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MoneyTalks

Wie du DIY in Aktien anlegst und was du darüber wissen solltest

Anstatt Sparkonto oder Fonds, ETFs und Robo-Advisors direkt selbst Aktien kaufen? Was du darüber wissen solltest.
25.11.2021, 16:3325.11.2021, 17:37
Olga Miler
Olga Miler
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Denkst du darüber nach oder hast du bereits Geld in Aktien angelegt? Die jährliche Befragung von Moneyland an 1500 Personen in der Schweiz zeigt, dass viele von uns trotz Corona und Negativzinsen eher zurückhaltend oder gar nicht investieren: So sind gemäss der Studie knapp ein Drittel (27%) in einer Form in Aktien investiert. Am beliebtesten ist immer noch das Sparkonto (80%) und das Privatkonto – fast 50% gaben an, einen grossen oder mittelgrossen Betrag dort parkiert zu haben. Bei der Anlage in Aktien gab es auch deutliche Geschlechterunterschiede, so gaben mit 36% fast doppelt so viele Männer an, in Aktien investiert zu haben, als Frauen (19%). Grafik zur Beliebtheit der verschiedenen Anlagen hier.

In Vorträgen stelle ich fest, dass Anlegen mit Aktien in den letzten Monaten mehr zum Thema wird – bei Frauen und Männern. Gab es in der Vergangenheit sehr viele Fragen zu Wertschriften bei der Säule 3a – jetzt haben gemäss der Studie 3a in Wertschriften bereits mit den Sparkonten gleichgezogen – gibt es jetzt häufiger Fragen zu Anlagen in Fonds/ETFs und Aktien. Für alle, die darüber nachdenken, in Aktien zu investieren, hier sind ein paar wissenswerte Fakten und Tipps für den Start.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Je nach Ziel gibt es beim Anlegen mit Aktien ganz verschiedene Möglichkeiten. Einige der häufigsten sind: in einen Fonds/ETF anzulegen, ein Online-Tool zu nutzen, welches dir ein Portfolio zusammenstellt, oder die Firmen, in welche du investieren willst, selbst aussuchen und deren Aktien kaufen und so in Einzelaktien anlegen.

Was sich besser eignet, hängt von persönlichen Gegebenheiten ab, z.B. wieviel Zeit du zur Verfügung hast oder aufbringen willst, ob du gewisse Themen bevorzugst, für die es allenfalls gar keine Fonds gibt, aber auch, wie sich deine allgemeine finanzielle Situation gestaltet.

Fonds oder Do-it-yourself mit Einzelaktien?

Wenn du dein Portfolio mit Einzelaktien selbst zusammenstellst, dann hast du folgende Vorteile:

  • Grosse Kontrolle in was du investierst, da du die Unternehmen selbst auswählst. Kann auch bei Nachhaltigkeitskriterien sehr vorteilhaft sein – du weisst, was drin ist.
  • Direkte Anlage in spezifische Themen oder Unternehmen, die dich interessieren.
  • Spekulation auf höhere Renditen.
  • Möglichkeit, in Themen oder Industrien anzulegen, für die es vielleicht gar keinen Fonds oder andere Anlagen gibt.
  • Aktionärsrechte, welche du wahrnehmen kannst.

Allerdings ist eine solche Anlage auch mit Nachteilen verbunden:

  • Hohes Verlustrisiko bis hin zum Totalverlust des Anlagebetrags.
  • Hoher Zeitaufwand für Recherche für den Kauf, aber auch Verwaltung des Portfolios.
  • Ballungsrisiken, vor allem wenn du nur wenige Titel hast.
  • Kosten: Vor allem bei kleineren Beträgen und wenn du öfter kaufen oder verkaufen solltest, können die damit verbundenen Kosten die Gewinne empfindlich schmälern.
  • Anlegefehler passieren schneller: Die Kursschwankungen können zu Fehlern wie Herdentrieb verleiten, z.B. du kaufst, wenn alle kaufen und der Preis hoch ist, oder verkaufst ungünstig bei einem Tief, da dich die Schwankungen unter Druck setzen.

Gegenüber den Einzelaktien haben Fonds die folgenden Vor- und Nachteile:

Vorteile:

  • Einfachere Handhabung und weniger Zeitaufwand für Recherche und Verwaltung.
  • Geringere Konzentrationsrisiken, da ein Fonds mehrere Unternehmen und allenfalls auch Anlageklassen enthalten kann oder einem Index folgt.
  • Mit kleinen Beträgen möglich und je nach Fonds auch kostengünstiger.
  • Weniger anfällig auf Anlagefehler.

Nachteile:

  • Du hast weniger Selbstbestimmung, da du keine Titel aus dem Fonds selbst entfernen kannst.
  • Die Rendite ist so gut wie die Rendite des gesamten Fonds, bei denen, die einem Index folgen, so gut wie der Index.
  • Kosten, vor allem bei aktiv verwalteten Fonds, können Rendite schmälern.

Tipps und Tools für Anlage mit Einzelaktien

  1. Finanzen prüfen und allenfalls zuerst andere Möglichkeiten wie Säule 3a in Wertschriften ausschöpfen, nur verfügbares Geld investieren, welches du bei Totalverlust des investierten Betrages verschmerzen kannst.
  2. Anlagestrategie und -ziel festlegen: Deine persönliche Risikobereitschaft kennen, ein Renditeziel festlegen, Anlagehorizont festlegen – unterscheide hier, ob du kurzfristige Spekulation betreibst oder langfristig anlegen möchtest.
  3. Passendes Depot eröffnen: Broker/Onlinebroker, Bank, Direktbank und dabei unbedingt die Gebühren im Blick behalten, und zwar für das Depot, die Transaktionen, allfällige Währungskosten, aber auch für einen Wechsel des Anbieters, falls du später wechseln möchtest. Zudem nachschauen, welche Steuerdokumentation standardmässig dabei ist und was allenfalls Zusatzkosten verursacht.
  4. Aktien recherchieren: bevorzugte Branchen auswählen, Markt beobachten, Spitzenreiter pro Branche analysieren, passende Aktien recherchieren. Für die Recherche und Bewertung eignet sich eine Kombination von Kriterien, z.B. Wachstum und Rendite des Unternehmens, aber auch Markenstärke, Zukunftsfähigkeit der Branche, zukünftige Pläne etc. beachten.
  5. Aktiendepot zusammenstellen: Je nach deinem Anlageziel die einzelnen Titel auswählen, auch bei einer Anlage mit Einzelaktien ist Diversifikation wichtig. Studien haben gezeigt, dass ca. 15-30 Titel genügen, darüber hinaus ist der Diversifikationseffekt gering. Für die Aufteilung innerhalb des Portfolios haben Studien gezeigt, dass es genügt, das Geld gleichmässig zu verteilen, komplizierte Ansätze waren nicht überlegen.
  6. Portfolio gemäss deinen Zielen verwalten: Spekulierst du kurzfristig, dann musst du das Portfolio regelmässig überwachen, und je nach Ziel lohnt es sich, (Teil-)Gewinne mitzunehmen und Verluste schnell zu begrenzen. Legst du langfristig an, dann solltest du bereit sein, die Schwankungen entsprechend auszuhalten und vorschnelle Reaktionen zu vermeiden. Wichtig ist, gut und regelmässig über «deine» Unternehmen und die Aktienmärkte informiert zu sein, um entsprechend zu reagieren.

Ideen und Tools für die Aktienrecherche

Informationen zu den einzelnen Unternehmen findest du z.B. in den Jahresberichten und im Bereich «Investor Relations» des jeweiligen Unternehmens.

Marktdatenseiten nutzen, z.B. der Aktienexplorer der SIX Group, Aktienbestenlisten wie z.B. schweizeraktien.net oder Listen erfolgreicher InvestorInnen, z.B. sind auf der Webseite gurufocus.com (auf Englisch) die Aktien von vielen verschiedenen InvestorInnen wie Warren Buffet, Bill Gates etc. einsehbar.

Medien und Informationsportale, aber auch Infos der Anbieter, welche oft Vergleichsmöglichkeiten und Listen zur Verfügung stellen.

Wie ihr seht, anlegen mit Einzelaktien kann sehr viel Spass machen, braucht aber auch Interesse und die notwendige Zeit. Ich habe vor 18 Monaten ein Experiment begonnen und mit 2000 Franken ein kleines Depot angelegt mit einem Welt EFT, einem nachhaltigen EFT auf erneuerbare Energien und Einzelaktien in Wasserstoff, da ich keinen Wasserstofffonds finden konnte. Das Resultat nach 18 Monaten? Das Portfolio ist insgesamt positiv, die ETFs haben sich gut entwickelt und die Wasserstofffirma, na ja, Rendite im zweistelligen %-Minusbereich – ich warte da jetzt noch ein bisschen, ob sich das vielleicht wieder bessert. 😉

Ist anlegen mit Einzelaktien etwas für dich oder machst du das vielleicht schon? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

bild: zvg
Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.
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Urs Rohner war zehn Jahre Präsident der Credit Suisse. Bei Axel Weber von der UBS werden es ebenfalls zehn Jahre sein, wenn er im April 2022 seinen Stuhl räumen wird. Von solchen Zeitperioden kann man bei der Raiffeisenbank nur träumen. Mit Thomas Müller versucht nun der vierte Verwaltungsratspräsident seit dem Abgang des langjährigen Raiffeisen-Lenkers Pierin Vincenz im Jahr 2015 sein Glück. Zählt man beide Interregna von Pascal Gantenbein einzeln, ist er gar der fünfte Präsident in sechs Jahren.

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