Wirtschaft
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epa04304936 A garden gnome with a pipe stands in the allotment garden club 'Bebericher Grund' in Viersen, Germany, 08 July 2014. Bebericher Grund is one of three North Rhine-Westphalian finalists in the Allotment Garden Championships as part of the German-wide competition 'Gardens in Urban Planning'.  EPA/KATHARINA HOELTER

Der Gartenzweg erobert die Städte.
Bild: EPA/DPA

Der moderne Umweltschützer lebt in der Stadt

Die Nationalratswahlen zeigen: In der Schweiz hat ein Paradigmen-Wechsel stattgefunden. Umweltbewusstsein und ökologisches Denken sind heute Eigenschaften des urbanen Menschen geworden.

19.10.15, 15:51 09.11.15, 13:53


Auf dem Höhepunkt des Waldsterbens in den Achtzigerjahren gab es einen Autoaufkleber mit dem Spruch: «Mein Auto fährt auch ohne Wald.» Damit wollten ein die Anhänger der Autopartei ihren Humor unter Beweis stellen und sich über die «grünen Öko-Faschisten» lustig machen.  

Die SVP wehrt sich am vehementesten gegen die Energiewende

Die Autopartei ist längst von der SVP aufgesogen worden. Das Gedankengut lebt weiter, vor allem auf dem Land. In der Postkarten-Schweiz ist das Motto «freie Fahrt für freie Bürger» nach wie vor stammtischfähig. Auf dem Land hat der prophezeite Rechtsrutsch denn auch stattgefunden. Die SVP legte zu, die Partei also, die sich am vehementesten gegen die Energiewende stemmt. Sie befindet sich nach wie vor im «Mein Auto fährt auch ohne Wald»-Modus.  

Den Slogan: «Mein Auto fährt auch ohne Wald» können wir uns nicht mehr leisten.

Diesen Modus können wir uns nicht mehr leisten. Die Klimaerwärmung ist nicht nur da und von Menschenhand verursacht, sie ist auch die grösste Herausforderung der kommenden Jahrzehnte. Das verkünden heute nicht mehr bloss Umweltaktivisten, sondern auch mächtige Banker wie Mark Carney, der Gouverneur der Bank of England. Pensionskassen stossen Aktien von Erdölkonzernen ab, Banken hinterfragen Kredite an Kohlenunternehmen und wer reich und umweltbewusst ist, hat seine deutsche Premiumkarosse gegen einen Tesla eingetauscht.

Die letzten 10'000 Jahre waren klimamässig paradiesisch

Wissenschaftler wissen derweil immer genauer über das Klima Bescheid. So weist beispielsweise Johan Rockstrom vom Resilienc Center in Stockholm in seinem Buch «Big World, Small Planet» nach, dass die für die Menschen so geeigneten Temperaturen der letzten 10'000 Jahre auf dem Planeten gleichzeitig ein Glücks- und ein Ausnahmefall waren.

Umweltschutz ist kein Hobby von Naturfreunden mehr.

Dieser Zustand ist wegen der Klimaerwärmung akut bedroht. Umweltschutz ist längst kein Hobby von Naturfreunden mehr. Auch wenn es pathetisch tönen mag: Es geht um das Überleben der Menschheit. In den Städten ist diese Botschaft angekommen, auf dem Land nicht.

In den letzten Jahrzehnten ist es deshalb zu einem erstaunlichen Paradigma-Wechsel gekommen. Einst zogen die Hippies in verlasse Tessiner und Bündner Täler, um dort ein naturnahes Leben führen zu können. Heute setzen sich die Städter für eine 2000-Watt-Gesellschaft und mehr Velowege ein. Der moderne Umweltschützer ist ein urbaner Mensch geworden.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 20.10.2015 07:08
    Highlight Energie sparen: Eine Sisyphus-Aufgabe!

    Wenn wir Energie sparen, sparen wir auch Geld. Was machen wir aber mit dem gesparten Geld? Wir geben es anderweitig für Konsumgüter aus, was wiederum Energie – z. B. „graue Energie“ – braucht oder wir bringen es den Banken als Spargeld, wodurch diese in die Lage versetzt werden, Kredite für Investitionsgüter zu geben, deren Produktion, Betrieb und Unterhalt wiederum Energie braucht. Das einzig wirksame Mittel gegen zu hohen Energieverbrauch ist die Reduktion des Einkommens für diejenigen Bevölkerungsschichten, die sich das leisten können oder wollen.
    6 2 Melden
    • Tsunami90 20.10.2015 19:33
      Highlight Das Problem ist das unsere Wirtschaftsordnung die wahren Kosten von Gütern ignoriert. Würde bei der Preisbildung von Gütern die Kosten die bei der Herstellung, Transport und Vertrieb zulasten der Umwelt anfallen(Co2, Wasserverschmutzung, Entsorgung usw) miteinfliessen, wäre schon viel gewonnen.
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  • wasylon 19.10.2015 21:46
    Highlight Naja wenn ich mir das ganze Littering in Städten anschaue, wohnen da nicht nur Umweltschützer.
    17 5 Melden
    • Ton 20.10.2015 05:36
      Highlight Wobei es am Waldrand, entlang Hauptstrassen, aber noch viel schlimmer ist.
      10 1 Melden
    • Jol Bear 20.10.2015 18:11
      Highlight @Florian: dieser Müll stammt nicht zuletzt von den Städtern, welche "ins Grüne" fahren und solchen, die sich im Auto mit Fastfood verpflegen. Das Littering ist ein Punkt, wo die Landeier besser abschneiden: Bauern vermeiden es, weil sie selber aufräumen müssen, um das Zeug vom Magen ihrer Tiere auf der Weide fernzuhalten und im Dorf selber kontrollieren aufmerksame Augen hinter den Fenstergardinen die Bewegungen der Nachbarn...
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  • M2020 19.10.2015 18:43
    Highlight Nun, auch ich leiste meinen Beitrag zum Umweltschutz nach bestem Wissen und Gewissen. Jedoch hinterfrage ich manchmal meinen Beitrag angesichts der unfassbaren Umweltverschmutzung von beispielsweise China oder Indien, welche Unmengen von Schadstoffen ins Wasser kippen und in die Luft lassen.
    Rettet mein mehrfacher Gebrauch meiner Stoffeinkaufstasche wirklich die Welt? Manchmal fühlt man sich doch etwas machtlos.
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    • Sir Jonathan Ive 20.10.2015 14:50
      Highlight Trotzdem solltest du auf jeden Fall bewusst weiter deinen Beitrag leisten.
      So setzt du einerseits ein Zeichen, andererseits machtdein Beitrag - kombiniert mit anderen, die denselben Beitrag leisten - einen grossen Unterschied.
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  • Amboss 19.10.2015 17:32
    Highlight Ja, das machen sie gerne, die Städter. Klopfen sich auf die Schultern. Wir Städter: Die modernen linken Umweltschützer, die vom Land: die konservativen SVP-Luftverpester.

    Beispiel Zürich:
    Die Stadt Zürich endet nicht an der Gemeindegrenze. Effektiv sind viele Gemeinden mit der Stadt Zürich verwachsen. Und dort wird nicht links gewählt.
    Dorthin wurden einfach die vertrieben, welche in der Stadt kein Platz haben.

    Die konservative Luftverpester-Ideologie gibt es in der Stadt genau gleich. Häufig wird sie einfach in die Vororte vertrieben.
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