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Frida, Anniken und Ludvig aus Norwegen.<br data-editable="remove">
Frida, Anniken und Ludvig aus Norwegen.

Modeblogger zu Besuch bei Näherinnen in Kambodscha: «Ich dachte, sie seien glücklich»

Frida, Anniken und Ludvig aus Norwegen sind hippe, junge Modeblogger. Sie reisen ans andere Ende der Welt, um sich selbst als Näher zu versuchen. Und kommen ganz schön auf die Welt.
27.10.2015, 07:3527.10.2015, 07:44
Unter dem Titel «Hungerlohn für hippe Mode» zeigte WDR eine deutsche Zusammenfassung der norwegischen Doku-Reihe «Sweatshop».

«Ich war mir so sicher, dass sie sagt, sie sei glücklich», sagt Frida. «Sie hat immer gelächelt, als wir geredet haben. Und sie kennen es ja nicht anders, sie haben ja noch nie unsere Häuser in Norwegen gesehen.»

Frida ist eine junge Modebloggerin aus Nordnorwegen. Sie liebt es zu shoppen, für aktuelle Modetrends gibt sie monatlich hunderte Euros aus. Doch jetzt befindet sie sich auf der anderen Seite der Modeindustrie – bei einer Näherin aus Kambodscha, im bescheidenen Zuhause der 25-jährigen Sokty.

«Nein, ich bin nicht glücklich.»
Sokty, Näherin.

Dort wollen Frida sowie Anniken und Ludvig, ebenfalls Modeblogger aus Norwegen, das Leben der Menschen teilen, die ihre Kleider herstellen. «Hungerlohn für hippe Mode», heisst die Doku, die WDR vergangene Woche ausgestrahlt hat, und die unter anderem in den Sozialen Medien die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Es ist eine halbstündige Zusammenfassung der Doku-Reihe «Sweatshop» des norwegischen Newsportals Aftenposten mit deutscher Synchronisation.

Die drei Europäer übernachten bei Sokty, um sich dann am nächsten Tag selbst als Näher in einer Fabrik zu versuchen. Am Abend fragt Frida die junge Kambodschanerin, ob sie glücklich sei. «Nein, ich bin nicht glücklich», antwortet Sokty. «Meiner Familie fehlt es an so vielem, wir kämpfen ums Überleben.»

Kleider für höchstens zwei Dollar

Soktys Zuhause besteht aus einem Raum mit Regal, Fernseher, einer Matratze am Boden, einer Kochstelle und einem Plumpsklo. Und auffallend wenig Platz für Kleider. Diese kaufe sie sich zweimal im Jahr – für höchstens zwei Dollar das Stück. 

Das erzählt sie ihren Besuchern, als die vier zusammen in eine Filiale der Modekette «Mango» gehen. Die Teile dort könnte sich Sokty niemals leisten. Die drei Fashion-Victims staunen. Und Ludvig sagt: «Die Menschen, die die Sachen herstellen, sollten sie sich doch auch leisten können, oder?»

Die drei angehenden Näher schlafen schlecht in Soktys bescheidenem Nachtlager. «Sie tut mir zwar leid, aber sie schläft ja immer so – sie ist es ja gewöhnt», sagt Frida.

«Ich bin so fertig, ich weiss nicht mehr, was ich fühlen oder sagen soll.»
Ludvig.

Um 5.30 Uhr ist Tagwache, dann geht es ab an die Nähmaschinen. Das Mittagessen gibt's auf dem Boden –  «Isst du vom Fisch mit den Fliegen drauf? – Sicher nicht» –, danach nutzen die drei die Pause für ein kurzes Nickerchen auf Plastikstühlen im Freien.

Jetzt auf

Sokty arbeitet sieben Tage die Woche, von 7 bis 18, 19 Uhr, samstags seien es nur acht Stunden. Im Monat verdient sie 130 Dollar, «zum Ausruhen habe ich keine Zeit», sagt sie.

Je länger der Tag, desto länger werden die Gesichter von Anniken, Frida und Ludvig. «Ich habe noch nie so unter Zeitdruck gearbeitet», sagt Anniken. 

Und Ludvig ist am Ende des Arbeitstages den Tränen nahe: «Ich bin so fertig, ich weiss nicht mehr, was ich fühlen oder sagen soll.»

Zum Feierabend gibt es für jeden je drei Dollar. (smo) 

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