Wie Trump die Welt ins Chaos stürzt
David Rothkopf war Sicherheitsberater in der Regierung von Bill Clinton. Später war er Chefredaktor des Magazins «Foreign Policy». Der Mann weiss demnach in Sachen Geopolitik Bescheid. Umso besorgniserregender ist daher, was er am Wochenende auf dem Podcast des Onlineportals «Daily Beast» erklärt hat. Konkret führte Rothkopf aus:
Dass Donald Trump die Aufmerksamkeitsspanne eines 5-Jährigen hat und er keine Chance hätte, den Marshmallow-Test zu bestehen – den Test, in dem ein Kind zwei Stück der begehrten Süssigkeit erhält, wenn es sich zurückhalten kann, das erste nicht sofort zu verschlingen – ist bestens bekannt. Nun aber führt die Unbeherrschtheit des US-Präsidenten, gepaart mit einem grenzenlosen Narzissmus und möglicherweise einer sich verschlimmernden Altersdemenz, die Welt gefährlich nahe einem Abgrund mit nicht vorhersehbaren Konsequenzen.
Es zeichnet sich ab, dass Trumps übereiltes und nicht mit seinen Alliierten abgesprochenes Vorgehen im Iran nicht nur die Strasse von Hormus unpassierbar macht, sondern auch die globalen Lieferketten aus dem Gleichgewicht bringt. Der renommierte Ökonom Paul Krugman spricht daher in seinem Beitrag auf Substack von einer gefährlichen Verbindung von Hyperglobalisierung und Chaos und stellt fest:
Im Fokus steht derzeit die Strasse von Hormus, durch welche rund 20 Prozent der globalen Ölproduktion fliesst. Sie ist sehr eng und das Ufer auf der Seite des Iran ist steil und felsig. Deshalb ist es extrem schwierig, die Iraner daran zu hindern, Tanker unter Beschuss zu nehmen. Derzeit lassen die Iraner nur ausgewählte Tanker durch die Meerenge. Im Persischen Golf gibt es daher einen gewaltigen Tankerstau – und auf dem Rest der Welt zeichnet sich gemäss Angaben der International Energy Agency (IEA) die grösste Angebotsdisruption in der Geschichte des globalen Ölmarktes ab.
Wer nun glaubt, die Amerikaner würden dieses Problem in ein paar Tagen oder Wochen wegbomben können, der irrt. Militärisch lässt sich die Strasse von Hormus – wenn überhaupt – nur mit grösstem Aufwand aus der Hand der Iraner entreissen. Gemäss Angaben von hohen amerikanischen Militärs in der «Financial Times» braucht es für eine einzige Tanker-Karawane die Begleitung von acht oder gar zwölf Zerstörern und den Einsatz von F-15- und F-18-Kampfjets. Derzeit befinden sich 14 amerikanische Zerstörer in den umliegenden Gewässern.
Eine solche Eskorte müsste zudem auch von «boots on the ground» abgesichert werden. Deshalb sind auf der USS Tripoli derzeit 2200 Marines auf dem Weg in die Region. Diese Soldaten waren jedoch in Japan stationiert. Sie werden frühestens Ende nächster Woche eintreffen.
Auf die Unterstützung anderer NATO-Soldaten können sie nicht rechnen. Weil Trump seine Alliierten nicht informiert und sie in der Grönlandfrage übel vor den Kopf gestossen hat, erteilen sie ihm nun ihrerseits eine Abfuhr. Die Reaktion des US-Präsidenten ist kindischer Trotz: «Wir brauchen sie nicht, WIR HABEN SIE NIE GEBRAUCHT», postet er auf seiner Plattform Truth Social.
Selbst wenn es gelingen sollte, die Strasse von Hormus wieder passierbar zu machen, ist der Schaden bereits angerichtet. Der Iran-Experte Nate Swanson – er war 2025 Teil der Verhandlungsteams von Trump – erklärt in «Foreign Affairs»:
Dieses Ziel haben die Machthaber in Teheran bereits erreicht. Selbst im bestmöglichen Szenario werden hohe Preise für Erdöl und Erdgas noch länger andauern. Der «Economist» nennt dafür drei Gründe:
- Die Golfstaaten haben ihre Produktion in der Summe bereits um 10 Millionen Fass pro Tag zurückgefahren. Das entspricht rund 10 Prozent der globalen Produktion. Die Produktion wieder hochzufahren wird dauern, im Fall von Flüssiggas gar sehr lange. So meldet Katar, dass die Reparatur seiner zerstörten Anlagen bis zu 5 Jahre in Anspruch nehmen könnte.
- Selbst wenn die Meerenge wieder passierbar ist, werden viele Tankerkapitäne zögern, sie zu passieren. Erstens, weil die Gefahr eines Beschusses nach wie vor gross bleibt, und zweitens, weil die Versicherungsprämien explodiert sind.
- Schliesslich befinden sich wegen des allgemeinen Chaos viele Tanker am falschen Ort auf der Welt.
All dies fasst der «Economist» wie folgt zusammen:
Mit seiner Analyse trifft David Rothkopf somit den Nagel auf dem Kopf. Der pathologische Narzisst Trump hat mit seinem unbedachten Vorgehen nicht nur den USA, sondern auch der Weltwirtschaft einen Schaden zugefügt, dessen Ausmass noch nicht abzuschätzen ist. Iran-Spezialist Swanson kommt daher ebenfalls zu einem deprimierenden Fazit:
