Spekulation auf höhere Zinsen lässt Goldpreis einbrechen
Mit der Aussicht auf höhere Zinsen haben Edelmetalle wie Gold und Silber bei Anlegern plötzlich an Reiz verloren. Damit fand eine beispiellose Kursrallye ein abruptes Ende. Hintergrund sind gestiegene Inflationserwartungen infolge des Iran-Kriegs, die zu höheren Zinsen bei Staatsanleihen führen. Innerhalb einer Woche hat Gold, das keine Marktzinsen abwirft, etwa 15 Prozent an Wert verloren. Nach Angaben der Finanzagentur Bloomberg ist dies der stärkste Einbruch innerhalb einer Woche seit mehr als 40 Jahren.
Eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) Gold kostete am Montagmittag nur noch rund 4'370 Dollar. Gold ist damit im Iran-Krieg anders als in vielen anderen Kriegen und Krisen davor alles andere als der sogenannte sichere Hafen. Seit dem Start der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran büsste der Goldpreis mehr als 18 Prozent ein, nachdem er in den ersten Tagen des Kriegs noch bis auf fast 5'420 Dollar gestiegen war.
Seit Beginn des Iran-Konflikts haben stark gestiegene Ölpreise die Inflationsrisiken erhöht und die Aussichten auf baldige Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve und anderer Zentralbanken verringert. Höhere Zinsen belasten tendenziell Edelmetalle, da sie keine Zinsen abwerfen.
Mit dem Rückgang vom Montag sind auch alle Gewinne vom Jahresanfang aufgezehrt. Seit dem Rekordhoch von knapp 5'600 Dollar Ende Januar belaufen sich die Verluste inzwischen auf gut 1'200 Dollar oder 22 Prozent.
Noch drastischer ist die Entwicklung beim Silber. Der Preis für eine Feinunze Silber büsste seit Ende Januar fast die Hälfte seines Rekordstands von knapp 122 Dollar ein. Am Montag gab der Silberpreis nach auf 68,20 Dollar je Unze. Seit dem Start des Iran-Kriegs vor etwas mehr als drei Wochen verbilligte sich Silber um mehr als 30 Prozent. (sda/awp/dpa)
