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MoneyTalks

Die Chancen und Risiken von Crowdfunding – das solltest du wissen

Im Zuge der Pandemie sind sie explodiert, die Projekte, welche über Crowd-Plattformen finanziert wurden. Welche Möglichkeiten bieten dir diese Tools zum Geldsammeln und -anlegen?
30.09.2021, 15:4830.09.2021, 16:38
Olga Miler
Olga Miler
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Ich führte letztens ein Gespräch mit meinem Nachbarn, der sehr Fintech-begeistert ist und jede Menge unterschiedlicher Apps benutzt und sich beklagt hat, dass Crowd-Lending auch nicht mehr so gut funktioniert wie früher. Scheinbar gibt es auf seiner Plattform mehr Menschen, die Geld verleihen wollen, als solche, die es sich zu entsprechenden Konditionen leihen möchten. Das hat mich neugierig gemacht, mal näher hinzuschauen, welche Möglichkeiten Crowd-Plattformen bieten und wie man das nutzen kann. Falls du auch darüber nachdenkst, z.B. dein Projekt über eine Crowd-Plattform zu finanzieren oder Geld an Menschen darüber verleihen willst: Hier sind einige Hintergrundinformationen und Tipps.

Was ist Crowdfunding?

Crowdfunding (Schwarmfinanzierung) ist eine Methode der Geldvermittlung, bei der in der Regel viele Personen gemeinsam oft kleinere Beträge zur Verfügung stellen. Crowdfunding kann sehr vielfältig eingesetzt werden, z.B. für die Finanzierung verschiedener sozialer Projekte, Vergabe von Krediten an Unternehmen, Finanzierungen für Start-Ups, gemeinsame Investitionen in Immobilien etc. Unterschieden werden grob drei Formen: Crowdsupporting, Crowdlending und Crowdinvesting. Zentral bei allen Formen ist, dass eine direkte, internetbasierte Kommunikation zwischen Geldgebenden und Kapitalnehmenden besteht.

In der Schweiz gibt es Crowdfunding seit 13 Jahren, im Jahr 2008 wurde die Plattform Cashare gegründet. Seither wurden 2,29 Milliarden Franken vermittelt, heute gibt es in der Schweiz 38 Plattformen.

Zunahme von Crowdsupporting im Zuge der Pandemie

Etwa 270‘000 Personen haben im Jahr 2020 in der Schweiz ein Crowdfunding-Projekt unterstützt, total wurden 606,6 Millionen Franken in 17’359 Kampagnen vermittelt (Crowdfunding Monitor Schweiz 2021). Damit ist der gesamte Crowdfunding-Markt um 1,6% gewachsen (2017 – 2018 waren es noch +38%) und hat sich im Zuge der Pandemie verändert: Es wurden vermehrt temporäre Projekte unterstützt. Die Kategorie Crowdsupporting legte innert eines Jahres um +82% zu, gleichzeitig stieg das Volumen im Crowdlending um lediglich 7% und Crowdinvesting war um 26% rückläufig.

Wie kannst du Crowdfunding nutzen?

Je nachdem welche Ziele du hast, gibt es ganz verschiedene Möglichkeiten, wie du Crowdfunding nutzen kannst. Hier eine Liste an Möglichkeiten und Beispielplattformen:

1. Geld sammeln oder zur Verfügung stellen für Projekte

Bei dieser Form von Crowdfunding gibst du (oder erhältst du) Geld in Form einer einmaligen Gegenleistung, z.B. ein künstlerisches Werk, Produkt oder eine Dienstleistung. Unterschieden wird oft zwischen:

  • Kommerziellen Zielen (Crowdsupporting), z.B. ein Start-Up sammelt Geld für die Vorfinanzierung eines Produktes.
  • Nicht kommerziellen Zielen (Crowddonating), z.B. wenn für ein gemeinnütziges Projekt gesammelt wird.

Beispiele an Plattformen (illustrative Auswahl ohne Empfehlung):

  • Lokalhelden.ch: unterstützt durch Raiffeisenbank, erhebt 0% Gebühren, laut eigener Aussage haben Projekte eine 78%-ige Erfolgsrate.
  • Wemakeit.ch: 10% Gebühr auf gesammelten Betrag, laut eigener Aussage haben Projekte eine Erfolgsrate von 64%. Internationale Plattformen wie z.B. Kickstarter.com (5% Gebühren), gofundme.com (2,9% Transaktionsgebühren + 0,30 US$ pro Transaktion).
  • Thematische Plattformen, z.B: Crowdify.net für Start-Ups und Kulturprojekte, ibelieveinyou.ch für Sportprojekte, splendit.ch für Studenten und Weiterbildungen.

2. Kredite und Kapital aufnehmen und vergeben

Bei Crowdlending vergeben Privatpersonen Kredite an andere Privatpersonen oder Unternehmen. Du kannst dies somit für Kreditaufnahme oder als eine Art Anlageform nutzen und dein Geld gegen Zins für Kreditvergabe zur Verfügung stellen. Vom gesamten Schweizer Crowdfunding-Markt machte Crowdlending mit 448 Millionen Franken im Jahr 2020 den grössten Teil aus, ist aber im Vergleich zu den sonstigen Darlehensvergaben ein Nischenmarkt. Unterschieden werden grob drei Kategorien: Business Crowdlending für Unternehmen, welche Kapital für Projekte oder Kredite aufnehmen möchten, Consumer Crowdlending für private Kredite und Real Estate Crowdlending für z.B. Hypotheken für Privatpersonen oder Finanzierung an Immobilienentwickler.

Insgesamt gibt es 13 Crowdlending-Plattformen, welche sich in Verwendungszweck und Gebührenstrukturen unterscheiden, z.B. lendora.ch, swisspeers.ch, lend.ch, funders.ch (Mischplattform, welche für Crowdlending und Crowdsupporting eingesetzt werden kann), loanbox.ch (spezialisiert auf Gemeinden, Kantone und Pensionskassen). Auch bei den Gebühren gibt es Unterschiede, in der Regel erheben die Plattformen jährliche und einmalige Gebühren für die Kreditnehmer zwischen einmalig 0,35-2% und 0,6-1% jährlich und für die Investoren zwischen 0,4-1%. Detailvergleich der Gebühren und Anbieter: Crowdfunding Monitor Schweiz 2021

3. Co-Investieren

Beim Crowdinvesting beteiligen sich mehrere private Investoren an z.B. einem Start-Up, einem Unternehmen oder einem Immobilienprojekt. Sie tätigen eine Investition und erhalten dafür Anteile am Unternehmen oder der Immobilie. Crowdinvesting ist relativ neu, verschiedene Plattformen in der Schweiz sind erst in den letzten Jahren, rund um 2015 und 2017 entstanden. Im Bereich von Immobilien gibt es mehrere Plattformen, z.B. crowdhouse.ch, beedo.ch, crowdli.ch, foxstone.ch. Die Gebühren betragen in der Regel 3% des Immobilienkaufpreises sowie 0,5-7% auf den Nettomietertrag. Die angepriesenen Renditen bewegen sich z.B. bei einer Anlage von 100'000 Franken für Miteigentum bei crowdhouse.ch laut Webseite im Bereich von 5-7% pro Jahr.

Chancen und Risiken von Crowdfunding

Crowdfunding /-lending und -investing eignet sich für die Anlage von kleinen Summen oder für die Unterstützung von Projekten, bei denen die monetäre Rendite nicht im Vordergrund steht. Bei den Investitionen wird das Risiko auf viele Personen verteilt, bleibt aber bestehen. Rück- und Zinszahlungen können ausbleiben oder sich verzögern, im schlimmsten Fall droht der Totalverlust des Kapitals. Ebenfalls ist abzuklären, was mit deinem Geld passiert, sollte das Projekt nicht zustande kommen. Zudem können die Gebühren hoch ausfallen und im Vergleich zu anderen Anlagen die Renditen bescheidener sein: illustrativer, vielleicht nicht ganz fairer Vergleich als Gedankenanstoss: Performance MSCI ACWI 2020 16,82% vs. Investition in Miteigentum Immobilie mit erwarteter Rendite von 5-7% p.a.

Was solltest du bei der Wahl der Crowd-Plattform beachten?

Da es sehr viele verschiedene Möglichkeiten gibt, hier ein paar Tipps:

  1. Ziel und Thema festlegen: Je nachdem ob du ein Projekt finanzieren, investieren oder Kredit aufnehmen willst, werden andere Plattformen infrage kommen.
  2. Erfolgsquote prüfen: Viele der Plattformen, vor allem für Projekte, weisen ihre Erfolgsquote offen aus und diese kann unterschiedlich ausfallen. Bei Investitionsplattformen zudem die erwarteten Renditen prüfen.
  3. Gebühren prüfen und vergleichen: Hier gibt es erhebliche Unterschiede und Bandbreiten und ein Vergleich lohnt sich in jedem Fall.
  4. Zusatzmöglichkeiten berücksichtigen, z.B. bietet die Plattform weitere Möglichkeiten wie Helfer-Mobilisierung oder andere Spenden als nur Geld aufzunehmen, kannst du dein Projekt besonders vermarkten oder gibt es andere Vorteile, die dir weiterhelfen?
  5. Vertrauenswürdigkeit der Plattform und Projekte prüfen: Gerade bei Investitionen ist es wichtig zu verstehen wie die Projekte ausgewählt werden, wer hinter der Plattform steht und was mit deinem Geld passiert, wenn es nicht so laufen sollte wie geplant.

Was denkt ihr über Crowdfunding, habt ihr das schon mal ausprobiert und Erfahrungen gemacht? Lohnt sich das als Geldanlage oder ist es doch eher geeignet für Finanzierung von z.B. gemeinnützigen Projekten?

bild: zvg
Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.
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