Wirtschaft
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epa08430504 French President Emmanuel Macron (L) and German Chancellor Angela Merkel (R) during a joint video press conference at the Chancellery in Berlin, Germany, 18 May 2020. France and Germany discussed Europe

Gemeinsam verkünden Angela Merkel und Emmanuel Macron das Hilfsprogramm. Bild: EPA

Analyse

Einigt das Coronavirus das zerstrittene Europa?

Der deutsch-französische Hilfsfonds ist ein Zeichen, dass die europäische Solidarität mehr ist als ein Schlagwort. Der Nationalstaat kann es nicht mehr alleine richten.



Was ist mit den Deutschen los? Jahrelang haben sie sich als die Geizkragen Europas profiliert, haben den von Schulden gebeutelten Südstaaten eine unsinnige Austeritätspolitik aufgezwungen und fürchteten vor allem einen Begriff wie der Teufel das Weihwasser: Eurobonds.

Und nun das: Bundeskanzlerin Angela Merkel verkündete letzte Woche gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron die Absicht, einen 500-Milliarden-Euro-Hilfsfonds auf die Beine zu stellen. Es handelt sich dabei um eine Art Marshall-Plan, ein Hilfsprogramm für die am Boden liegende europäische Wirtschaft.

Dank den 500 Milliarden Euro ist dieses Hilfsprogramm mehr als eine symbolische Geste. Aber nicht nur das macht es aussergewöhnlich: Erstmals ist es nicht ein einzelner Staat, der die Anleihen emittiert, es ist die EU. Etwas überspitzt kann man daher sagen: Es ist ein erster Schritt hin in Richtung Eurobonds. Und das Geld soll nicht als Darlehen verteilt werden, sondern es handelt sich um Zuschüsse, die nicht zurückbezahlt werden müssen.

Das Hilfsprogramm trifft auf erstaunlich breite Unterstützung, auch in Kreisen, wo man es nicht erwartet hätte. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder spricht in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» von einem unter den gegebenen Umständen «vertretbaren Mittel» und davon, dass es eine «europäische Lösung» brauche.

radar-reuters  HINWEIS: Dieser Beitrag wird ohne Sprechertext gesendet.
O-TON BUNDESFINANZMINISTER WOLFGANG SCHÄUBLE (CDU)

Unterstützt das Hilfsprogramm: Wolfgang Schäuble. Bild: kaltura://1789921/178992100/94000/1_ag5tfl52

Der einst als beinharter Sparonkel verschriene ehemalige Finanzminister Wolfgang Schäuble erklärte derweil in der «Welt»: «Wenn Europa noch eine Chance haben will, dann muss es jetzt Solidarität zeigen und beweisen, dass es fähig ist, zu handeln. Deutsche müssen ein überwältigendes Interesse daran haben, dass Europa wieder auf die Beine kommt.»

Olaf Scholz, Schäubles Nachfolger, spricht gar von einem «Hamilton-Moment». Was meint der deutsche Finanzminister damit?

Nach dem Krieg gegen die Engländer waren die damals 13 Staaten in Amerika hoch verschuldet. Alexander Hamilton, dem ersten Finanzminister des jungen Staates, gelang es 1790, die beiden misstrauischen Südstaatler Thomas Jefferson und James Madison zu überzeugen, gemeinsame, vom Bund gezeichnete Staatsanleihen zu emittieren.

Hamilton hat damit zwei Dinge erreicht: Er hat verhindert, dass die einzelnen Bundesstaaten, die sich spinnefeind waren, wieder auseinanderdrifteten. Und er hat die Basis für einen anhaltenden Wirtschaftsaufschwung gelegt.

Bild

Ziert heute noch die 10-Dollar-Note: Alexander Hamilton.

Davon ist das deutsch-französische Hilfsprogramm noch weit entfernt, doch die Richtung stimmt. Wie ist es zu diesem erstaunlichen Meinungsumschwung in Deutschland gekommen?

Bisher war es die Europäische Zentralbank (EZB), welche die Südstaaten über Wasser hielt. Gemäss dem legendären Motto des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi «whatever it takes» verhinderte sie Staatspleiten oder gar Austritte aus Euroland mit finanztechnischen Tricks. Die EZB sorgte so dafür, dass die Politiker nie wirklich handeln mussten.

Weil Draghi dabei jedoch nach Meinung vieler deutscher Konservativer die Grenzen seiner Kompetenzen nicht nur streifte, sondern überschritt, klagten sie ihn mehrmals ein.

Am 5. Mai nun hat das deutsche Verfassungsgericht einer dieser Klagen teilweise stattgegeben. In der Sache ist es nicht wirklich relevant – es bezieht sich auf einen Vorfall im Jahr 2015 –, aber der Wink der Verfassungsrichter war überdeutlich: Deutschland wird die Tricks der EZB nicht mehr länger dulden.

FILE - In this May 11, 2015 file photo, European Central Bank Governor Mario Draghi arrives for a meeting of the eurogroup finance ministers at the EU Council building in Brussels. Speaking Thursday at the International Monetary Fund in Washington, Draghi said the ECB’s economic stimulus program is working but needs more time to bring European inflation back to healthier levels and restore consumer and business confidence. (AP Photo/Geert Vanden Wijngaert, File)

Hat die Politik entlastet: Mario Draghi, der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank. Bild: AP/AP

Diese Botschaft ist auch bei Angela Merkel angekommen. Gegenüber der «Financial Times» spricht ein hoher deutscher Beamter von einem «Moment der Wahrheit». Es sei nun damit vorbei, dass die EZB stets die Drecksarbeit verrichte und zum Dank als Sündenbock dastehe, ergänzte er.

Nach dem 5. Mai war der Kanzlerin klar, dass sie sich dem französischen Begehren nach einem engeren Schulterschluss nicht mehr länger verweigern konnte. Deshalb schluckte Merkel die Kröte, trat gemeinsam mit Macron vor die Kameras und sprach den vielleicht historischen Satz aus: «Allein hat der Nationalstaat keine Zukunft.»

Es geht jedoch um mehr als nur um Solidarität und europäische Werte. Es besteht auch ein enormer wirtschaftlicher Leidensdruck. Europa wird in eine schwere Rezession schlittern. Für Deutschland prognostizieren die Ökonomen ein Schrumpfen des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 8 Prozent, für Frankreich 10, für Spanien 15 und für Italien gar 18 Prozent.

Einst haben die Italiener der EU mit mehr als 80 Prozent zugestimmt. Heute wird in Rom und Mailand laut über einen Austritt aus Euroland nachgedacht. Italien ist nicht nur die drittgrösste Volkswirtschaft der EU, es ist auch Mitglied von Euroland. Hält man sich vor Augen, was für enorme Schwierigkeiten der Brexit bietet, wäre ein Austritt der Italiener die reinste Katastrophe.

Dazu kommt, dass man einige Lehren aus dem Griechenland-Debakel gezogen hat. Damals hat man die Regierung gezwungen, das Tafelsilber zu verhökern, um so den Schuldenberg abzutragen. Die Chinesen liessen sich nicht zweimal bitten und rissen sich beispielsweise die griechischen Häfen unter den Nagel. Das sei ein «strategischer Fehler» gewesen, räumt Macron heute ein.

In Europa wächst das Bewusstsein, dass man sich nur gemeinsam gegen die beiden Supermächte USA und China behaupten kann. Zumindest teilweise. Die «geizigen vier» – Österreich, die Niederlande, Dänemark und Schweden – wehren sich gegen das Hilfsprogramm. Sollten Deutschland und Frankreich standhaft bleiben – und danach sieht es aus –, dann dürfte dieser Widerstand jedoch zusammenbrechen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 26.05.2020 13:36
    Highlight Highlight "Die geizigen vier"...
    Also wenigstens (Galgen-)Humor haben sie noch in der EU!
    • rodolofo 27.05.2020 07:49
      Highlight Highlight Die (vermutlich auch geizigen) sechs Blitzer haben keinen Humor...
      Eine Zusatz-Pointe!
      Hahahahaa!
  • chäsli 26.05.2020 08:27
    Highlight Highlight Merkel wirkt langsam lächerlich mit ihrem einseitigen Freundschaftsgetue an Frankreich. Diese halbe Billion die aufgenommen werden soll und alle zurückzahlen müssen, soll nach dem Willen von Italien ohne Bedingungen verteilt werden. Falls die Deutschen darauf eingehen, werden sie das bitter bereuen. In Italien steht finanziell kurz vor dem entgültigen aus.
    • misohelveticos 26.05.2020 13:25
      Highlight Highlight Da hat ein EU-Ahnungsloser nie etwas von der dt-franz. Freundschaft gehört. Die als "lächerlich" zu bezeichnen, sagt eigentlich schon alles.
      Wir Deutschen sind selber u.A. durch ein grosses Hilfsprogramm nach dem Krieg wieder zu Wohlstand gekommen. Daher werden wir es nicht bereuen, wenn die von Corona besonders getroffenen Staaten wieder hoch kommen.
      Und wie die Hilfe organisiert wird, entscheidet nicht Italien, sondern eine qualifizierte Mehr d. EU-Staaten bzw. einiges wird sogar einstimmig sein müssen.
      Chäsli - lässt man das schweizer Diminutiv weg, trifft es die Qualität d. Beitrages
    • DemonCore 27.05.2020 05:59
      Highlight Highlight Da fühlen sich einige auf den Schlips getreten ab der messerscharfen Analyse von misohelveticos, mehr als den ursprünglichen Beitrag geherzt haben auf jeden Fall.
  • Ökonometriker 26.05.2020 02:51
    Highlight Highlight Es müssen sowohl Nord- die auch Südstaaten einen Schritt machen. Der Norden hat jetzt eine Geste des guten Willens gezeigt. Jetzt sollte auch der Süden einwilligen, eine Verschuldungsgrenze zu akzeptieren. Und deren Einhalten von der EU überwachen und Fehlverhalten sanktionieren zu lassen.
    Dann hat der Euro eine goldene Zukunft.
  • WHYNOT 25.05.2020 23:28
    Highlight Highlight Nein, es sei denn Italia&Co. würde endlich nachhaltig und ohne wenn und aber zu längst fälligen Wirtschafts- und Arbeitsmarktreformen und zur rigorosen Eindämmung mafioser Strukturen verpflichtet. Desilusioniert, fehlt mir schlicht der Glaube, solange die wirtschaflic potenten EU-Nationen wie Deutschland - auch wegen Verbrechen vor 0ber 75 Jahren, zu immer neuen Zugeständnissen genötigt werden.
  • KnolleBolle 25.05.2020 21:51
    Highlight Highlight GB hat es im Nachhinein richtig gemacht und ist als zweitgrösster Geldgeber der EU draussen. Die EU wird Länder wie GR, I, E, P, und alle Ostnationrn nicht länger finanziell halten können, das ganz langsame EU Ende hat begonnen.
    • misohelveticos 26.05.2020 12:33
      Highlight Highlight Zum wievielten Male hat das Ende der EU jetzt begonnen?
      Und ob GB es richtig gemacht hat, wird man frühestens ab dem 1.1.2021 sehen können. Wenn man die Corona-Krise als Beispiel für britisches Kriesenmanagement sieht, schneidet GB schlechter ab als jedes EU-Land.
    • PaLve! 26.05.2020 19:06
      Highlight Highlight Ouvrier
      Wie bitte, Geldgeber?
      Die Briten sollen ja mal schauen wo sie dann ihre Arbeitskräfte herhaben oder ihren Müll entsorgen.
      England, Deutschland use. profitieren um einiges mehr von armen Ländern wie Bulgarien oder Rumänien als umgekehrt.
      Nur weil die mehr Geld zahlen heisst das noch lange nicht, dass die nicht davon profitieren.
  • benn 25.05.2020 19:35
    Highlight Highlight Ja logisch etwas weiterdenken bitte, ist wie damals in griechenland, das geld bekommen die länder um damit die vor dem verlust stehenden gewährten kredite der deutschen und offensichtlich französischen banken und investitionen zu decken. Geht also nur darum die eigenen banken resp. wirtschaft zu schützen! Sicher nicht um solidarität, das ist nur eine pr geschichte für die bürger welche für das ganze die risiken finanzieren!
    • MartinZH 25.05.2020 22:27
      Highlight Highlight @benn: Nicht vergessen, Griechenland ist bezügl. der wirtschaftlichen Leistungen (BIP) eher "Peanuts"... ✌😉

      Italien ist volkswirtschaftlich nicht mit Griechenland zu vergleichen. Es geht eher um die Dimensionen von Frankreich.

      Es kommt leider so oder so, ob in Griechenland oder in Italien, fast nichts beim"Bürger" an... 😔

      Die ganzen Finanz-Zusagen bedienen v.a. den "Finanzhaushalt".

      OK, die Bildung ist da mit dabei...

      Aber leider "versickert" zu viel Geld, das in den südeuropäischen Ländern ankommt...

      Das ist der Skandal! Das Geld fliesst in die Länder, aber in die Taschen von wenigen.
  • cdrom 25.05.2020 18:46
    Highlight Highlight "Hamilton .... für einen anhaltenden Wirtschaftsaufschwung gelegt."

    Wie es Jahre später weiterging...
    Harold James, Princeton
    "Die Fiskalunion war eher Sprengstoff als Zement für den neuen amerikanischen Staat."
    Play Icon
    ab 47:40

    Die Troika hat Griechenland geplündert um die deutschen und französischen Banken zu retten.
    Einmal mehr. Nichts neues unter der Sonne.

    Die EU braucht einen Neustart. Vor allem die 25'000 Lobbyisten mit einem Budget von 1.4 Mia. sollten mal ich Quarantäne geschickt werden - dauerhaft.


    • Philipp Löpfe 25.05.2020 20:17
      Highlight Highlight #cdrom: Bei allem Respekt für Hans-Werner Sinn: Hamilton hat die Schulden 1790 vergemeinschaftet. Sinn bezieht sich in diesem Vortrag auf eine Wirtschaftskrise im Jahr 1835. Das ist ein sehr weiter Bogen. Ich würde dir die Lektüre von Ron Chernovs Hamilton-Biografie empfehlen.
    • cdrom 26.05.2020 11:02
      Highlight Highlight @Philipp Löpfe
      Falls du den von mir erwähnten Teil des Videos angschaut hast, bezog sich das Zitat von Harold James auf den Sezessionskrieg 1861. Wobei Sinn ausdrücklich erwähnt dass es nicht der Hauptgrund für den Krieg war.
      Wenn du dir das Video von Anfang an anschaust, ist Sinn der Meinung DE hätte IT einfach so 20 Mia. zur Stützung ihres Gesundheitswesens schenken sollen.
      Was 1790 ein sehr weiter Bogen war, ist heute nur noch ein Bindestrich. Was früher mit der Druckerpresse erledigt wurde, wird heute mit wenigen Mausklicks erreicht.
    • Philipp Löpfe 26.05.2020 11:48
      Highlight Highlight #cdrom: Zufällig habe ich das ganze Video gesehen, es ist über weite Teile sehr gut. Zufällig kenne ich mich auch ein bisschen in amerikanischer Geschichte aus und habe Harold James mehrfach interviewt. Was Sinn dort absondert, ist –sorry – Quatsch.
  • Spooky 25.05.2020 18:40
    Highlight Highlight Und woher nehmen sie dieses Geld?
    Drucken sie es einfach?
    • Ueli der Knecht 25.05.2020 21:29
      Highlight Highlight So ist es, Spooky. Die EZB druckt Geld und kauft damit Staatsanleihen, welche die Staaten dann für den Hilfsfonds verwenden.

      Die Staatsanleihen müssten (zumindest nach der Theorie von Anleihen) irgendwann einmal zurückbezahlt werden. Dann kann die EZB das gedruckte Geld wieder schreddern.

      Damit die Staaten das Geld zurückzahlen können, müssen sie Steuern eintreiben. Letztlich bezahlen also die Steuerzahler, sprich Bürger. Und weil das sowieso erst irgendwann in ferner Zukunft sein wird, werden es vermutlich dann die heute noch Ungeborenen zurückzahlen müssen.

      Nach uns die Sintflut.
    • Philipp Löpfe 25.05.2020 22:08
      Highlight Highlight #Sie nehmen das Geld am Finanzmarkt auf, ganz normal. Und weil die EU Emittent ist, haben sie gute Konditionen.
    • DemonCore 27.05.2020 06:03
      Highlight Highlight Ueli behauptet drucken, ohne Beleg. Löpfe, als Journalist, sagt Aufnahme am Kapitalmarkt. Ein himmelweiter Unterschied.
    Weitere Antworten anzeigen
  • MartinZH 25.05.2020 18:06
    Highlight Highlight Die Frage der Analyse ist: "Einigt das Coronavirus das zerstrittene Europa?" – Die Antwort ist einfach: "Nein, das Coronavirus wird Europa nicht einigen."

    Warum? – Kein Land kann das andere, als Schuldner oder Gläubiger, hängen lassen. Alle sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen: Als Geldgeber und Lieferant – oder als Empfänger und Konsument.

    Ohne dem innereuropäischen Kreislauf der Wirtschaft (Finanzen und Güter) würde die EU zusammenbrechen.

    Alle Bekundungen hinsichtlich Einigkeit und Frieden innerhalb von Europa wären Makulatur, würde nach GB ein weiteres EU-Land aussteigen.
    • De-Saint-Ex 25.05.2020 20:18
      Highlight Highlight Würde z.B. Italien aussteigen hätte es ohnehin weit gravierendere Folgen als GB (€). Bei Griechenland hatte man zudem sehen können, dass es in erster Linie um die europäischen Banken ging. Ich bin leider davon überzeugt, dass D den Südländern nicht unter die Arme greifen würde, wäre Corona nicht (auch noch). Bislang war es den Nordländer zudem egal, dass die Südländer die Produkte aus dem Norden auf Pump kauften. Geldgeber hierfür: Banken aus dem Norden. Und zuletzt: würde die EU auseinanderbrechen wäre der Leidtragende Nr. 1 Deutschland’s Exportwirtschaft. Also dank Corona und „Eigenliebe“.
    • henkos 25.05.2020 22:39
      Highlight Highlight @De-Saint: ziemlich engstirnige Sichtweise. Die Schweiz profitiert auch vom EU-Binnenmarkt. Würde sie deshalb das Geld ihrer Steuerzahler an andere Lämder überweisen, die jahrelang über ihre Verhältnisse lebten? Es geht hier nicht um „unter die Arme greifen“.
    • DemonCore 27.05.2020 06:05
      Highlight Highlight Ich halte deinen Beitrag für ausgemachten Unsinn.

      Aber du hast, vermutlich ohne es zu wollen das pragmatische Argument für die EU geliefert: “Warum? – Kein Land kann das andere, als Schuldner oder Gläubiger, hängen lassen. Alle sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen: Als Geldgeber und Lieferant – oder als Empfänger und Konsument."
    Weitere Antworten anzeigen
  • Locutus70 25.05.2020 17:50
    Highlight Highlight «Allein hat der Nationalstaat keine Zukunft.» - Dieses Denken gibt es nur in einigen europäischen Staaten und auch nur in elitären Kreisen :)

    Fakt ist: In Spanien und Italien geht es stark in Richtung Linksnationalismus - die wollen keine Kredite mehr die an strenge Bedingungen geknüpft sind.
    Und wenn diese Länder und Griechenland in Zukunft wieder soviel Geld raushauen können wie zwischen 2001 und 2010 das ist der Euro eher früher als später Geschichte.
    • FrancoL 25.05.2020 18:03
      Highlight Highlight Ich kenn mich in Spanien nicht aus, aber dafür um so mehr in Italien; das was Du da für Italien zusammenfebulierst ist grosser Quatsch.
      Linksnationalismus ist dann schon eine mehr als steile These, die nicht zu halten ist.
    • MartinZH 25.05.2020 18:15
      Highlight Highlight @Locutus70: Matteo Salvini ist ein Linksnationalist? Und die Lega ist auch links? 🤔👏😂
    • FrancoL 25.05.2020 18:30
      Highlight Highlight @Locutus; Ich versuche Dir die italienische Politik zu erklären:

      Links und rechts haben erkannt, dass eine gewisse temporäre zusätzliche Überschuldung nötig ist, um Italien in Gang zu bringen.

      Rechts möchte dass die EU da sich nicht quer legt und bietet nichts an, denn der Nationalstaat hat nichts zu bieten und scheut sich vor jeglicher Reform, die die Wähler abschrecken würde.

      Links, im Gegensatz zu den rechten Populisten, möchte der EU aber etwas anbieten, nämlich dass man Reformen, vor allem auch im Steuerwesen, als Gegenleistung für das Entgegenkommen in Sachen Überschuldung, angeht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Eiswalzer 25.05.2020 17:45
    Highlight Highlight Ob Europe geeinter wird, entscheidet wohl einzig das Ausmass der wirtschaftlichen Schäden in den nächsten 5 Jahren. Das kann nur gelingen, wenn die Leute (vor allem die direkt Betroffenen und die Ärmeren) das Gefühl haben, man lässt sie nicht alleine. Und dass sich die Situation für alle bald wieder erholt. Sollte das Gegenteil eintreffen (Massenarbeitslosigkeit, keine Perspektiven, unwirksame Hilfspakete, etc), dann droht die grosse Katastrophe. Was wir alle (gerade auch in der CH) nicht hoffen wollen...
    • pop_eye 25.05.2020 21:31
      Highlight Highlight Da sind die Südländer im Vorteil da sie die kommenden Probleme bestens kennen und unter Umständen deren Bürger damit besser umgehen können. Die Deutschen indes denken bereits weiter und werden mit einem Schrumpfen von 8% (BIP) mehr zu kämpfen haben. Die machen und machten nie etwas aus Gefälligkeit. Auch die Franzosen nicht!
      Es wird interessant!
    • henkos 25.05.2020 22:41
      Highlight Highlight @pop-eye: damit haben sie also mit den Schweizern einiges gemeinsam.
  • Hans007 25.05.2020 17:44
    Highlight Highlight Was soll diese pessimistische Schlagzeile. Der gemeinsame Markt, die gemeinsame Währung und die offenen Grenzen haben sich bewährt, wir haben überall Frieden und soviel Wohlstand wie nie zuvor, und auch die Oststaaten, die vor zwanzig Jahren noch in einem erbärmlichen Zustand waren, haben sich stabilisiert und sind auf dem richtigen Weg. Was soll dieser ewige Schwanengesang? Zurück zu den Nationalstaaten wäre ein riesiger Rückschritt. Das müssten selbst Trittbrettfahrerstaaten wie die Schweiz verstehen.
  • Kaspar Floigen 25.05.2020 17:12
    Highlight Highlight Könnte es sein, dass ein Wirtschaftseinbruch von 8% in Deutschland in absoluten Zahlen grösser ist als ein Wirtschaftseinbruch von 15% in Italien? Und Deutschland somit in absoluten Zahlen am meisten vom Fond profitieren könnte? Kann das jemand ausrechnen, der mehr Ahnung hat als ich?
  • FlorinI 25.05.2020 17:11
    Highlight Highlight Ich fürchte die Lehre welche Staaten wie Italien daraus ziehen wird sein:
    Wir sind "too big to fail" -> warum sollen wir uns jemals an die Regeln im Euroraum halten oder Reformen vorantreiben, die anderen müssen schlussendlich ohnehin zahlen... So hat die EU leider auch keine Zukunft
  • FrancoL 25.05.2020 17:03
    Highlight Highlight «Allein hat der Nationalstaat keine Zukunft.»

    Dieser Satz gilt für ALLE auch für die laut über einen Austritt denkenden Italiener.
    • FrancoL 26.05.2020 11:50
      Highlight Highlight Die Dummen stellen aber auch einen ganz schönen Markt dar. Wenn ich denke wieviele deutsche Autos in Italien unterwegs sind.
    • misohelveticos 26.05.2020 13:00
      Highlight Highlight @M.A.S.H2020, dumm sind diejenigen, die glauben, internationale Krisen, liessen sich im nationalen Alleingang lösen.
  • Snowy 25.05.2020 16:41
    Highlight Highlight «Wenn Europa noch eine Chance haben will, dann muss es jetzt Solidarität zeigen und beweisen, dass es fähig ist, zu handeln. Deutsche müssen ein überwältigendes Interesse daran haben, dass Europa wieder auf die Beine kommt.»

    Diese Worte aus Schäuble´s Mund - noch im Januar undenkbar!

    Seine Einsicht (und die von Merkel) erfolgt spät - ob es noch reicht wird sich weisen.

    Wir sollten alle sehr fest die Daumen drücken, weil eine Rückkehr zu reinen Nationalstaaten wirds nicht ohne noch grössere Katastrophe geben.
    • Scarrus 25.05.2020 17:20
      Highlight Highlight Katastrophe für wen? Deutschland?
      Meh...
    • Majoras Maske 25.05.2020 17:20
      Highlight Highlight Bisher verhinderte ein Bündnis von Berlin, London, den sparsamen vier und dem Baltikum gemeinsame Schulden. Mit dem Brexit und der Coronakrise verschob sich das Machtverhältnis in Richtung der Südländer. Merkel hat bisher gut ohne Einsicht leben können, auch wenn ich glaube dass sle diese Einsicht wie so vieles nur ausgesessen hat bis der Druck zu gross wurde. Wir können gespannt sein, was da noch alles für Einsichten folgen.
  • Atavar 25.05.2020 16:40
    Highlight Highlight "Das Hilfsprogramm trifft auf erstaunlich breite Unterstützung, auch in Kreisen, wo man es nicht erwartet hätte."

    Politisch mag das stimmen, in den Bevölkerungen sieht es definitiv anders aus. Das Werk der Spalter ist bereits weit fortgeschritten, das gegenseitige Misstrauen gigantisch gross.

    Ganz schwierig, ohne Einheitsgefühl eine Einheit erzeugen zu wollen.
    • FrancoL 25.05.2020 17:07
      Highlight Highlight Die Bevölkerungen sind nicht so festgefahren, wie Du es darstellen magst, sie können ganz gut und schnell die Seiten wechseln. Sehe ich jetzt ganz gut in Italien wo viele Nachrichten immer wieder zu kleinen Umwälzungen führen.
    • blueberry muffin 25.05.2020 17:21
      Highlight Highlight Naja, es braucht halt europäische Sportliegen, wie in der USA. Die EU würde jede Olympiade gewinnen, die Championsleague als erste EU Fussball Liga würde wohl auch die NFL Zuschauertechnisch alt aussehen lassen, etc.

      Und die Fussball WM wäre auch EU jedesmal der Sieger. Grandiose Zeiten wären das.
  • MaPhiA 25.05.2020 16:37
    Highlight Highlight was man nicht alles aus lauter angst macht... bevor das ganze konstrukt ''EU'' auseinanderfällt, schüttet man unsummen aus... aber was raus geht, muss auch wieder rein... und wir 'dürfen' dann auch wieder den geldbeutel auf links drehen...
    • blueberry muffin 25.05.2020 17:26
      Highlight Highlight Nur theoretisch, faktisch kann jedes Land Geld drucken für praktisch gratis.

      Kurszerfalle die oft angedroht werden scheinen in der Globalisierten Welt nur arme Länder befürchten müssen. Andere, wie die Schweiz oder Japan, haben oft Problemevihre Währungen tief zu kriegen wenn die grossen wie die USA und die EU drucken.

      Der New Deal in Amerika hat auch nur Geld gedruckt und führte zum ersten mal in der Geschichte zu einer breiten Mittelschicht und dem grössten Wirtschaftlichen Aufschwung jemals.

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