnahmen verwenden will, damit Roboter zum Beispiel T-Shirts zusammenrollen, Spielkarten sortieren oder einen Flaschendeckel abschrauben können.

Für gut betuchte Menschen mit sicheren Jobs dürften diese Roboter irgendwann eine willkommene Entlastung im Haushalt darstellen – und futuristischen Unternehmern wie Elon Musk viel Geld in die Kassen spülen. Skeptiker rechnen hingegen mit Massenentlassungen in zahlreichen Berufsfeldern oder fürchten sich schlimmstenfalls gar vor «Terminator»-Szenarien – mit Robotern, die die Kontrolle über die Menschheit übernehmen. (aargauerzeitung.ch)

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44 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Garp
18.04.2026 19:30registriert August 2018
Wenn immer mehr Arbeitnehmen durch Roboter und KI ersetzt werden, können immer weniger Menschen etwas konsumieren. Am Schluss landen wir bei Tribute von Panem und diesen Hunger Games. Die Techmilliardäre bauen sich nicht umsonst Bunker.
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Neruda
18.04.2026 20:27registriert September 2016
Die indischen Fabrikbesitzer können ihre Arbeiter schon durch KI-Roboter ersetzen. Aber bei Millionen von arbeitslosen und verelendeten indischen Arbeitern, können sich die reichen Indern auf eine Revolution a la 1789 freuen und ihre Köpfe abgeben 😄

Man kann Menschen schon wegrationalisieren. Aber diese Menschen gehen nicht einfach weg. Wenn man sich nicht um sie kümmert eskaliert es früher oder später.
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mMn
18.04.2026 20:40registriert September 2020
Es ist eigentlich eine Schande Leute so arbeiten zu lassen... gut wird sowas von Robotern übernommen.

Was aber nicht vergessen werden darf. So viele Leute von heute auf morgen das Einkommen wegnehmen, funktioniert nicht ohne Bürgerkrieg.

Der Punkt ist, wer Kapital zur Verfügung hat, egal ob Maharratscha oder Wirtschaftskonglomerat, muss dieses so einsetzen, dass es die Leute beschäftigt und ernährt. Denn wenn nicht, werden sie sich das Kapital gewaltsam nehmen, wo immer es ist.
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