Wirtschaft
International

Wie Trump die Welt ins Chaos stürzt

Wie Trump das perfekte Chaos anrichtet. Fotomontage zeigt viele Gesichter von Donald Trump übereinandergelegt auf einem Hintergrund von Krieg im Iran
Bild: watson/getty/imago/keystone
Analyse

Wie Trump die Welt ins Chaos stürzt

Es droht die schlimmste Energiekrise seit Menschengedenken.
23.03.2026, 16:2223.03.2026, 16:22

David Rothkopf war Sicherheitsberater in der Regierung von Bill Clinton. Später war er Chefredaktor des Magazins «Foreign Policy». Der Mann weiss demnach in Sachen Geopolitik Bescheid. Umso besorgniserregender ist daher, was er am Wochenende auf dem Podcast des Onlineportals «Daily Beast» erklärt hat. Konkret führte Rothkopf aus:

«Die globalen Ereignisse werden derzeit getrieben von der Psychose eines einzigen Individuums. Alle in Washington wissen das. Alle Sicherungen, die das hätten verhindern können, sind durchgebrannt. Wir befinden uns deshalb in einer Situation, in der ein zerfallender, älterer, unwissender, paranoider, eitler und verwirrter Commander in Chief aus dem Bauch heraus entscheidet.»

Dass Donald Trump die Aufmerksamkeitsspanne eines 5-Jährigen hat und er keine Chance hätte, den Marshmallow-Test zu bestehen – den Test, in dem ein Kind zwei Stück der begehrten Süssigkeit erhält, wenn es sich zurückhalten kann, das erste nicht sofort zu verschlingen – ist bestens bekannt. Nun aber führt die Unbeherrschtheit des US-Präsidenten, gepaart mit einem grenzenlosen Narzissmus und möglicherweise einer sich verschlimmernden Altersdemenz, die Welt gefährlich nahe einem Abgrund mit nicht vorhersehbaren Konsequenzen.

Es zeichnet sich ab, dass Trumps übereiltes und nicht mit seinen Alliierten abgesprochenes Vorgehen im Iran nicht nur die Strasse von Hormus unpassierbar macht, sondern auch die globalen Lieferketten aus dem Gleichgewicht bringt. Der renommierte Ökonom Paul Krugman spricht daher in seinem Beitrag auf Substack von einer gefährlichen Verbindung von Hyperglobalisierung und Chaos und stellt fest:

«Die Welt ist mittlerweile extrem abhängig von komplexen globalen Lieferketten und der ehemalige Führer der freien Welt ist unberechenbar geworden. Kann irgendjemand vorhersagen, wie seine Iranpolitik in einer Woche aussehen wird?»

Im Fokus steht derzeit die Strasse von Hormus, durch welche rund 20 Prozent der globalen Ölproduktion fliesst. Sie ist sehr eng und das Ufer auf der Seite des Iran ist steil und felsig. Deshalb ist es extrem schwierig, die Iraner daran zu hindern, Tanker unter Beschuss zu nehmen. Derzeit lassen die Iraner nur ausgewählte Tanker durch die Meerenge. Im Persischen Golf gibt es daher einen gewaltigen Tankerstau – und auf dem Rest der Welt zeichnet sich gemäss Angaben der International Energy Agency (IEA) die grösste Angebotsdisruption in der Geschichte des globalen Ölmarktes ab.

epa12813294 A handout photo made available by the Royal Thai Navy shows the Thai-flagged cargo ship Mayuree Naree on fire after being hit by Iranian missiles in the Strait of Hormuz, Iran, 11 March 20 ...
Brennender Tanker in der Strasse von Hormus.Bild: keystone

Wer nun glaubt, die Amerikaner würden dieses Problem in ein paar Tagen oder Wochen wegbomben können, der irrt. Militärisch lässt sich die Strasse von Hormus – wenn überhaupt – nur mit grösstem Aufwand aus der Hand der Iraner entreissen. Gemäss Angaben von hohen amerikanischen Militärs in der «Financial Times» braucht es für eine einzige Tanker-Karawane die Begleitung von acht oder gar zwölf Zerstörern und den Einsatz von F-15- und F-18-Kampfjets. Derzeit befinden sich 14 amerikanische Zerstörer in den umliegenden Gewässern.

Eine solche Eskorte müsste zudem auch von «boots on the ground» abgesichert werden. Deshalb sind auf der USS Tripoli derzeit 2200 Marines auf dem Weg in die Region. Diese Soldaten waren jedoch in Japan stationiert. Sie werden frühestens Ende nächster Woche eintreffen.

Auf die Unterstützung anderer NATO-Soldaten können sie nicht rechnen. Weil Trump seine Alliierten nicht informiert und sie in der Grönlandfrage übel vor den Kopf gestossen hat, erteilen sie ihm nun ihrerseits eine Abfuhr. Die Reaktion des US-Präsidenten ist kindischer Trotz: «Wir brauchen sie nicht, WIR HABEN SIE NIE GEBRAUCHT», postet er auf seiner Plattform Truth Social.

Selbst wenn es gelingen sollte, die Strasse von Hormus wieder passierbar zu machen, ist der Schaden bereits angerichtet. Der Iran-Experte Nate Swanson – er war 2025 Teil der Verhandlungsteams von Trump – erklärt in «Foreign Affairs»:

«Iran braucht selbst keinen bedeutenden militärischen Erfolg. Das Regime muss nur genügend Schaden anrichten, um die regionalen Partner, die Märkte und die amerikanische Öffentlichkeit nervös zu machen.»

Dieses Ziel haben die Machthaber in Teheran bereits erreicht. Selbst im bestmöglichen Szenario werden hohe Preise für Erdöl und Erdgas noch länger andauern. Der «Economist» nennt dafür drei Gründe:

  • Die Golfstaaten haben ihre Produktion in der Summe bereits um 10 Millionen Fass pro Tag zurückgefahren. Das entspricht rund 10 Prozent der globalen Produktion. Die Produktion wieder hochzufahren wird dauern, im Fall von Flüssiggas gar sehr lange. So meldet Katar, dass die Reparatur seiner zerstörten Anlagen bis zu 5 Jahre in Anspruch nehmen könnte.
  • Selbst wenn die Meerenge wieder passierbar ist, werden viele Tankerkapitäne zögern, sie zu passieren. Erstens, weil die Gefahr eines Beschusses nach wie vor gross bleibt, und zweitens, weil die Versicherungsprämien explodiert sind.
  • Schliesslich befinden sich wegen des allgemeinen Chaos viele Tanker am falschen Ort auf der Welt.

All dies fasst der «Economist» wie folgt zusammen:

«Selbst wenn Donald Trump und die Iraner einen Deal abschliessen sollten, der die Kämpfe morgen beendet, wird es noch vier Monate dauern, bis die Märkte in einen Zustand gelangen, der halbwegs an Normalität erinnert.»

Mit seiner Analyse trifft David Rothkopf somit den Nagel auf dem Kopf. Der pathologische Narzisst Trump hat mit seinem unbedachten Vorgehen nicht nur den USA, sondern auch der Weltwirtschaft einen Schaden zugefügt, dessen Ausmass noch nicht abzuschätzen ist. Iran-Spezialist Swanson kommt daher ebenfalls zu einem deprimierenden Fazit:

«Irans Strategie besteht nun darin, die Kosten für die USA und die Golfstaaten so hochzuschrauben, dass Trump sich für einen Waffenstillstand entscheidet und künftige israelische Aktionen beschränkt. Letztlich will der Iran ihn dazu zwingen, sich zwischen den Sicherheitsinteressen Israels und der Stabilität der globalen Märkte zu entscheiden. Deshalb wird der Krieg, den Trump vom Zaun gebrochen hat, kein gutes Ende nehmen. Und jeder Tag, den er weitergeht, verlängert das Leiden der Menschen im Iran. Das ist eine Tragödie, die nur Khamenei und Trump gemeinsam haben bewerkstelligen können.»
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Iran-Krieg in Bildern
1 / 25
Iran-Krieg in Bildern

Der Krieg im Iran hat zur Folge, dass die Ölpreise weltweit steigen.

quelle: keystone / altaf qadri
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Neues Video zeigt den Öltanker-Angriff aus Iranischer Sicht
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
153 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Pebbles F.
23.03.2026 16:28registriert Mai 2021
Wie Trump die Welt ins Chaos stürzt ..... und wie kein Wirtschaftsvertreter der Schweiz die Hosen hochzieht und mit anderen Europäern IT Services herstellen lässt, Handel betreibt und wie kein Bundesrat den Kontakt mit dem Autokraten abbricht.
Wir sollten uns um Klimaschutz, Bildung, Frieden und ein Zusammenleben kümmern. Dies unter vernünftigen Bedingungen. Also kann sich die USA wieder melden, wenn sie eine ernst zu nehmende Regierung hat.
1997
Melden
Zum Kommentar
avatar
GarChest
23.03.2026 16:33registriert April 2025
Langfristig kann es für Europa positiv sein. Und zwar als Zeichen, dass auch der und die letzte begreift, dass wir uns auf erneuerbare Energien konzentrieren müssen.
1888
Melden
Zum Kommentar
avatar
Pinguin71
23.03.2026 16:35registriert Oktober 2020
..Alle Sicherungen, die das hätten verhindern können, sind durchgebrannt. .. --> da gibt es nur eines, sofort Amtsenthebungsverfahren einleiten für DT und JDV. Technische Übergangsregierung einsetzen und Neuwahlen. Tragisch, dass die Institutionen so was nicht verhindern. Der Irre kann ja auch einfach auf den "Knopf" drücken und niemand verhindert dies?
1267
Melden
Zum Kommentar
153
Gold- und Silberpreise im freien Fall
Die Preise für die beiden Edelmetalle Gold und Silber haben zum Start in die Woche erneut kräftig nachgegeben.
Eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) Gold kostete am Montag im frühen Handel nur noch etwas mehr als 4'300 Dollar und damit vier Prozent weniger als am Freitagabend.
Zur Story