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Wie Adidas mit verbannten Kanye-Sneakern eine halbe Milliarde verdient

Wie Adidas mit den verbannten Kanye-Sneakern eine halbe Milliarde verdient

Die Sneaker-Linie Yeezy wurde nach antisemitischen Äusserungen des Rappers eingestellt. Der Skandal scheint die Fans aber nicht zu stören. Im Gegenteil: Die Sneaker sind beliebter denn je.
26.07.2023, 06:04
Ann-Kathrin Amstutz / ch media
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FILE - A sign advertises Yeezy shoes made by Adidas at Kickclusive, a sneaker resale store, in Paramus, N.J., on Oct. 25, 2022. Adidas said Friday, May 19, 2023, that it will begin selling its more th ...
Begehrte Ware: Die Fans reissen sich um die Restposten der Yeezy-Sneaker.Bild: keystone

Das Drama um die vielleicht umstrittensten Schuhe der Welt geht in die nächste Runde. Die Yeezy-Sneaker, designt von Rapper Kanye West, gehörten beim Sportartikelhersteller Adidas zu den absoluten Verkaufsschlagern. 2016 erschien das erste Modell mit der gewöhnungsbedürftigen Ästhetik zum Einkaufspreis von 250 Franken - aufgrund der begrenzten Auflage erreichte der Wiederverkaufswert im Internet jedoch bald rund 1600 Franken. Unter Fans brach ein regelrechtes Yeezy-Fieber aus. Und Adidas konnte mit der Sneaker-Reihe bald Milliardenumsätze einfahren.

Doch dann wurde Kanye West, der mittlerweile unter dem Namen Ye auftritt, immer öfter ausfällig. Mit Hasstiraden und antisemitischen Äusserungen wie «I like Hitler» oder «I love Nazis» machte sich der Rapper definitiv untragbar. So zog Adidas im Oktober vergangenen Jahres die Reissleine - und kündigte die Zusammenarbeit mit Kanye West mit sofortiger Wirkung auf. Die Produktion der Schuhe ebenso wie der Verkauf wurden gestoppt.

FILE - Kanye West, known as Ye, watches the first half of an NBA basketball game between the Washington Wizards and the Los Angeles Lakers in Los Angeles, March 11, 2022. Adidas saw operating earnings ...
Rapper Kanye West, neuerdings unter dem Namen Ye bekannt, fiel mit antisemitischen Äusserungen auf.Bild: keystone

Seither sitzt der deutsche Sportartikelhersteller auf Millionen von bereits produzierten Schuhen aus der Yeezy-Kollektion. Was sollte nun damit geschehen? Das Adidas-Management überlegte PR-wirksam, die Sneaker für wohltätige Zwecke zu spenden oder den Überlebenden des Erdbebens in Syrien und der Türkei zur Verfügung zu stellen.

Das Schuh-Dilemma

Im März äusserte CEO Bjørn Gulden dann aber Bedenken, die in den Lagern verbliebenen Produkte zu verschenken oder zu spenden. Seine Befürchtung: Viele der Beschenkten würden die Sneaker im Internet verkaufen und damit den Handel wieder aufleben lassen. Auch bei einer Spende kämen die Schuhe mit grosser Wahrscheinlichkeit zurück auf den Markt, orakelte der Adidas-Chef. Schliesslich seien es «keine normalen Schuhe». Im Raum stand auch die Option, die Schuhe zu verbrennen. Dies wurde aber mit dem Argument verworfen, es wäre schlecht für die Umwelt und würde einen Verlust von fast einer halben Milliarde Euro bedeuten.

Dann sollte man die Schuhe doch lieber gleich selbst verkaufen, dürfte sich der Adidas-Chef gesagt haben - und noch so viel herausschlagen wie möglich. Denn seit Adidas die Zusammenarbeit mit Kanye West beendet hatte, waren die Preise für Yeezys auf einschlägigen Plattformen für den Wiederverkauf stark gestiegen. Man habe auch innert kurzer Zeit Hunderte von Händlerangeboten erhalten, die den Restbestand kaufen wollten, erklärte Gulden.

Im Mai kündigte Adidas an, zumindest einen Teil der Yeezy-Restposten schrittweise auf den Markt zu werfen und einen Teil des Erlöses an Organisationen zu spenden, die sich gegen Rassismus und Antisemitismus einsetzen.

Bestellungen übertrafen alle Erwartungen

Vom 31. Mai bis zum 2. Juni war es nun so weit: 15 Modelle der Yeezy-Linie standen zum Verkauf - ausschliesslich über die eigene App namens Confirmed. Wie nun die «Financial Times» unter Berufung auf Insider berichtet, soll der Verkauf überraschend gut gelaufen sein. Innerhalb der drei Tage seien Bestellungen im Wert von mehr als einer halben Milliarde Euro bei Adidas eingegangen. Die Nachfrage habe je nach Modell und Grösse variiert. Ein Modell namens 500 Utility Black sei in Europa innerhalb weniger Stunden ausverkauft gewesen.

Auch Rapper Kanye West dürfte dies freuen. Er bekommt nämlich auch für die aktuelle Kollektion noch eine erfolgsabhängige Vergütung - somit verdient er nach wie vor an jedem verkauften Exemplar mit. Ein weiterer Teil der Erlöse aus dem Abverkauf soll gemäss der «Financial Times» in die endgültige Auflösung der Partnerschaft fliessen. Es müssen Abfindungen und Anwälte gezahlt sowie Produktionsstätten geschlossen werden.

Wohl werden einige Fans die Yeezys aufgrund der Kontroverse um den Rapper boykottieren. Gut möglich aber, dass andere die Schuhe nun erst recht in ihrem Repertoire haben wollen. Sneaker sind längst viel mehr als prosaische Alltagsgegenstände. Die meisten Hersteller bringen immer wieder Spezialmodelle mit limitierter Auflage auf den Markt. Diese werden als Sammler- oder Investitionsobjekte gehandelt. Dass keine neuen Yeezys mehr produziert werden, dürfte sie also umso begehrter machen.

Übrigens hält die Linie auch den Rekord für die teuersten je verkauften Sneaker: Vor gut zwei Jahren wurden die Schuhe, die Kanye West bei der Grammy-Verleihung 2008 getragen hatte, für sagenhafte 1.8 Millionen Dollar versteigert. Die sogenannten Yeezy 1, die Vorläufer der Yeezy-Linie, kamen damals aber noch bei der Konkurrenzmarke Nike auf den Markt. (aargauerzeitung.ch)

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45 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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namib
26.07.2023 06:41registriert März 2018
Die Schnittmenge zwischen denjenigen, die nach antisemitischen Äusserungen von Ye einen shitstorm lostreten und denjenigen, die sich die letzten Yeesies krallen, um damit Geld zu machen, ist vielleicht nicht besonders gross. Störend ist es trotzdem, wie schnell unsere Gesellschaft moralische Prinzipien über Bord wirft, wenn‘s um den persönlichen Vorteil geht🤔
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and1therealone
26.07.2023 06:41registriert März 2023
Früher wärst du für solche Schuhe auf dem Pausenplatz verprügelt worden und das zu recht!
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Bikemate
26.07.2023 08:37registriert Mai 2021
Die Schuhe zu vernichten wäre schon pervers gewesen. Das so viele Menschen so viel Geld für die Schuhe ausgeben wollen, ist aber auch pervers.
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