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Bild: keystone

Historische Wahl: Mitarbeiter stimmen für Gewerkschaftsgründung – Amazon ist «enttäuscht»

Es ist eine historische Premiere: Mitarbeiter des Online-Versandhändlers Amazon haben für die erste Gründung einer Gewerkschaftsvertretung bei dem Konzern in den USA gestimmt.
02.04.2022, 18:46

Bei dem Votum der Mitarbeiter eines Amazon-Lagers in Staten Island in New York gab es laut Auszählung vom Freitag eine Mehrheit von 2654 zu 2131 Stimmen. Der Internetriese stemmt sich seit Jahren gegen die Gründung von Gewerkschaften und musste nun eine schwere Schlappe hinnehmen.

Nach Bekanntgabe des Ergebnisses brach bei den Verfechtern der Gewerkschaftsgründung Jubel aus. «Wir wollen Jeff Bezos dafür danken, ins All geflogen zu sein», sagte der Präsident der Arbeitnehmergruppe Amazon Labor Union, Christian Smalls, ironisch über den Amazon-Gründer. «Denn während er da oben war, haben wir Leute angeworben.» Bezos hatte im vergangenen Juli am ersten bemannten Flug einer Rakete des von ihm gegründeten Raumfahrtunternehmens Blue Origin teilgenommen.

Glückwünsche an die Mitarbeiter des Lagers JFK8 gab es von US-Präsident Joe Biden. «Der Präsident war glücklich zu sehen, wie Arbeiter sichergestellt haben, dass ihre Stimmen bei wichtigen Entscheidungen am Arbeitsplatz gehört werden», sagte Bidens Sprecherin Jen Psaki im Weissen Haus. «Er glaubt fest daran, dass jeder Arbeiter in jedem Bundesstaat eine freie und faire Wahl haben muss, sich einer Gewerkschaft anzuschliessen, und das Recht haben muss, kollektiv mit seinem Arbeitgeber zu verhandeln.»

Zweitgrösster privater US-Arbeitgeber

Amazon dagegen zeigte sich «enttäuscht» über den Ausgang der Abstimmung. Der zweitgrösste private Arbeitgeber in den USA kündigte an, seine Handlungsmöglichkeiten zu prüfen. Das umfasse mögliche Einsprüche wegen einer «unangemessenen Einflussnahme» der US-Arbeitsrechtsbehörde NLRB, die über die Abstimmung wachte.

Bislang hatte keine Niederlassung des Online-Riesen in den USA es geschafft, eine Gewerkschaft zu bilden. Im April vergangenen Jahres scheiterte ein erster derartiger Versuch in einem Logistikzentrum in Bessemer im Bundesstaat Alabama. Eine breite Mehrheit der Beschäftigten stimmte gegen die Arbeitnehmervertretung.

Im November gab die NLRB aber dem Einspruch einer Gewerkschaft statt, die Amazon eine unzulässige Einflussnahme und Regelverstösse vorgeworfen hatte. Das Ergebnis der Abstimmung wurde deswegen annulliert, es wurde eine neue Abstimmung angesetzt, die kürzlich stattfand. Bei dieser dürfte in Bessemer aber erneut eine Mehrheit verfehlt werden, wie sich derzeit abzeichnet.

Kritik an Arbeitsbedingungen

Die nächste Abstimmung in einem anderen Lager ist bereits geplant: Im Sortierzentrum LDJ5 gegenüber dem Lager JKF8 in Staten Island steht Ende April das Votum an.

Amazon steht in den USA wegen der Arbeitsbedingungen in der Kritik. Gewerkschaften und auch Politiker kritisieren, dass die Beschäftigten des 1994 gegründeten Konzerns einem hohen Arbeitsdruck und einer permanenten Kontrolle ausgesetzt seien. In Deutschland kämpft die Gewerkschaft Verdi seit Jahren dafür, dass die Amazon-Beschäftigten einen Tarifvertrag bekommen und nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel bezahlt werden. (viw/sda/afp)

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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Siru
02.04.2022 19:18registriert Juli 2015
Bezos ist der klassische Kapitalist, den wir aus Geschichten und Erzählungen aus dem 19. Jahrhundert kennen, als Ölbarone aufstiegen. Ein Ausbeuter, der nur seinen Gewinn und die eigene finanzielle Bereicherungim Kopf hat, auf Kosten seiner Angestellten.
Es ist gut, hat er dieses Mal verloren.
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Sitzplätzler
02.04.2022 19:42registriert April 2017
Aus welchem Grund stimmt man als Arbeitnehmer gegen ne Gewerkschsftsgründung?
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Smee Afshin.
02.04.2022 20:22registriert April 2021
... für die Rückkehr zur Erde dankt ihm niemand. Was nicht gesagt wird, sagt auch etwas aus 😏
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